Es piept kurz und laut, dann steht die riesige Rotationsmaschine still. In der Produktionshalle von Mohn Media in Gütersloh ist das sofort hörbar: Das Dröhnen verstummt, die Papierwalze bleibt stehen. Jetzt heißt es, cool zu bleiben. Elektriker Niko Brinkmann, 23, steht vor dem geöffneten Schaltschrank, das Messgerät in der Hand. Neben ihm sein Gruppenleiter Markus Severins, 53. Er schaut nicht auf Anzeigen, sondern hört auf die Maschine. „Hörst du das?“, fragt er leise. Ein paar Schritte weiter beobachtet Tamara Wetzel, 33, das Zusammenspiel. Drei Jahrgänge, ein Moment – und die Frage, wie gut Teamarbeit funktioniert, wenn verschiedene Altersgruppen und deren Perspektiven aufeinandertreffen.
Feuerwehr und Routine
Mohn Media
- Im Jahr 1835 von Carl Bertelsmann gegründet
- Rund 1.400 Beschäftigte
- Komplettanbieter für Premedia, Offsetdruck und Weiterverarbeitung
- Produkte: Magazine, Bücher, Prospekte und Mailings
- Bekannte Produkte: Der Spiegel, Der Stern, Asterix-Comics
- Jährliche Produktionsleistung: etwa 300.000 Tonnen Papier
Alter spielt keine Rolle
Altersdiversität als Prinzip
„Für uns ist das Thema altersgemischte Teams Alltag“, erzählt Kühmann. „Das wichtigste Stichwort ist Wissenstransfer. Und der funktioniert nur, wenn man ihn bewusst organisiert.“ Bei Mohn Media wird Wissen nicht dem Zufall überlassen. Jüngere Kolleginnen und Kollegen laufen früh mit den erfahrenen mit – über Monate. Nicht, um sich alles zeigen zu lassen, sondern um gemeinsam Situationen zu erleben. Markus Severins erinnert sich: „Früher war das anders. Da hieß es oft: Komm Junge, ich zeig dir mal, wie das geht. Heute ist das ein Dialog.“ Dass das funktioniert, liegt auch am Selbstverständnis im Team. „Es geht hier nicht darum, wer älter ist, sondern wer der Dienstälteste ist“, erzählt Severins. „Und der trägt Verantwortung – aber das heißt nicht, dass er immer recht hat.“
Lernen in beide Richtungen
Niko Brinkmann ist seit anderthalb Jahren ausgelernter Elektriker. Seine Ausbildung hat er bei Mohn Media gemacht, so wie rund 80 bis 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen auch. Viele kommen – und bleiben. „Ich gucke mir viel von den Älteren ab“, sagt er. „Arbeitsabläufe, wie man an Probleme rangeht. Der Maschinenpark ist ähnlich aufgebaut – wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, hilft das enorm.“ Brinkmann bringt neue Impulse ins Team ein. Digitale Lösungen, andere Herangehensweisen. „Und wenn da eine gute Idee dabei ist, dann nehmen wir die auch“, sagt Severins. Dieses gegenseitige Lernen ist ausdrücklich gewollt. Fragen stellen gehört zur Kultur. „Unwissen ist kein Makel“, sagt Björn Mathis Schüring, leitende Sicherheitsfachkraft bei Mohn Media. „Egal ob jung oder alt – jeder darf sagen: Das weiß ich gerade nicht.“
Wissen sichern – systematisch
Arbeitsschutz als gemeinsames Thema
Wie altersgemischte Teams im Alltag funktionieren
Fünf Tipps von Robert Kühmann, Leiter Instandhaltung Mohn Media
- Unterschiede nutzen. „Jüngere denken oft schneller, Ältere gelassener – beides hat seinen Wert.“ Altersgemischte Teams funktionieren gut, wenn unterschiedliche Arbeitsweisen akzeptiert werden.
- Fragen zulassen. „Nicht nur Jüngere trauen sich manchmal nicht zu fragen – auch Ältere.“ Wer Fragen stellen darf, lernt schneller – und verhindert Fehler.
- Wissen festhalten. „Erfahrung im Kopf ist gut – Erfahrung im System ist besser.“ Wissenstransfer gelingt nicht allein im Gespräch. Kurze Anleitungen und dokumentierte Lösungen sorgen dafür, dass Erfahrung generationsübergreifend verfügbar bleibt.
- Offen austauschen. „Sicherheit entsteht durch Austausch – nicht durch Anweisungen.“ Regelmäßige Teamrunden stärken Vertrauen und Zusammenhalt.
- Sicherheit für alle. „Arbeitsschutz funktioniert am besten, wenn er alle betrifft.“ Sicherheitsregeln, Persönliche Schutzausrüstung und Routinen sollten immer für das gesamte Team gelten.
Pausen, Privatleben, Vertrauen
Auch abseits der Maschinen funktioniert das Miteinander. Pausen werden oft gemeinsam verbracht, auch abseits der Arbeit unternehmen Teammitglieder etwas miteinander, gehen gemeinsam ins Fitnessstudio oder ins Kino. „Da sind nicht immer alle dabei und es ist natürlich auch keine Pflicht“, sagt Tamara Wetzel. Man habe einfach Lust, die Kolleginnen und Kollegen auch privat zu sehen. Zum Teil sei das Verhältnis fast freundschaftlich, man teile auch private Themen und Sorgen miteinander.
Die größte Stärke: das Wir
Reibungen gibt es im Team auch – aber selten. Über Arbeitsweisen, Tempo, Prioritäten. „Das ist nicht altersbedingt, sondern menschlich“, sagt Tamara Wetzel. Was bleibt, ist ein starkes Wir-Gefühl. Wenn die Maschine wieder anläuft, das Papier in Hochgeschwindigkeit durch die Maschine rauscht und das Dröhnen zurückkehrt, zeigt sich: Altersgemischte Teams sind bei Mohn Media kein theoretisches Modell. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Europas größte Offsetdruckerei Tag für Tag funktioniert.
Michael Siedenhans
→ info
- Brancheninformationen Druck und Papierverarbeitung: www.bgetem.de, Webcode: 13335297
- Weiterlesen: Altersgemischte Teams - Alle Stärken nutzen, aus topeins (DGUV)
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