Mit Maske auf dem Traumschiff

Filmdrehs unter Corona- Bedingungen verlangen Schauspielern und Teams einiges ab. Herstellungsleiter Manuel Schröder berichtet, wie das beim Traumschiff funktioniert und welche Rolle die BG ETEM gespielt hat.
Corona und Filmproduktion

Hafenszene in der Sonne: Das Foto zeigt ein Kreuzfahrtschiff in weiß mit türkisfarbenen Elementen an einer Mole vertäut. Im Vordergrund sieht man mehrere Mitarbeiter eines Filmteams beim Auf- oder Abbau von Filmausrüstung, links am Bildrand stehen zwei LKWs.

Auch bei den Dreharbeiten zum Traumschiff – hier eine Szene vor der Corona-Pandemie – gelten inzwischen strenge Schutzmaßnahmen.

Florian Silbereisen mit Maske – wo bleibt da das Lächeln des Traumschiff-Kapitäns?

Manuel Schröder: In dem Moment, in dem wir mit ihm drehen, darf er die Maske abnehmen und wird im Film in voller Pracht zu sehen sein. Sobald geprobt wird und die Kamera noch aus ist, werden bei uns am Set Masken getragen. Es ist tatsächlich ein Thema: Wie ist das während einer Probe? Wie ist im Gesicht des Mitspielers etwas zu lesen? Da wird allen etwas abverlangt, um trotzdem gut spielen zu können. Das hat aber bisher sehr gut funktioniert. Wir haben die ersten vier Filme fertiggestellt und alles hat geklappt. Also, der Kapitän wird lächeln.

Gruppenfoto der 5-köpfigen Filmcrew des Traumschiffs, von links nach rechts stehen eine Frau mit dunklen lockigen Haaren in einem weißen Marineblazer und vier Männer in kurzärmeligen weißen Marinehemden mit gestreiften Schulterklappen. Im Hintergrund sieht man die Schiffsreling und das Meer.
Das Team des Traumschiffs: Hanna Liebhold (Barbara Wussow), Oskar Schifferle (Harald Schmidt), Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen), Staff- Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth), Dr. Sander (Nick Wilder). Vor der Kamera wurden Maßnahmen der Schutzstufe 2 angewendet und die Schauspieler regelmäßig getestet. Bei negativen Tests duften sie sich näherkommen.

Wohin ging die Reise?

Wir haben dieses Jahr auf den Seychellen und in Kapstadt gedreht. Die nächsten Reisen planen wir auch schon und wollen nach Mauritius und auf die Malediven.

Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen?

Es gab viele Herausforderungen, weil wir Drehen neu lernen mussten. Wir waren plötzlich alle Anfänger. Die normalen Abläufe waren eingeschränkt und wir mussten viele Dinge neu lernen. Die große Unbekannte, wie funktioniert das, wie macht man das – das war die größte Herausforderung. In den Details hat die BG ETEM mit dem Maßnahmenpapier gut dazu beigetragen, dass wir das hinbekommen haben.

Wie viele Menschen sind an der Produktion beteiligt?

Am Set sind es etwa 20 bis 30, im gesamten Bereich bis zu 50 bis 60 Personen.

Auf einem Schiff ist es besonders eng – enger als im Studio. Wie schafft man es, trotzdem Abstand zu halten?

Wir haben gedreht, als das Schiff in Deutschland im Hafen lag und keine Passagiere an Bord waren. Deswegen hatten wir mehr Platz als bei einer normalen Reise. Ähnlich wie unter Studiobedingungen konnten wir uns da frei bewegen und sind den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Reederei auch weitgehend aus dem Weg gegangen.

Natürlich hatten wir in der einen oder anderen Kabine auch mal weniger Platz als draußen an der freien Luft. Wir haben aber versucht, die Dreharbeiten in den engen Räumen in eine Phase des Drehs zu legen, in der wir schon ein paar Wochen zusammen waren und durch regelmäßige Tests so eine Art Quarantäne für uns geschaffen hatten.

Wie lange dauert der Dreh für einen solchen Film?

Etwa sechs Wochen.

