Wer die Lagerhallen von Arvato im nordrhein-westfälischen Düren betritt, bemerkt zunächst eines: Ruhe. Rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt, bewegen und konfektionieren Waren für Kunden aus der Kosmetik- und Technologiebranche. Flurförderzeuge sind unterwegs, Förderbänder laufen, doch von Hektik ist nichts zu spüren.
Das ist kein Zufall. Damit alle Arbeitsabläufe perfekt ineinandergreifen, sind Struktur und Organisation maßgeblich. Auch im Sinne der Sicherheit: Die Wege für Fußgängerinnen und Fußgänger sind klar getrennt von den Spuren für Flurförderzeuge. Schwarz-gelb gekennzeichnete Fahrbarrieren sorgen für eine eindeutige Trennung der Verkehrsbereiche. Wer zu Fuß unterwegs ist, nutzt markierte Übergänge – Zebrastreifen in der Lagerhalle. Dazwischen bewegen sich Frontgabelstapler, Schubmaststapler und Mitgänger-Flurförderzeuge. Riskante Fahrmanöver oder überhöhte Geschwindigkeiten? Nicht zu sehen.
Arvato
- Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann
- Etwa 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an 100 Standorten weltweit (Standort Düren: rund 600)
- Fokus auf die Bereiche Konsumgüter, Technologie, Gesundheitswesen, Automobil und Verlagswesen
Ein laufender Prozess
Katharina Kotzyba, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Arvato, arbeitet gemeinsam mit Kolleginnen, Kollegen und Geschäftsführung seit Jahren daran, die Sicherheitskultur am Standort kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Dieser Prozess ist eine Teamaufgabe und im Prinzip ja niemals abgeschlossen. Es geht immer noch mehr“, betont sie. Wichtig sind ihr klare Strukturen, Aufmerksamkeit und Menschen, die Verantwortung übernehmen. Gesetzliche Anforderungen zu erfüllen, sei eine Sache. Eine im Arbeitsalltag verankerte Sicherheitskultur zu schaffen, noch mal eine andere: „Wer Regeln und ihre Auswirkungen für die eigene Sicherheit versteht, nimmt sie an und setzt sie dann auch um“, davon ist Kotzyba überzeugt.
Im Team mit Frank Schumacher, Specialist Fahrzeugbetreuung bei Arvato, und anderen hat sie in den vergangenen Jahren besonders im Bereich Flurförderzeuge und Gabelstapler an vielen Sicherheitsstellschrauben gedreht. Ein Beispiel ist die Qualifizierung der Beschäftigten, die Flurförderzeuge bedienen. Während diese früher von externen Anbietern geschult wurden, setzt Arvato am Standort Düren inzwischen verstärkt auf die eigene Kompetenz. Die Bedienerinnen und Bediener werden individuell qualifiziert und regelmäßig in Theorie und Praxis unterwiesen.
Grundlage dafür ist die Gefährdungsbeurteilung. „Sie ist nicht nur ein formales Dokument, sondern ein praktisches Werkzeug. Aus ihr lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten, die an die tatsächlichen Bedingungen vor Ort angepasst sind“, erklärt Schumacher. Denn gerade in der Logistik zeige sich: Sicherheit gibt es nicht von der Stange.
Erfahrung kommt aus der Praxis
Frank Schumacher kennt die Welt der Flurförderzeuge aus vielen Perspektiven. Seit dem Jahr 2013 arbeitet er am Standort, zunächst als Haustechniker. Inzwischen ist er Trainer für Flurförderzeuge und Fuhrparkleiter, ist für rund 200 verschiedene Geräte zuständig, darunter Mitgänger-Flurförderzeuge, Schubmaststapler und Schmalganggeräte. Seine Vergangenheit als Fahrlehrer war eine gute Grundlage, in diesen Job zu starten. „Ich war hier zeitweise für alles zuständig, was Räder hatte – außer Bürostühle“, erzählt Schumacher mit einem Schmunzeln.
Die Vielfalt der Fahrzeuge in den Arvato-Hallen erfordert eine passgenaue Ausbildung der Beschäftigten, die sie bedienen. „Besonders kleinere Lagergeräte werden häufig unterschätzt. Mitgänger-Flurförderzeuge wirken weniger beeindruckend als große Stapler, bergen jedoch ebenfalls Risiken und erfordern einen verantwortungsvollen Umgang“, betont Schumacher. Er kennt aus seinen zahlreichen Unterweisungen typische Situationen: zu schnelles Fahren in Kurven, das Hinauslehnen des Körpers in engen Fahrgassen oder die Annahme, dass schon nichts passieren werde.
