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Ergonomie an Montagearbeitsplätzen

Gute Planung rechnet sich

Wechselnde, dynamische Bewegungs- und Haltungsabläufe über den Tag verteilt sind ideal und sollten daher in den Arbeitsablauf integriert werden. (Quelle: BG ETEM, Broschüre AB 016)

Wechselnde dynamische Bewegungs- und Haltungsabläufe über den Tag verteilt sind ideal und sollten daher in den Arbeitsablauf integriert werden.

Arbeitsplätze sollten von Anfang an so gestaltet werden, dass die Menschen im Mittelpunkt stehen, die dort arbeiten. Eine nachträgliche Umgestaltung ist in der Regel teurer und macht sie damit noch mal weniger effizient.

Beispiel: Arbeiten mit erforderlicher Muskelkraft lassen sich nah am Körper einfacher ausführen. Körpernähe ist auch bei Arbeiten sinnvoll, die eine hohe Genauigkeit benötigen. Hier sind neben einer möglichst geringen Entfernung zum Auge auch Armauflagen hilfreich. Idealerweise sollten an einem Arbeitsplatz frei wählbare und wechselnde Körperhaltungen möglich sein.

In der Arbeitsstättenverordnung ist festgelegt, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten Sitzgelegenheiten zur Verfügung stellen müssen. Ideal sind Arbeitsplätze, an denen der Wechsel von Sitzen, Stehen und Gehen möglich ist. Bewegungspausen entlasten den Körper zusätzlich und können auch zur Dehnung oder Kräftigung genutzt werden.

Viele Belastungen am Montagearbeitsplatz können bereits durch einfache Maßnahmen reduziert werden. In der Checkliste S105 „Ergonomische Gestaltung von Montagearbeitsplätzen“ der BG ETEM werden dazu – in Anlehnung an das TOP-Prinzip – systematisch folgende Faktoren abgefragt:

Technische Maßnahmen:

  • Arbeitsplatz
  • Arbeitsmittel
  • Arbeitsumgebung

Organisatorische Maßnahmen:

  • Arbeitsstruktur
  • Arbeitszeit

Personelle Maßnahmen

Montagearbeitsplätze: Illustration Zeitdruck

Zeitdruck

Montagearbeitsplätze: Illustration Monotone Bewegungsabläufe.

Monotone Bewegungsabläufe

Montagearbeitsplätze: Ungünstige Körperhaltung.

Ungünstige Körperhaltung

Montagearbeitsplätze: Schlechte Arbeitsumgebung (Klima, Lärm, Beleuchtung, Vibration ...)

Schlechte Arbeitsumgebung (Klima, Lärm, Beleuchtung, Vibration ...)

Auch mithilfe der Leitmerkmalmethode „Manuelle Arbeitsprozesse“ lassen sich für Montagearbeitsplätze wirkungsvolle Maßnahmen ableiten. Aus den dort vorgestellten Tabellen lässt sich beispielsweise ablesen, dass beim Schraubenanziehen und -lösen sowie beim Teiletrennen und -eindrücken Spitzenkräfte auftreten können – mit der Folge möglicher Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Die richtige Beleuchtung

Für die Beleuchtung von Montagearbeitsplätzen bieten sich Leuchten rechts und links vom Arbeitsplatz an. Da der Lichteinfallswinkel dem Lichtausfallswinkel entspricht, wird mit so platzierten Leuchten wirksam die Reflexblendung verhindert.

Leuchtenanordnung rechts und links vom Arbeitsplatz. Quelle: BG ETEM (Broschüre T 033)

Spiegelt sich die Lichtquelle auf hochreflektierenden Materialien, blendet es und führt dazu, dass betroffene Beschäftigte die Augen zusammenkneifen. Dies wiederum verstärkt den Effekt, dass Beschäftigte an Montagearbeitsplätzen häufig unter Schulter- und Nackenverspannungen leiden. Zudem wird die Qualität der Arbeit schlechter, da sich das menschliche Auge auf die hellsten Bereiche einstellt. Dunklere Details werden so leicht übersehen – auch wenn es am Arbeitsplatz auf den ersten Blick hell scheint.

Zur guten Ausleuchtung bei hochreflektierenden Materialien gibt es zwei Varianten:

  1. Große, gleichmäßige Lichtaustrittsfläche
  2. Indirekte Beleuchtung: Das Licht tritt nach oben aus (indirekt) und erhellt die darüberliegende große, hell und matt gestaltete Fläche. Dort wird das Licht reflektiert und leuchtet so den darunterliegenden Arbeitsplatz blendfrei aus.

Montagearbeitsplätze: Leuchtenanordnungen

Beleuchtung bei hochreflektierenden Teilen (links und mittig). Bei kleinen Teilen kann eine zusätzliche Lupenleuchte sinnvoll sein (rechts). 

Sollen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit kleinen Teilen arbeiten, werden laut Arbeitsstättenregel (ASR) A3.4 „Beleuchtung“ hohe Beleuchtungsstärkewerte benötigt. Sinnvoll kann es dann sein, zusätzlich eine Lupenleuchte einzusetzen. Wichtig: Die Lupe sollte entspiegelt sein. Andernfalls spiegelt sich die Raumbeleuchtung darin, was wiederum beim Erkennen des Arbeitsteils stört.

Lupen müssen nach Arbeitsende abgedeckt werden. Andernfalls können sie einfallende Sonnenstrahlen bündeln und so einen Brand verursachen.

Insbesondere bei Sichtprüfungen lohnt es sich, damit zu experimentieren, wie die Beleuchtung angeordnet sein soll. So kann beispielsweise eine Kombination aus Licht und Schatten zum schnellen Erkennen von Qualitätsfehlern führen.

Torsten Wagner (Ergonomie)
Dr. Sylvia Hubalek (Beleuchtung)

Illustrationen: BG ETEM/Jörg Block

Ausgabe 1.2022

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