Dass es sich dabei keineswegs um harmlose Alltagsunfälle handelt, zeigte sich im vergangenen Jahr auf tragische Weise: Ein Mitarbeiter rutschte auf einer Treppe aus, stürzte und erlag später seinen schweren Verletzungen. Ein Unfall, der zunächst banal erscheint, aber tödliche Konsequenzen hatte.
Häufigkeit und typische Unfallorte und Ursachen
Besonders häufig ereignen sich SRS-Unfälle auf Treppen, an Übergängen zwischen unterschiedlichen Bodenbelägen sowie auf glatten oder verschmutzten Böden. Auch herumliegende Gegenstände, unzureichend gesicherte Kabel oder textiltypische Verschmutzungen wie Fasern und Staub erhöhen das Risiko. Häufig kommen mehrere Ursachen zusammen, etwa Zeitdruck, Unachtsamkeit, mangelnde Ordnung und Sauberkeit oder ungeeignetes Schuhwerk. Gerade Treppen stellen eine besondere Gefahrenquelle dar, da Stürze hier häufig schwere Verletzungen nach sich ziehen. Hinzu kommt ein weiterer, oft unterschätzter Einflussfaktor: die Beleuchtung. Unzureichende oder ungünstig geplante Beleuchtung kann dazu führen, dass Gefahrenstellen wie Bodenunebenheiten, Höhenversprünge, Stufenkanten oder Hindernisse auf Verkehrswegen nicht rechtzeitig erkannt werden.
Problematisch sind nicht nur zu geringe Beleuchtungsstärken, sondern auch Blendungen, starke Schattenbildung oder eine ungleichmäßige Ausleuchtung. Solche Bedingungen beeinträchtigen die visuelle Wahrnehmung und Orientierung der Beschäftigten und erhöhen das Risiko für Fehltritte und Stürze erheblich. Zusätzliche Gefahr entsteht durch plötzliche Helligkeitswechsel – etwa beim Übergang zwischen Innen- und Außenbereichen oder unterschiedlich beleuchteten Hallenabschnitten.
Die im vorherigen Abschnitt beschriebenen Gefährdungen – insbesondere im Zusammenhang mit Beleuchtung, Verkehrswegen, Treppen und Bodenbeschaffenheit – werden in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) sowie in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) aufgegriffen. Konkretisiert sind die Vorgaben vor allem durch die ASR A3.4 „Beleuchtung“ sowie die ASR A1.5/1,2 „Fußböden“. Diese schreiben unter anderem vor, dass Verkehrswege, Treppen und Arbeitsbereiche so gestaltet und ausgestattet sein müssen, dass die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten gewährleistet sind. Eine ausreichende, gleichmäßige und blendfreie Beleuchtung, geeignete Bodenbeschaffenheiten sowie die regelmäßige Kontrolle und Wartung dieser Einrichtungen sind entscheidende Voraussetzungen, um Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle zu vermeiden.
Spezifische Gefährdungen in Textilbetrieben: Staub und Nässe
In Textilbetrieben treten besondere Gefährdungen auf, die das Risiko von Rutschunfällen deutlich erhöhen. Dazu zählen vor allem Staub und Faserreste, die bei der Verarbeitung von Garnen und Stoffen oder bei Reinigungsarbeiten entstehen. Diese feinen Partikel lagern sich auf Böden ab und verringern die Haftung zwischen Schuhsohle und Boden erheblich.
Hinzu kommt das Auftreten von Nässe, beispielsweise durch Wasch- und Färbeprozesse, bei der Reinigung von Maschinen, durch kondensierende Feuchtigkeit in Produktionshallen oder durch Nässeeintrag von außen. Die Feuchtigkeit wirkt wie ein Schmierfilm und erhöht insbesondere auf glatten Bodenbelägen die Rutschgefahr deutlich. Treffen Staub und Nässe zusammen, steigt das Risiko zusätzlich.
