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Schneelasten auf Foliendächern

Gerüstet für Wetterextreme

Schnee auf einem eingedrückten Foliendach einer Biogasanlage.

Verstopftes Stützgebläse und eingedrücktes Foliendach.

Der Klimawandel bedingt, dass sich auch in Deutschland Wetterextreme wie Hitze, Stürme und Starkregen häufen. Im Winter ist es zum Teil extrem kalt und es kommt lokal zu starken Schneefällen. 

Diese Ereignisse stellen auch hohe Anforderungen an Foliendächer in Biogasanlagen. Die meisten dieser Dächer sind als Tragluftdach ausgerüstet, eventuell mit einer Mittelstütze. Das bedeutet, dass das Foliendach durch einen ständigen Überdruck über ein Gebläse in seiner Form gehalten wird – ähnlich wie bei einer Hüpfburg.

Kommt es jetzt zu einem schnellen Temperatursturz, kühlt auch die große Luftmasse unter dem Foliendach ab. Das Volumen verringert sich sehr schnell.  Das hat zur Folge, dass der Innendruck sinkt und das Foliendach an Spannung verliert.

Dies ist kein Problem, solange das Stützluftgebläse des Foliendachs den Innendruck auf dem notwendigen Niveau hält. Hierzu ist es wichtig, dass das Stützluftgebläse ausreichend dimensioniert ist, um Druckänderungen schnell ausgleichen zu können.

Kommt es indes zu einer Störung im Bereich des Stützluftgebläses durch Verstopfung oder Reduzierung der Ansaugleistung, reicht die nachgeförderte Luftmenge nicht aus, um den Innendruck des Foliendaches aufrecht zu erhalten. Regen, Hagel oder Schnee können es leichter eindrücken.

Wartung und Pflege

Deshalb sollten Betriebe Foliendächer und Stützluftgebläse regelmäßig warten und pflegen, um den optimalen und schnellstmöglichen Druckausgleich im Foliendach zu gewährleisten. Hierbei sind die Herstellerangaben zu berücksichtigen.

Stützluftgebläse können im Laufe der Jahre an Leistung verlieren oder einen Defekt erleiden und komplett ausfallen. In diesem Fall muss schnellstmöglich Ersatz gefunden werden. Bei älteren Stützluftgebläsen empfiehlt sich, diese gemäß Herstellerangaben zu wechseln und sich ein Ersatzgebläse auf Lager zu legen. Die Schadenswahrscheinlichkeit ist am letzten Behälter – in der Regel befindet sich dort das Gärrestlager – aufgrund des Volumens, der Temperatur und des nachlassenden Biogasdrucks am größten.

Aufgrund von Wetterextremen kann es zudem vermehrt zu Stromausfällen kommen, was zum Ausfall von Stützluftgebläsen führen würde. Betreiber von Biogasanlagen müssen diese Situation im Notstromkonzept berücksichtigen.

So kommen Foliendächer gut durch den Winter

Es ist wichtig, Foliendächer regelmäßige und insbesondere vor extremen Witterungsereignissen zu kontrollieren und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um Verformungen zu verhindern. Sollte auf dem Foliendach dennoch Schnee liegen bleiben, so ist dieser umgehend zu entfernen. Bevorzugt sollten Schneelasten vom Boden aus, zum Beispiel durch Abkehren mit einer Teleskopstange entfernt werden. Durch einen umlaufenden Laufsteg können diese Arbeiten leichter ausgeführt werden. Im Einzelfall ist ein Teleskoplader oder ein Schlepper mit zugelassenem Arbeitskorb einzusetzen.

In keinem Fall sollte das Foliensystem zur Störungsbeseitigung betreten oder geöffnet werden.

 

Dr. Florian Heuser

Der Autor ist Präventionsexperte bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

→ info

Arbeitssicherheit in Biogasanlagen: www.bgetem.de, Webcode 13826808

Ausgabe 6.2022

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