Niko Brinkmann, Tamara Wetzel und Markus Severins am Zugang zum Inneren einer riesigen Druckmaschine; sie tragen Arbeitshosen, Severins einen Overall, und blicken in die Kamera. Links und rechts von ihnen an der Wand Pläne zur Belegung der Druckmaschine.
Drei Jahrgänge, ein Team: Niko Brinkmann, 23 Jahre, Tamara Wetzel, 33 Jahre, und Markus Severins, 53 Jahre (v. l.).

Es piept kurz und laut, dann steht die riesige Rotationsmaschine still. In der Produktionshalle von Mohn Media in Gütersloh ist das sofort hörbar: Das Dröhnen verstummt, die Papierwalze bleibt stehen. Jetzt heißt es, cool zu bleiben. Elektriker Niko Brinkmann, 23, steht vor dem geöffneten Schaltschrank, das Messgerät in der Hand. Neben ihm sein Gruppenleiter Markus Severins, 53. Er schaut nicht auf Anzeigen, sondern hört auf die Maschine. „Hörst du das?“, fragt er leise. Ein paar Schritte weiter beobachtet Tamara Wetzel, 33, das Zusammenspiel. Drei Jahrgänge, ein Moment – und die Frage, wie gut Teamarbeit funktioniert, wenn verschiedene Altersgruppen und deren Perspektiven aufeinandertreffen.

Feuerwehr und Routine

Porträt Robert Kühmann
Robert Kühmann, Leiter Instandhaltung Mohn Media
In Europas größter Offsetdruckerei, wo Prospekte, Nachrichtenmagazine oder Asterix-Comics gedruckt werden, ist Stillstand keine Option. Die Instandhaltung bei Mohn Media arbeitet im Dreischichtsystem. Früh, spät und in der Nacht finden hier Wartungsarbeiten statt – regelmäßig und geplant. Manchmal verlaufen die Arbeitstage aber auch ganz anders als gedacht: „Du kommst zur Schicht, und dann geht irgendwo ein Alarm los, weil es eben doch mal eine unvorhergesehene Störung gibt. Dann sind wir im Grunde wie eine Feuerwehr“, sagt Robert Kühmann, Leiter der Instandhaltung. „Dann heißt es: ruhig bleiben, Problem finden, lösen.“ Elektrik, Mechanik, Betriebstechnik, Druckluft, Wasser, Klima – alles, was sich dreht, bewegt oder versorgt, fällt in den Verantwortungsbereich von Kühmanns Team. 100 Beschäftigte, davon drei Frauen, arbeiten an den Standorten Gütersloh und Marienfeld. Altersmäßig reicht die Spanne vom 16, 17 Jahre alten Auszubildenden bis zum Kollegen kurz vor dem Ruhestand mit 65 Jahren. Diese Mischung ist kein Zufall.


Mohn Media

  • Im Jahr 1835 von Carl Bertelsmann gegründet
  • Rund 1.400 Beschäftigte
  • Komplettanbieter für Premedia, Offsetdruck und Weiterverarbeitung
  • Produkte: Magazine, Bücher, Prospekte und Mailings
  • Bekannte Produkte: Der Spiegel, Der Stern, Asterix-Comics
  • Jährliche Produktionsleistung: etwa 300.000 Tonnen Papier

 
Alter spielt keine Rolle

Altersdiversität als Prinzip

„Für uns ist das Thema altersgemischte Teams Alltag“, erzählt Kühmann. „Das wichtigste Stichwort ist Wissenstransfer. Und der funktioniert nur, wenn man ihn bewusst organisiert.“ Bei Mohn Media wird Wissen nicht dem Zufall überlassen. Jüngere Kolleginnen und Kollegen laufen früh mit den erfahrenen mit – über Monate. Nicht, um sich alles zeigen zu lassen, sondern um gemeinsam Situationen zu erleben. Markus Severins erinnert sich: „Früher war das anders. Da hieß es oft: Komm Junge, ich zeig dir mal, wie das geht. Heute ist das ein Dialog.“ Dass das funktioniert, liegt auch am Selbstverständnis im Team. „Es geht hier nicht darum, wer älter ist, sondern wer der Dienstälteste ist“, erzählt Severins. „Und der trägt Verantwortung – aber das heißt nicht, dass er immer recht hat.“