Wie viele Aufnahmen wurden im deutschen Hafen und wie viele auf See gemacht?

Normalerweise findet in Deutschland gar nichts statt. Da sind wir gut drei Wochen auf dem Schiff auf den Weltmeeren unterwegs und dann noch einmal knapp drei Wochen in einem Land.

In diesem Fall hat der Schiffsteil in Deutschland stattgefunden und der zweite Teil im Reiseland selbst. Beim Traumschiff hat dieser Teil vor Corona stattgefunden – im Januar und Februar. Jetzt planen wir die nächste Produktion in Mauritius und dann sind wir eben auch knapp drei Wochen im Land vor Ort.

Hatten Sie einen Corona-Verantwortlichen und was war seine Aufgabe?

Ja, wir hatten einen Verantwortlichen. Die Aufgabe dieser Person war, darauf zu achten, dass die Schutzmaßnahmen eingehalten werden und bei Fragen zu helfen. Außerdem hatte sie darauf zu achten, dass Masken wirklich getragen und Abstände eingehalten werden. Die Funktion wurde von mehreren Personen wahrgenommen, die sich abgewechselt haben. Eine durfte auch Abstriche machen und hat Tests durchgeführt.

Mitarbeiter eines Filmteams stehen in einem Garten mit weißem niedrigem Lattenzaun. Einige Personen tragen einen Mund-Nasen-Schutz. Im Vordergrund arbeitet ein Mitglied an einem Ständer mit mehreren Fotoapparaten, daneben stehen zwei Ständer mit Lampen.
Zum Schutz der Teammitglieder werden hinter der Kamera Masken getragen.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Reederei? Gab es ein gemeinsames Gesamtkonzept?

Ja, absolut. Die Reederei hatte teilweise ein noch strengeres Schutzkonzept als das, was wir auf Basis der Handlungshilfe der BG ETEM umgesetzt haben. Wir haben gemeinsam beide Konzepte angeschaut und daraus unser Drehkonzept entwickelt, was für uns funktioniert hat.

»Die größte Herausforderung war: Plötzlich waren wir alle Anfänger. Wir mussten das Drehen neu lernen.«

Während des Drehs ist die Besatzung an Bord. Gibt es da Berührungspunkte –und wie funktioniert das?

In der Corona Zeit war das eine sehr reduzierte Besatzung. Dadurch gibt es relativ wenige Berührungspunkte. Wenn es Berührungspunkte gab, zum Beispiel bei einem täglichen Meeting, bei dem man sich untereinander abstimmt, dann funktioniert das wunderbar, weil man sich seit Jahren kennt. Da wurde dann eben darauf geachtet, dass Abstände eingehalten werden. Meetings wurden statt wie früher vielleicht in einem kleinen Raum in einem großen Raum abgehalten – mit entsprechenden Abständen und mit Masken.

Auch da wurde darauf geachtet, dass die Ansteckungsgefahr minimiert wird.

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Wie reagieren Urlauber auf die Dreharbeiten?

Wir haben in diesem Jahr an der Ostsee und in Österreich gedreht. Da haben wir Urlauber erlebt, auf dem Schiff waren ja diesmal keine. Das war im Sommer eine Phase, in der die Leute nicht mehr so richtig Lust auf die Corona-Maßnahmen hatten und da lief an der frischen Luft keiner mehr mit Maske rum.

So ein Filmteam fällt ja immer auf – egal, in welchem Land und an welchem Ort. Aber jetzt ist es eben besonders aufgefallen, weil wir in der Regel die Einzigen waren, die Masken getragen haben. Ich konnte schon aus der Entfernung erkennen: Aha, ich bin gleich am Set, da kommen mir schon die ersten mit Masken entgegen. Das waren die Filmschaffenden.

Touristen reagieren eigentlich immer mit Interesse. Da standen Masken und die Corona-Geschichte gar nicht im Vordergrund. Ein Filmteam ist immer spannend und interessant, die Leute bleiben stehen und gucken.

Bei manchen Szenen kommen sich Menschen nahe. Wie haben Sie das umgesetzt?

