Zwei Beschäftigte von WEVG; sie tragen Sonnenbrillen sowie Sonnenschutzhüte und langärmelige Oberteile in Signalfarbe, auf denen Logo und Schriftzug des Unternehmens aufgebracht sind; unscharf im Hintergrund Häuser eines Wohngebiets.
Für Frank Hensel (links) und Tim Gawletta von der WEVG Salzgitter ist Persönliche Schutzausrüstung gegen Hitze und UV-Strahlung bei Arbeiten im Freien unerlässlich.

Hitze stellt ein gesundheitliches und somit auch unternehmerisches Risiko dar: Sie kann das Herz-Kreislauf-System von Beschäftigten belasten oder sogar zum Hitzschlag führen. Bei Hitze sinken Konzentration und Leistungsfähigkeit – was wiederum das Unfallrisiko steigen lässt. Durch den Klimawandel nehmen Dauer und Intensität von Hitzeperioden zu, was die saisonale Belastung im Arbeitskontext weiter verschärft. Mit dem Thema eng verknüpft ist die UV-Strahlung, die ganzjährig wirkt und langfristig das Risiko erhöht, an hellem Hautkrebs zu erkranken. Neu sind diese Erkenntnisse nicht. „Schon früher war sommerliche Hitze Bestandteil der physikalischen Gefährdungen, aber nicht besonders hervorgehoben. Und schon immer entsprach Hitzeschutz unserem Selbstverständnis, dass alle Beschäftigten gesund nach Hause kommen sollen“, erzählt Karsten Götz, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei der Wasser- und Energieversorgungsgesellschaft (WEVG) Salzgitter. Steigende Temperaturen und verstärkte saisonale Hitze durch den Klimawandel waren damals indes noch nicht so präsent.

Strukturierter Ansatz

Der Handlungsdruck für Unternehmen beim Thema Hitzeschutz ist infolge des Klimawandels gestiegen und steigt weiter. Die WEVG entschied daher, das Thema gezielt anzugehen und beteiligte sich im Rahmen eines vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Pilotprojekts an der Erprobung eines Muster-Hitzeschutzplans. „Ein betrieblicher Hitzeschutzplan dient Unternehmen dabei als strategisches Instrument und praktische Handlungshilfe, um kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen bei saisonaler Hitze sowie UV-Belastung systematisch zu planen“, erklärt Dr. Stefanie Bühn, Referentin Klimawandel und Gesundheitsschutz bei der BG ETEM. „Ein Hitzeschutzplan lässt sich in bestehende Arbeitsschutzstrukturen wie die Gefährdungsbeurteilung integrieren.“

Vielfältiger Maßnahmenkatalog

Eine Hand hält eine UV-Testkarte, ein Finger der zweiten Hand zeigt auf das Symbol einer Sonne darauf.
Eine UV-Testkarte im handlichen Scheckkartenformat hilft, die UV-Belastung beim Arbeiten im Freien einzuschätzen.
Bei der WEVG Salzgitter ist das Sicherheitsteam nach einem sechsstufigen Prozess vorgegangen (siehe Seite 15). „Wir haben dabei besonders die Maßnahmen für die Beschäftigten im Außenbereich in den Fokus gestellt“, sagt Sicherheitsfachkraft Götz. Gerade die Monteurinnen und Monteure müssen im Notfall – etwa bei Leck-Prüfungen im Gasnetz – bei jedem Wetter ausrücken. Alle Dienstfahrzeuge des Unternehmens sind mit einer Klimaanlage ausgestattet. „Das nimmt Stress raus, denn der ist durch die Hitze ohnehin schon groß genug“, sagt Götz. Neben Sonnenblenden, Sonnenschutzcremes und -brillen oder atmungsaktiven Sicherheitsschuhen stellt das Unternehmen den Beschäftigten Kühlwesten zur Verfügung. Diese lassen sich unter der Kleidung tragen und stören so nicht bei der Arbeit.

Gemeinsam besser geschützt

Daneben hat das Unternehmen weitere Maßnahmen im Hitzeschutzplan integriert, um Beschäftigte an heißen Tagen umfassend zu schützen: Die vorgesehenen Maßnahmen reichen über klimatisierte Innenräume und die Bereitstellung von Getränken bis hin zu flexiblen Arbeitszeiten mit Homeoffice-Option. Viele Unternehmen begreifen Hitze- und UV-Schutz bei Arbeiten im Freien mittlerweile als untrennbare Einheit. Manche Schutzmaßnahmen erfüllen oft mehrere Funktionen: Eine Verschattung beispielsweise reduziert Hitze- und UV-Belastung zugleich. Bereitgestellte Getränke kommen Beschäftigten im Innen- und Außenbereich zugute. Maßnahmen im Hitzeschutz wirken auch in den privaten Alltag hinein, da sie das Bewusstsein für Risiken und gesundheits­förderliches Verhalten schaffen. Das wissen auch die Verantwort­lichen bei der WEVG Salzgitter. 

Besonders wichtig war der WEVG, alle Betroffenen in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen und so die Akzeptanz für die Maßnahmen zu erhöhen. Dann ist gemeinsamer Hitzeschutz gar nicht so schwierig. „Wenn ich den Kopf einschalte, dann mache ich meist intuitiv das Richtige“, betont Götz. Neben Plänen und Regeln helfe im Arbeitsschutz schließlich immer auch gesunder Menschenverstand.

Stephan Kuhn