Übungsleiter prüft mit drei Männern eine Leiter, die vor ihm steht. Im Hintergrund der Lagerhalle beladene Regale und aufgehängte Kabel.
Übungsleiter Dirk Bünger prüft mit Azubi Leon Seib, der Fachkraft für Lagerlogistik Tobias Junk und Azubi Jim Esper eine Leiter (v. l.).

Die Ladefläche ist befüllt, der Spanngurt sitzt. Dann ein Ruck – und die Kiste kippt nach vorn. „In der Realität hätte das übel ausgehen können“, sagt Leon Seib. Der Mechatronik-Azubi von Becton Dickinson Rowa Germany (BD Rowa) am Standort Kelberg in der Eifel steht mit mehreren Kollegen an einem Übungsmodell zur Ladungssicherung, das die Ladefläche eines kleinen Fahrzeugs simuliert. Gemeinsam prüfen sie den Ladebereich, ziehen nach und sichern neu. „Besser. Viel besser!“, sagt Übungsleiter Lutz Pfennig vom externen Dienstleister Projektservice Schwan. Er bespricht mit der Gruppe, worauf es beim Beladen und Entladen von Fahrzeugen ankommt, beobachtet die Probeläufe und teilt praktische Tipps. Er betont: „Ein Thema wie Ladungssicherung ist für alle relevant – ob beruflich oder privat. Im Idealfall können sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer etwas lernen.“

Prävention als tägliche Aufgabe

Es ist viel los auf dem Werksgelände von BD Rowa in Kelberg: Eine Woche lang kommen Beschäftigte gruppenweise zur „Safety Week“, die das Unternehmen dort veranstaltet. Das Ziel: Theoretisches und praktisches Wissen zu Arbeits- und Gesundheitsschutz vermitteln. In den Produktionshallen sind Praxisstationen wie die zur Ladungssicherung aufgebaut, in der Kantine steht gesunde Ernährung auf der Agenda. Flankiert wird das Angebot der Safety Week durch Vorträge, Erste-Hilfe-Kurse, ein Beweglichkeits-Screening und mehr. „Das Programm soll möglichst viele Beschäftigte ansprechen – vom Produktionsbereich bis zur Verwaltung, von Auszubildenden bis zu langjährigen Monteurinnen und Monteuren“, sagt Hermann Sicken. Er ist Fachkraft für Arbeitssicherheit bei BD Rowa und gehört zum Organisationsteam der Aktionswoche.

Mann im weißen Hemd in Interviewsituation
„Wir wollen nicht erst reagieren, wenn etwas passiert ist, sondern Gefährdungen frühzeitig erkennen.“ Michael Werle, BD Rowa, Betriebs- und Standortleiter Kelberg
Sein Arbeitgeber entwickelt, installiert und wartet kundenspezifische Automatisierungslösungen für Apotheken und Krankenhäuser – Anlagen, die aus bis zu 16.000 Einzelteilen bestehen. „Jedes Projekt ist individuell, viele Bauteile unterscheiden sich, und es kommen regelmäßig neue Arbeitsschritte hinzu – diese Dynamik steuern wir aktiv, indem wir neue Abläufe konsequent bewerten und sicher in unsere Prozesse überführen. Das erfordert eine hohe Aufmerksamkeit für Arbeitssicherheit – von allen Beteiligten“, sagt Michael Werle, Betriebs- und Standortleiter von BD Rowa in Kelberg. „Diese Woche ist eine tolle Gelegenheit, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich zu sensibilisieren.“
  

So lief die Safety Week bei BD Rowa

 
Viele Aha-Effekte

Porträt einer älteren Frau mit Brille, die in die Kamera lächelt
„Uns war wichtig, dass Inhalte nicht nur vermittelt, sondern erlebt werden. Genau das bleibt im Gedächtnis.“ Stefanie Hombach, BD Rowa, Senior Manager, Teamleader EHS-Management/Facilities
Bei Organisation und Ablauf der Safety Week unterstützt die BG ETEM. BD Rowa hat mehrere Aktionsmedien der Berufsgenossenschaft ausgeliehen. Sie sind das Herzstück der Praxisstationen, machen verschiedene Aspekte der Arbeitssicherheit erlebbar, Beschäftigte können ausprobieren und üben. Hermann Sicken steht gerade am Stolperparcours. Wer ihn absolviert, erlebt typische Gefahrensituationen aus dem Arbeitsalltag: unterschiedliche Untergründe, Kabel, Kanten oder Höhenunterschiede. Sicken erklärt: „Unsere Monteurinnen und Monteure arbeiten jede Woche in anderen Umgebungen. Mal im Neubau, mal in einer Apotheke im laufenden Betrieb, mal auf einer Rohbaustelle. Die Gefährdungen ändern sich ständig.“