Da kommt die BG ETEM ins Spiel. Wir haben uns an die Schutzmaßnahmen gehalten. Wir haben Schutzstufe 2 angewendet, das heißt, wir haben unsere Schauspieler regelmäßig getestet. Bei negativen Tests durften sie sich näherkommen. Bei unserem Format, bei dem Liebesszenen und Nähe teilweise wichtig sind, haben wir noch etwas anderes gemacht: Wir haben bei der Besetzung darauf geachtet, dass Paare, die im Film viel miteinander zu tun haben, auch im privaten Leben Paare sind. Wir haben es tatsächlich hinbekommen, dass wir Pärchen oder Vater und Tochter besetzt haben.

Wenn die aus einem Haushalt kamen, haben sie natürlich vor der Kamera wunderbar miteinander spielen können und wir mussten auf keinerlei Maßnahmen Rücksicht nehmen. Bei den ersten Produktionen in der Corona-Krise hat uns das sehr geholfen.

»Ich konnte mit der Fachfrau der BG ETEM über die Schutzmaßnahmen sprechen. Das war ein toller Support.«

Galten bei Dreharbeiten im Ausland besondere Schutzmaßnahmen?

Nein, keine besonderen, sondern die gleichen deutschen Standards. Natürlich haben wir teilweise Situationen vorgefunden, in denen andere Standards galten. Wir haben uns aber auch da an die Vorschläge der BG ETEM gehalten und genauso weitergemacht wie in Deutschland.

Das Foto zeigt am rechten Bildrand eine Frau, die im Freien an zwei zusammengestellten Biertischen sitzt und an einem Notebook arbeitet. Auf den Biertischen sind Holzrahmen mit Glaseinsätzen als Trennwände aufgestellt. Im Hintergrund sieht man ein Gebäude mit weißen und grünen Wänden. Zur Person

Zusätzliche technische Maßnahmen schützen die Beschäftigten an mobilen Arbeitsplätzen oder in den Pausen.

Wie haben Sie Pausen und Catering organisiert?

Das hat sich entwickelt. Anfangs war es sehr streng. An einer Biertischgarnitur, an der sonst vier oder acht Leute sitzen, saßen nur zwei. Wir haben also entsprechend aufgestockt. Es gab nur abgepackte Sachen und nur eine Ausgabestelle. Im Laufe der Zeit haben wir das ein bisschen angepasst, sodass sich dann auch mal jemand etwas selbst holen konnte. Es wurde aber trotzdem darauf geachtet, dass die Sachen abgepackt waren.

Auf dem Schiff ist es sowieso immer ein bisschen anders. Dort gibt es ein Büffet im Restaurant, an dem das Personal das Essen ausgegeben hat und die Leute saßen mit Abstand.

Hat die BG ETEM Sie fachlich unterstützen können?

Als wir ganz am Anfang standen und den Maßnahmenkatalog entwickelten, konnte ich mit der Autorin der BG ETEM-Empfehlungen telefonieren und mich mit ihr austauschen. Das war ein toller Support. Es hat mir gezeigt, dass wir im Umgang mit Corona auf dem richtigen Weg waren. Es hat mir gut gefallen, dass da eine Institution ist, die man anrufen kann und die einem fachlich zur Seite steht. Ich konnte mich auch in eine Mailingliste eintragen, über die man über Veränderungen sofort informiert wurde.

Wie sah der Notfallplan für den Fall aus, dass eine oder mehrere Personen infiziert gewesen wären?

Der Hauptgrund für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen ist ja der, dass ein möglicherweise Infizierter seine Kolleginnen und Kollegen am Set nicht ansteckt. Im Fall einer Infektion hätten wir versucht herauszufinden, mit wem die Person Kontakt hatte. Im Idealfall wäre dabei die Zahl Null herausgekommen, weil sich die Kolleginnen und Kollegen untereinander nicht ohne Schutz näherkommen sollen.

Es ist ja die Idee dahinter, wenn sich einer ansteckt, isoliert man diese Person, sie bleibt zu Hause, wird für die Zeit der Quarantäne ersetzt und man kann normal weiterdrehen.