Maßnahmen zur Prävention
Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle lassen sich durch ein systematisches Zusammenspiel technischer, organisatorischer und personenbezogener Maßnahmen wirksam reduzieren. Ausgangspunkt ist eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung, die insbesondere Verkehrswege, Treppen, Übergänge sowie Arbeitsbereiche mit erhöhter Staub- oder Feuchtebelastung berücksichtigt.
Technische und bauliche Maßnahmen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Unfallvermeidung: Rutschhemmende Bodenbeläge verbessern die Haftung und sind vor allem in staub- oder feuchtebelasteten Bereichen sinnvoll. Treppen sollten mit gut sichtbaren, kontrastreichen Stufenkanten versehen sein. Stabile Handläufe sowie eine ausreichende, blendfreie Beleuchtung erhöhen zusätzlich die Sicherheit auf Verkehrswegen und Treppenanlagen.
Konsequente Ordnung und Sauberkeit sind von zentraler Bedeutung. Verkehrs- und Laufwege müssen regelmäßig gereinigt und kontrolliert werden. Staub und Faserreste sollten mit staubbindenden Reinigungsverfahren entfernt werden – etwa durch feuchtes Wischen oder geeignete Absaugtechnik. Der Einsatz von Druckluft zur Bodenreinigung ist zu vermeiden, da er den Staub lediglich verteilt und so neue Gefährdungen schafft. Feuchte oder nasse Bodenstellen sind unverzüglich zu reinigen, vollständig zu trocknen oder bis dahin deutlich zu kennzeichnen.
Ergänzend sind organisatorische Maßnahmen erforderlich: Klare Zuständigkeiten für Reinigung und Kontrolle, regelmäßige Sichtprüfungen sowie festgelegte Reinigungsintervalle helfen, Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen. Auch saisonale Einflüsse wie Nässe durch Regen oder Schnee sollten in die Planung einbezogen werden. Beschädigte oder abgenutzte Bodenbeläge sind zeitnah instand zu setzen.
Nicht zuletzt kommt dem Verhalten der Beschäftigten eine entscheidende Rolle zu. Neben Unterweisungen und klaren Verhaltensregeln kann das sogenannte Nudging einen zusätzlichen Beitrag leisten. Nudging meint gezielte, meist einfache Gestaltungsimpulse, die das Verhalten von Beschäftigten unbewusst in eine sichere Richtung lenken, ohne Verbote oder formale Anweisungen. Visuelle Hinweise, Markierungen oder eine bewusst gestaltete Arbeitsumgebung helfen, Gefahren besser wahrzunehmen und sicheres Verhalten zu erleichtern.
Im Zusammenhang mit Stolper-, Rutsch- und Sturzunfällen kann Nudging beispielsweise dazu beitragen, dass Beschäftigte Verkehrswege freihalten, Übergänge und Stufenkanten stärker beachten oder rutschgefährdete Bereiche bei Nässe intuitiv meiden. Für Unternehmen ist Nudging damit eine praxistaugliche Ergänzung zu technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen, um das Sicherheitsbewusstsein im Arbeitsalltag nachhaltig zu stärken und Unfallrisiken weiter zu reduzieren. Regelmäßige Unterweisungen sensibilisieren zusätzlich für typische Stolper-, Rutsch- und Sturzgefahren und fördern sicherheitsbewusstes Verhalten. Dazu gehören das Tragen geeignete, rutschhemmender Schuhe sowie erhöhte Aufmerksamkeit beim Begehen von Treppen, Übergängen oder frisch gereinigten Flächen.
Oskar Behr
→ info
- Sicherer Auftritt – keine Chance dem Stolpern, Rutschen und Stürzen: medien.bgetem.de, Webcode: M18386579
- IdeenWerkstatt: Nudging für sicheres und gesundes Verhalten: medien.bgetem.de, Webcode: M20605007
- SRS-Unfälle vermeiden: profi.bgetem.de, Webcode: p24517916
- Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle – Verhaltensregeln: www.dguv.de
- Aushang – Gegen Stolpern, Rutschen, Stürzen: www.dguv.de
- Fußböden – Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.5: www.baua.de
- Beleuchtung und Sichtverbindung – Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4: www.baua.de
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