Dustin Leonhard und Holger Stein schauen im Büro gemeinsam auf einen Einsatzplan.
Dustin Leonhard (l.) und Holger Stein von Möller Elektroanlagenbau besprechen frühzeitig den Einsatzplan für die nächste Woche.

In der Ortschaft Pampow bei Schwerin sitzt die Verwaltung der Uwe Möller Elektroanlagenbau GmbH. Hier hat die Geschäftsführung, bestehend aus Kathrin Möller (55) und Guido Labrenz (57), die Fäden in den Händen. Doch ihr Arbeitstag beginnt nicht in der dreitausend Einwohner zählenden Gemeinde, sondern in der zehn Kilometer entfernten Landeshauptstadt. Dort hat das Unternehmen ein Lager, von wo die Monteure zu ihren Baustellen fahren, darunter auch große Projekte wie die Elbphilharmonie und das NDR-Landesfunkhaus Schwerin. Jeden Morgen ist die Geschäftsführung dort und bespricht im Team die Aufgaben.

Die Bedingungen müssen stimmen

Der Sicherheitsbeauftragte Jörg Prahl bringt sich in die Projektplanung ein.
Zum Team gehört auch Jörg Prahl (48). Er ist seit 32 Jahren im Unternehmen und seit drei Jahren der Sicherheitsbeauftragte (Sibe). Prahl ermittelt, wo seine Kolleginnen und Kollegen an diesem Tag am besten arbeiten können – also sicher und gesund. „Wenn etwa von einem anderen Unternehmen Stahlbeton gebohrt werden soll, erledigen unsere Leute Aufgaben anderenorts, um Lärmbelastung zu vermeiden. Geht das nicht, nutzen wir Persönliche Schutzausrüstung, in diesem Fall also Gehörschutz.“

Guido Labrenz an der Übungswand, an der die Auszubildenden unter anderem die 5 Sicherheitsregeln praktisch anwenden.
Prahl prüft als Sibe auch die Zugänglichkeit der Arbeitspunkte und ob Gerüste fachgerecht stehen und einsatzbereit sind. „Finde ich einen Mangel, wird an dieser Stelle niemand arbeiten“, erklärt Prahl. Er meldet das Problem zügig an Geschäftsführer Guido Labrenz, der den Bauherrn kontaktiert und für die Behebung sorgt. Labrenz versichert: „Wenn unsere Leute wegen Sicherheitsbedenken Nein sagen, unterstützen wir sie.“

Die 5 Sicherheitsregeln

Ständige Begleiter der Beschäftigten sind die 5 Sicherheitsregeln für das Arbeiten an elektrischen Anlagen. „Ich weise in unseren Besprechungen immer wieder auf die 5 Sicherheitsregeln hin“, sagt Labrenz. „Für Profis sind sie eine Selbstverständlichkeit. Schließlich kann Nichtbeachtung tödlich sein.“ Insgesamt sind 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Elektrokleinbetrieb im Einsatz. „Gute Organisation und Kommunikation sind bei unserer Betriebsgröße der Schlüssel für gelingenden Arbeitsschutz“, sagt Geschäftsführerin Möller.

Kathrin Möller am Schreibtisch
Kathrin Möller wechselte mit der Firma zum Unternehmermodell und nahm den Arbeitsschutz in die eigenen Hände.
Im Jahr 2023 wechselte sie deshalb ins Unternehmermodell der BG ETEM, koordiniert seither vieles in puncto Sicherheit in Eigenregie (siehe Kasten). Dass zu Sicherheit und Gesundheit auch die psychische Komponente gehört, hat die Geschäftsführung des Betriebs erkannt, teils auch nach Gesprächen mit der Belegschaft. Im Jahr 2022 führte der Betrieb im Austausch mit der BG ETEM eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in der Belegschaft durch, im Anschluss fand ein Workshop mit Dr. Christine Gericke, Arbeitspsychologin der BG ETEM, statt. „Das hat uns wachgerüttelt“, sagt Dustin Leonhard, Projektleiter im Unternehmen. Ein Fragebogen half, strukturiert über die eigenen Bedürfnisse und Schwierigkeiten im Job nachzudenken. Im gemeinsamen Austausch wurden bis dahin unbekannte Probleme offenbar. Kathrin Möller: „Wir haben gesehen, dass wir Dinge überdenken mussten, denn jüngere Beschäftigte haben andere Ansprüche und achten mehr auf ihre Gesundheit als ältere.“ Deshalb passt der Betrieb nun Arbeitsprozesse besser an die Bedürfnisse der Belegschaft an, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten. „Wir wollen Leute, die hinter dem Unternehmen stehen, die qualitätvoll und sicher arbeiten. Das macht unseren Betrieb fit für die nächste Generation.“

Austausch ausdrücklich erwünscht

Mathias Spelge, Marcel Ihde, Omar Al Maddad und Dustin Leonhard testen ein neues Messgerät für PV-Anlagen.
Vor allem die Kommunikation habe sich seit dem Workshop verbessert, berichtet Leonhard: „Wir streben nach mehr Transparenz und nutzen dafür etwa Morgenroutinen und Messenger-Gruppen. Austausch ist ausdrücklich erwünscht.“ Seit dem Workshop hat die Belegschaft sich bereits zweimal ohne die Chefs versammelt. Im Nachgang kommt die Geschäftsführung mit ins Boot, um Lösungen für festgestellte Probleme zu erarbeiten. „Das bringt richtig viel“, sagt Leonhard. Dazu braucht es eine große Offenheit der beiden Geschäftsführer. „Uns auf diese Gesprächsrunden ohne uns Geschäftsführer einzulassen, fiel mir schwer. Aber ich bin stolz, dass wir es geschafft haben, alte Strukturen loszulassen“, sagt Möller. Die Resonanz aus der Belegschaft zeige deutlich, dass das richtig war: „Die Anstrengung hat sich gelohnt. Jetzt wissen wir wirklich, was in unserer Firma Phase ist.“

Christian Alt