Doppelt geschützt – gegen Absturz und UV-Strahlung: Monteure Eduard Klein (l.) und Petar Petrovic.

Der Blick nach unten ist nichts für schwache Nerven. Vom Dach des vierstöckigen Altbaus in einer Mainzer Wohnstraße geht es ein Dutzend Meter in die Tiefe. Die Mitarbeiter der Firma Sonnenkönig gehen trotzdem ruhig ihrer Arbeit nach. Von Angst ist nichts zu spüren, während sie in luftiger Höhe die Solarmodule einer Photovoltaikanlage installieren. „Die brauchen sie auch nicht zu haben“, sagt Efstratios Sianidis, Referent im Fachkompetenzcenter Mechanische und Physikalische Gefährdungen der BG ETEM und Gerüstexperte. „Das Gerüst erfüllt alle Anforderungen, hier hängt auch das Prüfprotokoll des Gerüsterstellers.“ Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz benötigen die Monteure in diesem Fall nicht.

Sicherheit mit Methode

„Genau so soll es sein“, betont Andy Lawrenz-Rudolph, der Sonnenkönig vor zwanzig Jahren gegründet hat und gemeinsam mit seiner Mutter Brigitte Rudolph leitet – ein echtes Familienunternehmen. Es hat sich in dieser Zeit vom Garagenbetrieb zum Full-Service-Anbieter für Solar- und Energiespartechnik entwickelt. „Wir verstehen uns als Full-Service-Anbieter und installieren nur die besten Produkte“, sagt Brigitte Rudolph, die lange in der Vertriebs- und Unternehmensberatung tätig war. Gut 90 Prozent der Projekte von Sonnenkönig entstehen im Bestand – eine Herausforderung, die Erfahrung und Genauigkeit erfordert. „Unsere Kundschaft erwartet Qualität. Und die bekommt sie auch.“

Prägende Erfahrungen

Qualität bedeutet bei Sonnenkönig mehr als erstklassige Module oder saubere Installationen. Das Inhaberteam versteht darunter auch ein Sicherheitsversprechen. Seit seiner Gründung installiert das Unternehmen Photovoltaikanlagen auf Dächern ausschließlich mit Gerüst. Dafür war ein persönliches Erlebnis prägend: „Ich habe bei einem Kollegen aus einem anderen Unternehmen einen tödlichen Arbeitsunfall miterlebt“, erzählt Lawrenz-Rudolph, der Mann mit dem Faible für alles Technische und abgeschlossenen Ausbildungen als Kaufmann und Kraftfahrzeugmechaniker. „So etwas will ich in unserem Betrieb niemals erleben. Und kein Hausbesitzer möchte auf einer Terrasse sitzen, auf der jemand gestorben ist.“

Andy Lawrenz-Rudolph
Andy Lawrenz-Rudolph: „Kein Hausbesitzer möchte auf einer Terrasse sitzen, auf der jemand gestorben ist.“
Die Konsequenz heißt: null Toleranz gegenüber unsicherem Arbeiten, keine Kompromisse. Die Monteure kennen diese Linie, viele schätzen sie, weil sie es auch anders kennengelernt haben. „Wenn wir sehen, dass ein Gerüst nicht ordnungsgemäß steht, dann bleibt mein Team unten, so einfach ist das – und zwar, bis der Gerüstbauer nachgebessert hat“, sagt Lawrenz-Rudolph.

Schließlich sind Gerüste die festgelegte technische Schutzmaßnahme für die Installation von Solaranlagen auf Dächern. Das Unternehmen hat zwei Gerüstbaupartner aus der Region, mit denen Sonnenkönig in der Regel über die geforderten Maßnahmen hinaus geht. Ein Service-Mitarbeiter kümmert sich ausschließlich um die Abstimmung und Organisation.

Kunden ziehen mit

Ausnahmen werden nicht gemacht. Auch dann nicht, wenn der Verlust eines Auftrags droht: „Gerade bei Wartung und Instandhaltung wird im Markt viel improvisiert“, erklärt Lawrenz-Rudolph. Dass die Kundinnen und Kunden über das Gerüst und die damit verbundenen Kosten nicht glücklich sind, dafür hat er Verständnis. „Die Kosten belaufen sich auf rund zehn Prozent des Auftragswerts. Das reichen wir aber nur durch.“ Trotzdem bleibt die Firma bei ihrer Linie.

Und während die Sonnenkönige früher schon einmal diskutieren mussten, verstehen heute die meisten Kundinnen und Kunden, warum der Betrieb so handelt. „Manche finden es sogar gut, dass wir so auf unsere Leute achten.“ Hinzu komme ein weiterer Punkt, den man nicht außer Acht lassen dürfe, sagt BG ETEM-Aufsichtsperson Sianidis: „Die Verantwortung liegt beim Auftraggeber und Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“

Learning by Doing

Das Verhältnis zur BG ETEM sei gut, sagt Lawrenz-Rudolph, der das Unternehmermodell gewählt hat. Während manche Betriebe den Besuch der Berufsgenossenschaft mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen, sieht Sonnenkönig in der BG ETEM einen Partner und darin einen Vorteil. „Wir haben immer einen guten Austausch“, bekräftigt auch Inhaberin Brigitte Rudolph. „Ich nehme da jedes Mal etwas mit.“

Ganzheitlich denken

Arbeiten in der Höhe und im Freien bedeutet nicht nur Absturzgefahr, sondern zusätzliche Gefährdung durch Hitze und UV-Strahlung. Ein Thema, das auch Lawrenz-Rudolph beschäftigt. „Wir sprechen das Thema regelmäßig an und stellen alles Notwendige zur Verfügung.“ Auf den Dächern ist es oft von unten heißer als von oben, die Ziegel werden bis zu 60 Grad heiß.

Im Sommer starten die Teams deshalb teilweise um 5:30 Uhr. Wird es im Lauf des Tages zu heiß, entscheidet der jeweilige Teamleiter, ob die Mannschaft die Arbeiten ganz einstellt. Getränke und UV-Schutzcreme sowie Kopfbedeckungen stehen an sehr heißen Tagen ebenfalls zur Verfügung. Die Firma trägt die Sonne zwar im Namen und installiert Produkte für Solarstrom, will aber auch in puncto UV-Schutz keine Kompromisse machen – genau wie bei der Absturzsicherung.

Stephan Kuhn