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Lärm- und Vibrationsreduzierung im Betrieb

Wenig Aufwand – große Wirkung

Lärmreduzierung: Stanzerei der Firma Werma. Messaufbau mit geöffneter Türe.

Der Stanzautomat ist in einer Lärmschutzkabine platziert. 

Der Unruhestifter ist ein Stanzautomat mit 40 Tonnen Presskraft. Er steht zentral in einem etwa zehn mal zehn Meter großen Raum mit einer circa vier Meter hohen Decke. Das Problem, das er verursacht: Lärm und Vibrationen auf dem Betriebsgelände der Werma Signaltechnik GmbH in Rietheim-Weilheim. Die mehr als 370 Beschäftigten des Unternehmens produzieren und vertreiben optische und akustische Signalgeräte sowie Systeme zur Prozessoptimierung: Diese Signalgeräte warnen, leiten und schützen Menschen auf der ganzen Welt, sei es in der Fabrikhalle oder im Büro. 

Die Stanzerei befindet sich auf dem Firmengelände zwischen Fertigwarenlager und Vertriebsteil. Bei einem Schalldruckpegel von bis zu 79 dB(A) und einer Vibrationsfrequenz von 100 bis 250 Hub pro Minute stellte die Arbeit dort nicht nur für die Maschinenbedienerinnen und -bediener eine Belastung dar. Aufgrund der in das Betriebsgebäude eingekoppelten Vibrationen - dem sogenannten Körperschall – belästigte die von der Stanzmaschine verursachte Vibration auch weiter entfernt gelegene Arbeitsbereiche und die dort tätigen Beschäftigten.

Lärmreduzierung: Stanzerei der Firma Werma Signaltechnik GmbH.

Die Stanzerei ist durch eine Lärmschutzwand von anderen Produktionsbereichen getrennt.

Mit Blick auf die Dezibel-Messwerte wären eigentlich keine Lärmschutzmaßnahmen vonnöten gewesen, denn die Lärmbelastung lag unterhalb des unteren Auslösewerts. Die Beschäftigten im Umfeld der Maschine empfanden den Lärm und insbesondere die vom Stanzautomaten verursachten Vibrationen jedoch als störend. Deshalb hatte die Betriebsleitung bereits vor Jahren erste Schutzmaßnahmen eingeleitet und eine vom Maschinenhersteller empfohlene Lärmschutzkabine einbauen lassen.

Lärmreduzierung: Schwingungsdämpfer unter der Stanzmaschine.

Die luftgefederten Isolatoren können auf die gewünschte Dämpfung eingestellt werden.

Auch ein vom Hersteller vorgeschlagener Schwingungsdämpfer aus Elastomer unter dem Stanzautomaten war vorhanden. Dennoch blieb die Stanzmaschine in der Firma unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein stetes Gesprächsthema – und Ärgernis.

In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stanzerei beschlossen Fertigungsleitung und die Fachkraft für Arbeitssicherheit deshalb, weitere grundlegende Verbesserungen vorzunehmen. Zu den im Sommer 2021 umgesetzten Maßnahmen mit Kosten von insgesamt rund 3.600 Euro gehörten

  • eine Erneuerung und Optimierung des Schalldämmmaterials in der Lärmschutzkabine (Erhöhung/Vergrößerung der Materialstärke auf 8 Zentimeter)
  • der Einbau eines Teilesaugers in die Lärmschutzkabine
  • das Anbringen luftgefederter Isolatoren mit einstellbarer Dämpfung (Zweikammersystem) unter den Maschinenfüßen, um den Körperschall nochmals deutlich zu reduzieren beziehungsweise vom Bauwerk zu entkoppeln. Diese Maßnahme war im Vergleich die effektivste.

Der Erfolg der Lärmschutzmaßnahmen wurde anschließend an mehreren Punkten im umliegenden Arbeitsbereich der Maschine gemessen. Nach Umsetzung der Lärmschutzmaßnahmen konnte eine Schalldruckpegelreduzierung von 9 bis 12 dB(A) festgestellt werden. Die subjektive Wahrnehmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war zudem, dass die Maßnahmen auch die Vibrationen beziehungsweise den Körperschall der Stanzmaschine reduzierten. Trotz der schon in früheren Jahren von Werma vorgenommenen effektiven Schutzmaßnahmen veranlasste der hör- und spürbare Erfolg der letztjährigen Nachrüstung die Unternehmensleitung, beim Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten noch einen Schritt weiterzugehen: Im Herbst ließ das Unternehmen rund um die gesamte Stanzerei eine feste Lärmschutzwand mit hochwertiger Dämmung installieren.

Lärmreduzierung: Front der Stanzmaschine mit Schalldämmelementen.

Die Lärmschutzkabine um den Stanzautomaten ist mit neuen Schalldämmmatten ausgestattet.

Diesmal waren die Investitionskosten mit geschätzt 10.000 Euro zwar deutlich höher als bei den Maßnahmen zuvor. Doch den Erfolg erlebt ein Teil der Beschäftigten inzwischen jeden Tag: Auch in den Nebenbereichen des Betriebsgeländes sank die Lärmexposition erneut kräftig. 

Stefan Thissen

Körperschall

ist Schall, der sich in einem Festkörper ausbreitet. Das sind zum Beispiel Erschütterungen wie Erdbeben, Schwingungen in Gebäuden, Fahrzeugen und Maschinen, aber auch zur Werkstoffprüfung eingesetzte Ultraschallwellen. Körperschall kann ein Mensch vor allem bei tiefen Frequenzen wahrnehmen. Hörbar ist nur der durch den schwingenden Festkörper abgestrahlte Luftschall.

Luftschall

sind Schallwellen, die sich über die Luft ausbreiten. Der Begriff „Luftschall“ wird vor allem für den Frequenzbereich des menschlichen Gehörs verwendet, der bei etwa 16 Hz beginnt und je nach Alter bei etwa 20 kHz endet. Während Menschen sogenannten Nutzschall (zum Beispiel Musik oder Stimmen) nicht als störend wahrnehmen, lässt sich Störschall (zum Beispiel laute Maschinen) mit Schalldämm-Maßnahmen vermindern.

Teilesauger

Gerät zum Absaugen von kleinsten Stanzabfällen aus dem Stanzwerkzeug. Damit wird verhindert, dass Abfälle nach oben ins Werkzeug wandern und dort zu Störungen führen.

→ info

Ausgabe 4.2022

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