Der Parcours macht diese Unterschiede greifbar – und schärft das Bewusstsein für scheinbar kleine Risiken. Weitere Stationen der BG ETEM behandeln unter anderem die Themen Handlauf, Leitern und Sicherheitsschuhe. „Es gibt immer wieder Aha-Effekte“, sagt Tobias Junk. Die Fachkraft für Lagerlogistik nennt als Beispiel ein Aktionsmedium, das die Kräfte misst, die bei einem Sprung – beispielsweise von einer Laderampe – auf den Körper wirken. „Die Waage zeigte mehrere Hundert Kilo. Mir war nicht bewusst, dass die Belastung der Gelenke bei einem solchen Sprung das Zwei- bis Vierfache des Körpergewichts beträgt. So etwas bleibt hängen“, sagt Junk. Genau das hatte sich das Orga-Team von BD Rowa erhofft.

Ein breites Angebot

Porträt einer jüngeren Frau, die in die Kamera lächelt
„Die Aktionsmedien sind für uns ein praxisnahes Präventionsinstrument.“ Julia Moll-Calderoni, BG ETEM, Bearbeiterin, Präventionsabteilung
Julia Moll-Calderoni und Klaus Krauthausen aus dem Bereich Aktionsmedien der Präventionsabteilung der BG ETEM sind ebenfalls vor Ort. „Viele Beschäftigte stellen Fragen und teilen eigene Erfahrungen. Man merkt: Das Angebot wird angenommen“, so Moll-Calderoni. Krauthausen sagt: „Eine Menge Betriebe leisten bei Unterweisungen und Schulungen sehr gute Arbeit.

Bei einer Safety Week wie dieser zeigt sich aber, wie wertvoll unsere Aktionsmedien ergänzen. Sie schließen die Lücke zwischen Theorie und der alltäglichen Praxis.“ Die meisten Aktionsmedien werden per Versand leihweise zur Verfügung gestellt und müssen durch eine verantwortliche Person im Mitgliedsunternehmen betreut werden. In diesem Fall übernimmt die BG ETEM die Kosten für den Versand und die Abholung in vollem Umfang. Einige der Aktionsmedien stammen jedoch von externen Dienstleistern. In diesen Fällen beteiligt sich die BG ETEM anteilig an den Kosten.

Erhöht die Attraktivität

Bei BD Rowa zeigt man sich zufrieden mit der Safety Week. Hermann Sicken möchte die Aktionsmedien der BG ETEM auch künftig gezielt nutzen, um Beschäftigte zu schulen. Standortleiter Michael Werle freut sich ebenfalls über den Verlauf der Aktionswoche: „Für mich sind Gesundheits- und Arbeitsschutz ganz wichtig für die Attraktivität eines Arbeitgebers. Die Safety Week unterstreicht, dass wir auf unsere Beschäftigten achten.“ Er freue sich auf eine Neuauflage.


Drei Fragen zu ...
Ladungssicherung

Porträt einer jüngeren Frau, die in die Kamera blickt
Liliana Droppelmann, BG ETEM, Referentin für Verkehrssicherheit
Frau Droppelmann, welche Art der Ladungssicherung ist optimal?


Eine Kombination aus kraftschlüssiger und formschlüssiger Ladungssicherung. Beim Kraftschluss wird die Ladung mithilfe von Zurrgurten oder ähnlichen Hilfsmitteln auf die Ladefläche gepresst. Beim Formschluss wird das Ladegut durch feste Begrenzungen gesichert. Typisch ist beispielsweise das dichte Verstauen an der Stirnwand des Fahrzeugs oder das Sichern durch Rungen, Seitenwände oder Sperrbalken. Wichtig ist: Die Ladung muss in alle Richtungen gegen Verrutschen gesichert sein.

Wie wichtig ist die Sauberkeit der Ladefläche?

Sehr wichtig! Sand, Kies, Schnee und Eis oder andere Verschmutzungen reduzieren die Reibung zwischen der Ladefläche und dem Ladegut. Die Ladefläche sollte trocken und sauber sein. Am besten wird sie trocken abgekehrt. Fettige oder nasse Reinigungsmittel sollten vermieden werden. Feuchtigkeit verringert die Reibung erheblich und erhöht das Risiko, dass die Ladung verrutscht. 

Was wird besonders häufig unterschätzt?

Jeder bewegliche Gegenstand in einem Fahrzeug kann bei einer abrupten Bremsung oder einem Unfall zum unkontrollierbaren Geschoss werden. Auch Objekte, die sich im Fahrerraum befinden, zum Beispiel Mobiltelefone oder Wasserflaschen, müssen sicher verstaut werden.


Ingmar Böke