Blick auf Display eines Tablets, auf dem der futuristische blaue Startbildschirm der Präsentation eines Referenten zu sehen ist.
Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, den Arbeitsschutz sinnvoll zu unterstützen.

Aus Beinaheunfällen lernen, um Unfälle zu vermeiden. 

Daten sammeln. Daten analysieren. Aus Daten lernen. Das ist das Motto des KI-Assistenten vom Berliner Start-up Tutelaris. Mit der Anwendung lassen sich Beinaheunfälle analysieren und Präventionsmaßnahmen ableiten. „Die Anwendung richtet sich letztlich an jeden einzelnen Beschäftigten“, erklärt Andrei Piatrouski, Gründer und CEO von Tutelaris.

Datenbank füttern, Unfälle verhindern

Porträt von Andrei Piatrouski
Andrei Piatrouski, Gründer und CEO von Tutelaris, hat mit seinem Start-up einen KI-Assistenten für Unternehmen entwickelt.
Er nennt zur Veranschaulichung ein Beispiel: Ein Mitarbeiter wäre fast in der Kantine ausgerutscht – ein Beinaheunfall. Der Mitarbeiter überträgt das Ereignis anschließend in die Anwendung, der KI-Assistent führt ihn dabei mit zielgerichteten Fragen durch den Prozess. Anschließend kommt der Eintrag in eine Datenbank mit Beinaheunfällen. Einem anderen Beschäftigten, der die Anwendungsdaten analysiert, könnte dann beispielsweise auffallen, dass andere Kolleginnen und Kollegen in der Kantine dasselbe erlebt haben. Somit wäre eine gute Grundlage geschaffen, den Ursprung des Problems zu finden und zu beseitigen.


„Beinaheunfälle werden zu selten kommuniziert. Das möchten wir ändern.“
Andrei Piatrouski, Tutelaris


Bei der Nutzung des KI-Assistenten legt Tutelaris Wert auf Gamification-Elemente. „Die Erfassung von Beinaheunfällen soll motivieren und sich nicht wie eine lästige Pflicht anfühlen“, sagt Piatrouski. 

Wirkung für echte Menschen

Als Werkstudent bei Siemens Energy befasste sich Piatrouski erstmals mit dem Thema Arbeitsschutz. Er sagt: „Mich faszinierte, dass man aus den Unfalldaten einer Tabelle etwas ableiten kann, das die Sicherheit von realen Menschen beeinflusst. Genau das sollen auch die Daten aus unserem KI-Assistenten.“

Chancen nutzen, Risiken kennen: Die RWE Power AG und KI im Arbeitsschutz. 

Porträt von Guido Fiedeler
„KI ist für uns ein unterstützendes Werkzeug. Sie entbindet den Menschen nicht von seiner Verantwortung“, so Guido Fiedeler. Er verantwortet bei der RWE Power AG den Bereich H+S Management und Expertise.
KI gehört bei der RWE Power AG längst zum Arbeitsalltag. Das gilt auch für die Gesundheit und Sicherheit von Beschäftigten des Energieversorgers. „Schon heute unterstützt KI nicht nur bei Routineaufgaben wie der Zusammenfassung von Daten. Sie kann beispielsweise auch komplexe Situationen bewerten und Empfehlungen zur Prävention ableiten“, sagt Guido Fiedeler. Der Abteilungsleiter H&S Management und Expertise bei RWE Power nennt zwei konkrete Beispiele: eine Gefährdungsbeurteilung oder eine Ereignis-Ursachen-Analyse zur Ermittlung von Grundursachen (Root Causes). Beim Einsatz von KI orientiert sich der Konzern an drei klaren Grundsätzen:

  • Quellenhoheit: Die KI greift nur auf interne Daten zu.
  • Datenschutzkonformität: Sensible Daten bleiben im System.
  • Expertenkontrolle: menschliche Prüfung aller KI-Ergebnisse

Abgeschottetes System 

„Ein verantwortungsvoller Umgang mit KI beginnt bei der Zuverlässigkeit von Daten“, betont Fiedeler. Die RWE Power AG nutzt ausschließlich intern entwickelte KI-Anwendungen, die nicht das Internet nach Daten durchforsten. Die KI wertet also nur Daten aus, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingestellt werden, darunter Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen und Leitlinien für Gesundheit und Sicherheit. Das ist auch für den Datenschutz wichtig: Sensible Daten bleiben im internen System. Die RWE Power AG schneidet Aufträge an die KI auf ihre spezifischen Bedürfnisse zu, ist sich aber bewusst, dass die Ergebnisse immer zu hinterfragen sind. 

Praxiserfahrungen

Aus Sicht von Fiedeler kann KI einen wertvollen Beitrag zum Arbeitsschutz leisten, aber keinesfalls menschliche Expertise ersetzen oder den Menschen von seiner Prüfungsverantwortung entbinden.


„KI ist für uns ein unterstützendes Werkzeug. Sie entbindet den Menschen nicht von seiner Verantwortung.“
Guido Fiedeler, RWE Power


Praxiserlebnisse bestärken ihn: Fiedeler und ein paar Kollegen erstellten kürzlich eine komplexe Ereignis-Ursachen-Analyse und ließen diese anschließend separat von der KI erstellen. „Das Ergebnis war klasse, wenn auch nicht perfekt“, sagt er. Kurze Zeit später sei die KI dann schon an einer ganz einfachen Aufgabe gescheitert.

Ingmar Böke