Bei den motorbetriebenen Handwerkzeugen verursachen Trennschleifmaschinen seit Jahren die meisten meldepflichtigen Arbeitsunfälle, noch vor den Bohrmaschinen. Erhebliche Gefahren gehen auch von verschlissenen, defekten oder unsachgemäß verwendeten Trennschleifscheiben aus.
Aktuelles Unfallbeispiel
Ein Mitarbeiter war mit dem Ausschneiden von Tondachziegeln beschäftigt. Bei der Arbeit mit der Trennschleifmaschine löste sich ein Schneidsegment von der Diamanttrennscheibe, traf den Mitarbeiter am Daumen und verursachte eine tiefe Fleischwunde.
Untersuchung der Trennschleifscheibe
Um einen Materialfehler auszuschließen beziehungsweise die Ursache für das Lösen des Schneidsegments zu ermitteln, erfolgte eine Bruch- und Materialanalyse der betreffenden Diamant-Trennschleifscheibe, einer segmentierten Trennschleifscheibe mit 16 Schleifsegmenten mit jeweils einer Hinterlochung.
![]() |
![]() |
Ergebnisse der Untersuchung
Die durchgeführte Analyse zeigte, dass der Materialausbruch auf einen Ermüdungsanriss zurückzuführen war, der sich im Radius einer Hinterlochung gebildet hatte. Bei der weiteren Untersuchung zeigte sich, dass der Beginn und der Fortschritt des Risses auf eine Biegewechselbeanspruchung zurückzuführen war. Anhand der stark verriebenen Bruchflächenbereiche war zudem erkennbar, dass der Ermüdungsanriss bereits über einen längeren Zeitraum vorlag und die Trennschleifscheibe mit dieser Vorschädigung noch längere Zeit im Einsatz war. Die Vorschädigung wurde also nicht erkannt. Letztendlich reichte eine weitere Verformungsbelastung der Trennschleifscheibe aus, den vollständigen Bruch auszulösen.
Weitere Ermüdungsanrisse wurden bei einer Mehrzahl der Hinterlochungen ermittelt, viele Segmente waren also vorgeschädigt und hätten sich jederzeit lösen können. Diese Anrisse sind mit bloßem Auge jedoch nicht erkennbar und daher über eine einfache Sichtprüfung nicht zu identifizieren.
Unfallursache
Es zeigte sich, dass die Ursache der Ermüdungsschäden die Beanspruchung der Diamanttrennschleifscheibe auf Biegewechselbeanspruchung infolge nicht sachgemäßer Nutzung war.
Welchen Beitrag können Unternehmen und Beschäftigte leisten, um Unfälle mit Trennschleifmaschinen zu vermeiden?
Vorbereitende Schutzmaßnahmen:
- Vor Aufnahme der Arbeiten den betriebssicheren Zustand der Maschine prüfen
- Trennschleifscheibe auf Eignung prüfen (unter anderem zulässige Umfangsgeschwindigkeit, geeignet für das zu trennende Material, …)
- Nur Trennschleifscheiben verwenden, die der Hersteller in der Betriebsanleitung zulässt.
- Kunstharzgebundene Trennschleifscheiben nur innerhalb des aufgedruckten Verwendungszeitraums benutzen.
- Trennschleifscheibe nur bestimmungsgemäß verwenden.
- Trennschleifscheibe auf Beschädigungen prüfen (inklusive „Anriss“).
- Schutzvorrichtung kann verwendet werden, bei Bedarf einstellen.
- Möglichst Trennschleifmaschinen mit Systemen zur Rückschlagreduzierung oder Sofort-Stopp nach Rückschlag verwenden.
- Möglichst Trennschleifmaschinen mit Autobalancer und Anti-Vibrationshandgriff verwenden, um Hand-Arm-Schwingungen zu reduzieren.
- Auf festen Stand achten (ebener, horizontaler, trockener und rutschfester Untergrund).
- Persönliche Schutzausrüstung tragen (Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz).
Schutzmaßnahmen bei der Verwendung:
- Nicht mit dem oberen Viertel der Trennschleifscheibe schneiden (Kontrollverlust!).
- Maschinen mit beiden Händen führen (auch bei sogenannten Einhandschleifern!).
- Nicht über die Maschine in Richtung der Ausschlagrichtung bei Verklemmen beugen.
- Trennschleifscheiben nicht zum Seitenschleifen verwenden (Bruchgefahr!).
- Werkstück abstützen, um ein Schließen des Schnittspalts zu vermeiden (Klemmwirkung, Kick-Back).
- Rotierende Trennschleifscheibe nicht berühren.
Schutzmaßnahmen nach Gebrauch:
- Auf sichere Ablage der Maschine achten.
- Reinigungsarbeiten nur nach Trennung vom Stromnetz durchführen.
Die BG ETEM arbeitet derzeit an einer DGUV Information, die insbesondere die Verwendung großer Trennschleifmaschinen behandelt („Sichere Arbeitsverfahren zum Rückbau von Freileitungsmasten und Trennen von Rohrleitungen in der Energie- und Wasserwirtschaft“). Die Maschinen führen in diesen Einsatzbereichen zu schwersten, zum Teil tödlichen Unfällen. Die Veröffentlichung dieser Schrift wird voraussichtlich 2026 erfolgen.
Heinz Kruse, Axel van Ryn
→ info
- DGUV Information 209-002 „Schleifen“: publikationen.dguv.de, Webcode: p209002
- DIN EN 12413 „Sicherheitsanforderungen für Schleifwerkzeuge aus gebundenem Schleifmittel“: dinmedia.de
- DIN EN 13236 „Sicherheitsanforderungen für Schleifwerkzeuge mit Diamant oder Bornitrid“: dinmedia.de
Diesen Beitrag teilen