Das funktioniert natürlich nur hinter der Kamera. Wenn das vor der Kamera passiert, dann hat man ein Problem. In dem Fall hätte man zum Beispiel den Drehplan geändert und versucht, mit anderen Sachen weiterzumachen solange die betreffende Person in Quarantäne ist.

Der Notfallplan ist also folgender: Wenn etwas passiert, kommt diese Person in Quarantäne und wir testen sofort die Kontaktpersonen. Zum Glück ist das bei uns nicht vorgekommen.

Wie haben Schauspieler und das Team auf die veränderten Regeln reagiert?

Ganz prima, muss man wirklich sagen. Alle waren sehr verständnisvoll. Jeder möchte natürlich arbeiten und daher wird es von allen begrüßt, wenn man eine solche Sache ernst nimmt und sich an Schutzmaßnahmen hält, die bundesweit gültig und von Fachleuten geprüft sind. Es war gut, dass wir uns an die Vorschläge der BG ETEM gehalten haben. Das ist sehr gut aufgenommen worden. Das hat dazu beigetragen, dass wir nicht einen einzigen Fall von Corona hatten.

Hat Corona auch Einfluss auf die Drehbücher?

Ja, wir haben uns die Drehbücher der laufenden Produktionen vorgenommen und genau geprüft, was geht und was geht nicht. Wir haben mit Autoren und Regisseuren überlegt: Welche Szenen können wir wie lösen? Wie bekommen wir trotz Corona die Bilder, die wir brauchen? An welchen Stellen muss man tatsächlich an der Geschichte etwas ändern, damit es keine Nähe gibt?

Manchmal waren es technische Hilfsmittel wie die Kameraperspektive. Manchmal haben wir uns damit geholfen, Leute nur von hinten zu zeigen. Manchmal haben wir aber auch Szenen verändert, sodass es vielleicht mal nicht den Massenauflauf oder ein Fußballspiel mit vielen Leuten gibt, sondern dann wurde mal etwas anders geschrieben.

Wie hat sich die Atmosphäre auf dem Traumschiff durch Corona verändert?

Jetzt ist natürlich die Frage: Traumschiff im Film – oder Traumschiff für die Mitarbeiter? Im Film hat sie sich im Idealfall nicht verändert. Das ist unsere Aufgabe, und das haben wir versucht hinzubekommen. Deswegen ist natürlich auch keine Maske im Bild zu sehen.

Das ist ja ein fiktionales Programm. Wir versuchen paradiesische und schöne Zeiten in tollen Ländern der Welt zu zeigen. Man soll sich nach Möglichkeit dabei wohlfühlen und von Krisen wie Corona für eine oder eineinhalb Stunden flüchten können. Das ist ja das Konzept des Traumschiffs.

Aber selbstverständlich hat sich der Dreh für die Beteiligten verändert. Es geht ein bisschen sachlicher zu, es ist ein bisschen konzentrierter, man bereitet sich ein bisschen mehr vor. Aber das Team kennt sich seit vielen Jahren. Wir machen 2021 seit 40 Jahren Traumschiff. Da wird es auch einen Dreh zum Jubiläum geben. Wir haben Mitarbeiter, die seit 30 Jahren dabei sind. Deswegen hat sich die Atmosphäre hinter der Kamera zwar verändert, aber trotzdem ist da ein großer Zusammenhalt und man hat das gut geschultert.

Wie geht Florian Silbereisen in Corona-Zeiten mit Selfie-Wünschen von Fans um – mit Maske oder gar nicht?

Natürlich gab es Selfie-Wünsche von Fans mit Florian und auch mit den anderen Stars und Überraschungsgästen – aber selbst da werden die Abstände selbstverständlich eingehalten.

Video: Manuel Schröder über die Zusammenarbeit mit der BG ETEM

Manuel Schröder, Herstellungsleiter des „Traumschiffs“.

Manuel Schröder arbeitet als Herstellungsleiter bei der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft in Berlin und Hamburg.

Er hat zahlreiche Folgen der ZDF- Serien „Das Traumschiff“ und „Kreuzfahrt ins Glück“ produziert. Schröder studierte Betriebswirtschaft und Filmproduktion an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.

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