Wie viele Logistikstandorte arbeitet auch Arvato mit gemischten Teams. Neben den eigenen Beschäftigten unterstützen in Spitzenzeiten zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den gewerblichen Bereich, unter anderem auch aus dem europäischen Ausland. Jedoch nicht jede im Ausland erworbene Staplerqualifikation lässt sich formal unmittelbar mit einer deutschen Ausbildung vergleichen.
Deshalb prüft Arvato die vorhandenen Nachweise sorgfältig und stellt sicher, dass alle Beschäftigten über die erforderliche Qualifikation für den sicheren Einsatz der Flurförderzeuge verfügen. Im Zweifel wird gezielt nachgeschult – individuell und passend zu den Anforderungen am jeweiligen Standort. Und neben Deutsch und Englisch auch auf Polnisch. „Ein Staplerschein allein sagt wenig darüber aus, ob jemand ein Fahrzeug im betrieblichen Alltag sicher einsetzen kann. Entscheidend ist die Kombination aus Wissen, praktischer Erfahrung und einer Einweisung in die konkreten Bedingungen am Arbeitsplatz“, sagt Schumacher.
Auf Augenhöhe statt von oben herab
Katharina Kotzyba verfolgt diesen Ansatz konsequent. Ihre Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit hat sie bei der BG ETEM absolviert. „Der starke Praxisbezug hat mich dabei besonders überzeugt“, sagt sie. Denn das beste Wissen helfe eben nur, wenn es im Unternehmen ankomme. Genau darum geht es bei ihrer Arbeit: Sicherheitsanforderungen so zu vermitteln, dass sie für die Beschäftigten verständlich sind und im Arbeitsalltag umgesetzt werden können. Für Kotzyba bedeutet das vor allem, gut zuzuhören, Situationen zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Unterweisungen sind deshalb keine reine Informationsveranstaltung, um Vorgaben weiterzugeben. Die eigenen Erfahrungen der Beschäftigten spielen stets eine wichtige Rolle. Um die Arbeit der Fahrerinnen und Fahrer besser nachvollziehen zu können, hat sie gemeinsam mit Schumacher ein einwöchiges Trainerseminar für Ausbilder von Flurförderzeugführern bei der BG ETEM besucht. Selbst bei der Anerkennung von Ausbildungsnachweisen aus anderen EU-Ländern hilft dieses Wissen. Wo Unsicherheiten bestehen, entscheidet Arvato nicht schematisch, sondern prüft jeden Fall individuell, damit alle Beschäftigten sicher eingesetzt werden können.
Eine besondere Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der BG ETEM. „Für uns ist die BG eine wertvolle Ressource“, sagt Kotzyba. Für sie ist die Berufsgenossenschaft nicht nur eine Institution, die Vorgaben überprüft, sondern vor allem bei der Weiterentwicklung des Arbeitsschutzes unterstützt. Unterstützt wird Arvato durch die zuständige Aufsichtsperson Martin Jilko, der festhält: „Genauso sollte die Zusammenarbeit immer funktionieren.“
Moderne Technik unterstützt die Ausbildung
Neben Qualifizierung und Kommunikation unterstützt auch moderne Technik die Sicherheitsarbeit bei Arvato. Die neuesten Schubmaststapler beispielsweise verfügen über zusätzliche Mitfahrmöglichkeiten für den Ausbilder. Dadurch können neue Kolleginnen und Kollegen in der Anfangsphase direkt begleitet werden, ohne dass sich der Ausbilder in engen Fahrgassen selbst gefährden muss. So lassen sich technische Möglichkeiten mit praktischer Ausbildung verbinden. Neue Beschäftigte erhalten Unterstützung genau dort, wo sie gebraucht wird.
Katharina Kotzyba, Frank Schumacher und ihre Kolleginnen und Kollegen stehen für einen Arbeitsschutz, der nah an den Menschen bleibt. Sie gehen in die Bereiche, sprechen mit den Beschäftigten und verbinden Fachwissen mit praktischer Erfahrung. Denn Sicherheit entsteht nicht erst dann, wenn etwas passiert ist. Sie entsteht vorher – durch moderne Technologien, eine sichere Arbeitsorganisation und gut qualifizierte Beschäftigte. Genau deshalb fährt Sicherheit bei Arvato jeden Tag mit.
Markus Tischendorf
→ info
- RiskBuster-Video: Gabelstapler: www.youtube.com
- Ausbildung Fachkräfte für Arbeitssicherheit: www.bgetem.de, Webcode: 11387120
- Lernmodul Gabelstapler: elearning.bgetem.de
- Lernmodul Mitgängerflurförderzeuge: elearning.bgetem.de
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