Stefanie Schnee stützt sich in einem Büro auf einem niedrigen Schrank auf; sie trägt eine blaue Bluse mit halblangem Ärmeln, über ihren gesamten linken Arm zieht sich eine lange rote Narbe; im Hintergrund Aktenordner und Bilder an der Wand
Stefanie Schnee hat sich ins Leben und in den Beruf zurückgekämpft.

In einer leichten Rechtskurve ändert sich das Leben von Stefanie Schnee für immer. Im Oktober 2019 ist sie mit ihrem Kleinwagen auf dem Weg zur Arbeit, als ihr ein anderes Fahrzeug entgegenkommt. Dessen Fahrer verliert in der Kurve die Kontrolle über seinen Wagen, gerät auf die Gegenspur. Die beiden Pkw stoßen frontal zusammen. Die heute 31-jährige Stefanie Schnee erleidet ein Polytrauma – unter anderem Brüche und Verletzungen an Schädel, Wirbelsäule, Thorax, Bauch, Becken, linkem Ober- und Unterarm sowie beiden Beinen. Sie wird in der BG Unfallklinik Tübingen notoperiert und anschließend für zehn Tage ins künstliche Koma versetzt. Ausgang: ungewiss. „Keiner konnte sagen, wie ich wieder erwache“, sagt Schnee rückblickend. „Ob ich ein Pflegefall sein werde, ob ich mich an meine Familie erinnern kann.“ Auf den Krankenhausaufenthalt folgt eine ambulante Rehabilitation, die sie als Risikopatientin in der Corona-Zeit aber unterbrechen muss. 

Von Anfang an in guten Händen 

Im Verlauf der Reha zeigt sich: Das schwere Schädel-Hirn-Trauma hat kognitive Defizite mit sich gebracht. Von nun an wird Schnee auch neuropsychologisch betreut.

Kerstin Schmid, Rehamanagerin bei der BG ETEM
Kerstin Schmid: „Wir wollten möglichst ideale Rahmenbedingungen für den Wiedereinstieg schaffen. Das Entgegenkommen der Firma beeindruckt mich bis heute.“
„Es schien zunächst ausgeschlossen, dass sie in ihre ursprüngliche Tätigkeit als kaufmännische Assistenz zurückkehrt“, berichtet Kerstin Schmid, Rehamanagerin bei der BG ETEM.

Sie hatte nach dem Wegeunfall von Stefanie Schnee bereits in der BG Klinik Kontakt mit ihr aufgenommen, betreute sie anschließend bei der Rehabilitation und Wiedereingliederung. Schnee ist ihr heute noch dankbar: „Frau Schmid hat mich permanent unterstützt, war als meine Ansprechperson immer für mich da.“  

Pläne für die Zukunft 

Werma CEO Matthias Marquardt sitzt an seinem Schreibtisch, er blickt in die Ferne; im Vordergrund eine Schreibtischlampe, im Hintergrund ein Whiteboard und an den Wänden ausgedruckte Charts und Pläne.
Matthias Marquardt, CEO Werma Signaltechnik: „Was die Frau Schnee braucht, bekommt die Frau Schnee.“
Während die körperlichen Wunden verheilten, machten Schnee selbst, ihr Arbeitgeber und Rehamanagerin Schmid sich daran, ihre Rückkehr an den Arbeitsplatz zu planen. „Für uns war von vornherein klar: Was die Frau Schnee braucht, bekommt die Frau Schnee“, betont Matthias Marquardt, CEO der Werma Signaltechnik GmbH & Co. KG.

Dieses Entgegenkommen der Firma beeindruckt Rehamanagerin Schmid bis heute: „Das ist nicht selbstverständlich. Es war aber die einzige Möglichkeit, um diese junge, hoch qualifizierte Frau wieder in eine anspruchsvolle Tätigkeit zu bringen, der sie per se ja auch gewachsen war.“ 

Arbeitsmodell maßgeschneidert 

Der Weg zurück an den Arbeitsplatz war dennoch langwierig: Rund ein Jahr nach dem Unfall stand ein zweimonatiger Klinikaufenthalt zur Berufsorientierten Rehabilitation auf dem Programm. Eine anschließende Belastungserprobung im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements folgte, begleitet von einer Neuropsychologin. Infolge des Schädel-Hirn-Traumas treten bei Stefanie Schnee noch heute immer wieder Kopfschmerzen, Sehstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten auf. 

Diese erwiesen sich im Großraumbüro als belastend. Deshalb ist ihr Arbeitsalltag nun passgenau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten: „Ich wurde wieder eingegliedert, zuerst mit zwei Stunden am Tag. Dann haben wir festgelegt, dass ich keine zeitkritischen Themen bearbeiten muss, keine E-Mails und Telefonate als Pop-up-Nachricht angezeigt bekomme. Ich durfte in einem Einzelbüro tätig sein und hatte Projekte mit flexiblem Zeitrahmen.“

Sabine Wintermantel, Teamleiterin Personalwesen Werma Signaltechnik
Sabine Wintermantel: „Als Unternehmen war uns wichtig, den Wiedereinstieg so bewusst wie möglich zu gestalten. Die Tipps der BG ETEM waren wertvoll und haben uns dabei sehr geholfen.“
Die Mischung aus Präsenz im Unternehmen und Homeoffice mit ruhiger Arbeitsatmosphäre und Wegfall der Fahrtwege tat ein Übriges. „Aufgeben war für mich jedenfalls nie eine Option. Ich wollte zurück in den Beruf“, sagt Schnee.

Unterstützung bekommt sie nach wie vor auch von ihren Kolleginnen und Kollegen, die gelernt haben, mit der ungewohnten Situation umzugehen. „Wir mussten uns immer wieder bewusst machen, mit welchen schwerwiegenden Unfallfolgen Stefanie zu kämpfen hatte. Man merkt ihr das im Gespräch nicht an. Das war eine gewisse Herausforderung“, erzählt Teamleiterin Sabine Wintermantel. 

Der Weg ist das Ziel 

Das Modell war erfolgreich. Heute arbeitet Stefanie Schnee mit vier Stunden täglich im Gesundheits- und Eingliederungsmanagement. Sie organisiert Gesundheitsförderung und unterstützt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die erkrankt sind oder Opfer eines Unfalls wurden – eine Aufgabe, in die sie ihre eigenen Erfahrungen einfließen lassen kann. „Ich habe unter anderem tiefe Einblicke in das Reha-System bekommen, das kommt mir hier zugute.“

Stefanie Schnee im Büro an einem Steharbeitsplatz mit Tastatur, Monitor, Headset und Büroutensilien; sie blickt in die Kamera, hinter ihr Fenster, durch die eine grüne Landschaft zu sehen ist.
Stefanie Schnee hat nach wie vor mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen.
Ihr Weg zurück ist allerdings noch lange nicht vorbei: „Ich habe täglich mit Schmerzen zu kämpfen, bin auch im Alltag körperlich eingeschränkt und auf Unterstützung angewiesen. Ich kann Gesprächen nicht lange folgen, Treffen mit Freundinnen strengen mich an, Lichter blenden.“ Trotzdem blickt sie optimistisch nach vorn: „Ich habe Strategien entwickelt, um mit diesen Einschränkungen umzugehen. Und dabei haben mir mein Arbeitgeber und die BG ETEM sehr geholfen.“ 

Stephan Kuhn