Illustration mit drei Affen: der erste hält sich den Mund zu, der zweite die Ohren, der dritte die Augen.
Nichts sagen, nichts hören, nichts sehen – das kann gefährlich werden.

Zwischen Zeitdruck und Routine – was Menschen zur Manipulation bewegt

Wenn Produktionsmengen steigen oder Maschinen nach einer Wartung, Reinigung oder Störungsbeseitigung schnell wieder verfügbar sein müssen, stellen Schutzeinrichtungen an Maschinen in den Augen des Bedienpersonals teils eine störende Hürde dar. Sie finden dann Wege, Schutzeinrichtungen zu umgehen oder unwirksam zu machen. Gründe dafür sind unter anderem auch:

  • Schlechte Ergonomie von Schutzeinrichtungen: Schutzeinrichtungen, die die Bedienbarkeit oder Flexibilität einer Maschine einschränken oder die Sicht auf den Prozess behindern, motivieren Beschäftigte, diese zu umgehen.
  • Komplexität der Schutzsysteme: Komplexe oder schlecht konstruierte Maschinen bieten häufig Anlass zur Manipulation, weil notwendige Prozesse nicht praktikabel sind.
  • Routine und Gewohnheit: „Das haben wir schon immer so gemacht“ ist ein häufiger Satz, wenn Sicherheitsstandards unterlaufen werden.
  • Duldung durch Vorgesetzte: Oft wissen Führungskräfte von Manipulationen, ignorieren diese aber.

Maßnahmen gegen Manipulation

Führungskräfte sind dafür verantwortlich, Manipulationen aktiv zu verhindern. Grundlage dafür ist das TOP-Prinzip: technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen.

Technische Maßnahmen

  • Manipulationssichere Konstruktion: Bereits bei der Maschinenkonzeption und -beschaffung sollten Betriebe da-rauf achten, dass die Schutzsysteme ergonomisch, gut einsehbar und schwer manipulierbar sind. Technische Lösungen wie verdeckter Einbau von Betätigern/Sensoren oder steuerungstechnische Überwachung von Sicherheitskomponenten können Manipulationen deutlich unattraktiver machen.
  • Alarmsysteme: Moderne Maschinen erkennen Manipulationen sofort und geben direkt eine Meldung aus.
  • Schutzkonzept überarbeiten: Bedienbarkeit, Ergonomie und Integration in den Produktionsprozess sollten regelmäßig technisch angepasst werden.

Organisatorische Maßnahmen

  • Klare Unternehmensleitlinien: Eine Manipulation muss als Regelverstoß gelten und kommuniziert werden.
  • Prozessoptimierung: Arbeitsprozesse so gestalten, dass Schutzeinrichtungen kein Hindernis darstellen und zum Beispiel Wartungen oder Reinigungen gefahrlos möglich sind.
  • Konsequenzen: Nach einem Verstoß ein persönliches Gespräch führen; wiederholtes Fehlverhalten sollte Konsequenzen haben.
  • Meldepflicht: Manipulationen sind sofort zu melden. Rechtliche Schritte können selbst dann erfolgen, wenn kein Schaden eingetreten ist.
  • Dokumentierte Prüfprotokolle: Regelmäßige Kontrollen und Wartung von Schutzeinrichtungen verhindern vergessene oder geduldete Manipulationen.

Persönliche und verhaltens-orientierte Maßnahmen – Führungskräfte haben hier eine Schlüsselrolle

  • Vorbildfunktion der Vorgesetzten: Führungskräfte müssen Sicherheit vorleben. Wenn sie Manipulationen ignorieren oder tolerieren, erhöht das langfristig die Zahl der manipulierten Maschinen und der daraus entstehenden Unfälle erheblich.
  • Offener Dialog und Beteiligung: Unternehmen sollten Beschäftigte in Beschaffung und Umbau von Maschinen einbinden. Das schafft Akzeptanz und Sicherheit. Entscheidend ist eine Kultur, in der Probleme ohne Angst gemeldet und notwendige Anpassungen angestoßen werden können – im Wissen, dass Umbauen erlaubt ist, Manipulieren aber nicht.
  • Schulungen und Unterweisungen:  Sie schaffen das Bewusstsein, Risiken und Folgen von Manipulationen zu verstehen und sie zu vermeiden.
  • Sicherheitsbewusstsein fördern: Eine gelebte Sicherheitskultur ist der beste Schutz vor Manipulation. Eine einfache Frage kann jeder für sich beantworten: „Wären meine Liebsten unbesorgt, wenn sie wüssten, wie ich täglich an diesem Arbeitsplatz arbeite?“

Heinz Kruse, Patrick Kuczynski