Lernen in beide Richtungen

Niko Brinkmann ist seit anderthalb Jahren ausgelernter Elektriker. Seine Ausbildung hat er bei Mohn Media gemacht, so wie rund 80 bis 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen auch. Viele kommen – und bleiben. „Ich gucke mir viel von den Älteren ab“, sagt er. „Arbeitsabläufe, wie man an Probleme rangeht. Der Maschinenpark ist ähnlich aufgebaut – wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, hilft das enorm.“ Brinkmann bringt neue Impulse ins Team ein. Digitale Lösungen, andere Herangehensweisen. „Und wenn da eine gute Idee dabei ist, dann nehmen wir die auch“, sagt Severins. Dieses gegenseitige Lernen ist ausdrücklich gewollt. Fragen stellen gehört zur Kultur. „Unwissen ist kein Makel“, sagt Björn Mathis Schüring, leitende Sicherheitsfachkraft bei Mohn Media. „Egal ob jung oder alt – jeder darf sagen: Das weiß ich gerade nicht.“

Wissen sichern – systematisch

Porträt Mirko Bierstedt
Mirko Bierstedt, stellvertretender Leiter Instandhaltung: „Das Wir-Gefühl ist bei uns entscheidend. Ob jung oder alt: Jeder bringt seine Stärken ein und jeder weiß, dass er sich auf den anderen verlassen kann.“
Um Wissen dauerhaft zu sichern, hat die Instandhaltung bei Mohn Media ein eigenes System aufgebaut. Jede gelöste knifflige Aufgabe wird dokumentiert – in Form von kurzen, praxisnahen Anleitungen. „Wir sagen immer: Man muss nicht alles wissen. Man muss nur wissen, wo es steht“, betont Mirko Bierstedt, stellvertretender Leiter der Instandhaltung. Mehr als 100 solcher Mini-Anleitungen sind inzwischen entstanden – von einfachen Einstellarbeiten bis zu komplexen Fehlerbildern. Sie werden digital abgelegt, teilweise zusätzlich laminiert an Maschinen hinterlegt. Beschäftigte schulen einander auch immer wieder intern, ergänzend zu den regelmäßigen Unterweisungen. „Wer ein Thema gut beherrscht, gibt es weiter – völlig unabhängig von Alter oder Dienstalter“, betont Abteilungschef Kühmann.

Arbeitsschutz als gemeinsames Thema

Arbeiter, der nur bis zu den Knien im Bild ist, in Jeans und mit Sicherheitsschuhen auf einer Treppe in einer Fabrikhalle.
Sicheres Arbeiten ist keine Frage des Alters: Sicherheitsschuhe sind bei Mohn Media für alle selbstverständlich.
Eine wichtige Grundlage für das Team ist der Arbeitsschutz. Risiken gibt es in der Druckerei schließlich genug: elektrische Gefahren, Enge, Lärm, Zeitdruck. Die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik etwa gehören zum Alltag. Sicherheitsschuhe und Gehörschutz in Lärmbereichen sind selbstverständlich. Sicherheitsbewusstes Arbeiten sei keine Frage des Alters, sagt Sifa Schüring: „Wir haben junge Azubis, die aktiv nach Gehörschutz fragen. Sie muss man auch nicht daran erinnern, ihre Schutzhandschuhe anzuziehen.“ Brenzlige Situationen, Beinaheunfälle oder Unfälle bespricht das Team wöchentlich zusammen, analysiert die jeweiligen Situationen, um daraus zu lernen.

Pausen, Privatleben, Vertrauen

Auch abseits der Maschinen funktioniert das Miteinander. Pausen werden oft gemeinsam verbracht, auch abseits der Arbeit unternehmen Teammitglieder etwas miteinander, gehen gemeinsam ins Fitnessstudio oder ins Kino. „Da sind nicht immer alle dabei und es ist natürlich auch keine Pflicht“, sagt Tamara Wetzel. Man habe einfach Lust, die Kolleginnen und Kollegen auch privat zu sehen. Zum Teil sei das Verhältnis fast freundschaftlich, man teile auch private Themen und Sorgen miteinander.

Die größte Stärke: das Wir

Reibungen gibt es im Team auch – aber selten. Über Arbeitsweisen, Tempo, Prioritäten. „Das ist nicht altersbedingt, sondern menschlich“, sagt Tamara Wetzel. Was bleibt, ist ein starkes Wir-Gefühl. Wenn die Maschine wieder anläuft, das Papier in Hochgeschwindigkeit durch die Maschine rauscht und das Dröhnen zurückkehrt, zeigt sich: Altersgemischte Teams sind bei Mohn Media kein theoretisches Modell. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Europas größte Offsetdruckerei Tag für Tag funktioniert.

Michael Siedenhans