Handschuhe her!

Die häufigste Folge von Arbeitsunfällen ist eine Verletzung an der Hand. Daten aus der Unfallstatistik decken auf, dass sich viele Arbeitsunfälle durch das Tragen von Handschuhen vermeiden lassen.
Prävention von Arbeitsunfällen

Dieses Bild zeigt gelbe Sicherheitshandschuhe, die eine verdeckte Person trägt und damit Kabel repariert.

Person in gelben Sicherheitshandschuhen repariert Kabel.

Pro Jahr erleiden knapp 22.000 Versicherte der BG ETEM einen Arbeitsunfall, der eine Handverletzung zur Folge hat (Fünfjahresdurchschnitt). Das entspricht mehr als 40 Prozent aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle. An der 2. und 3. Stelle liegen Unfälle mit Verletzungen an Knöchel/Fuß (16 Prozent) und Schulter/Arm (14 Prozent). Unfälle mit Handverletzungsfolge ereignen sich überwiegend bei der Arbeit mit Handwerkzeugen (z. B. Cutter, Bohrmaschinen, Schraubendreher), bei der Bedienung von Maschinen und beim Handhaben von verschiedenen Gegenständen (z. B. Werkstücke, Späne, Verpackungen).

Eine relativ kostengünstige und schnell umsetzbare Präventionsmaßnahme, um Handverletzungen zu vermeiden, besteht in der Verwendung geeigneter Handschuhe. Wie hoch das Risiko von Unfällen in der Branche Feinmechanik ist, das sich durch Handschuhe verringern lässt, zeigt folgendes Vorgehen:

1. Auswahl einer geeigneten Stichprobe

In der Branche Feinmechanik ereigneten sich im Jahr 2016 insgesamt 8.801 Arbeitsunfälle. Davon hatten 4.500 Unfälle (51 Prozent) eine Handverletzung zur Folge. Durch die überwiegend manuellen, d. h. mit Händen ausgeführten Tätigkeiten in der Branche Feinmechanik ist die Handverletzungsquote erwartungsgemäß höher als die BG ETEM-weite Quote (40 Prozent).

Etwa 3.000 der 4.500 Unfälle mit Handverletzungsfolge lassen sich einem Unfall bei

  • der Handhabung eines Gegenstandes (Kategorie: Handlingunfall),
  • der Bedienung einer ortsfesten Maschine (Kategorie: Maschinenunfall) oder
  • der Arbeit mit Handwerkzeugen (Kategorie: HWZ-Handwerkzeugunfall)

zuordnen. Das entspricht 66 Prozent aller Unfälle mit Handverletzungsfolge.

Ergebnis der Bewertung der präventiven Beeinflussbarkeit

Handverletzungsfolge

Handlingunfall

HWZ-Unfall*

Maschinen-unfall**

Geeignet für Handschuh

durch Handschuh vermeidbare Unfälle Gesamt

Oberflächliche Verletzungen

17,9 %

30,2 % 7,3 %  

55,5 %

Eindringen von Fremdkörpern

1,3 %

0,9 %

0,1 %  

2,2 %

Verbrennungen, Verbrühungen

0,8 %

0,3 %

0,1 %

 

1,3 %

Verletzungen mit infektiösem Material

0,1 %

     

0,1 %

durch Handschuh vermeidbare Unfälle Gesamt

20,2 %

31,5 %

7,5 %

 

59,1 %

Restliche Unfälle nicht durch Handschuh vermeidbar

19,7 %

13,1 %

8,1 %

X

 

*HWZ = Handwerkzeug; **Unfälle, bei denen Handschuhe getragen werden können

 

Unfallkategorien

Ziel der Bildung von Unfallkategorien ist es, den Präventionsmitarbeitern bei der BG ETEM eine genauere Ansprache von Mitgliedsbetrieben und deren Versicherten zu ermöglichen. Die Unfallkategorien beschreiben homogene Unfallgruppen, in die der Unfall je nach Zusammenhang zwischen Tätigkeit des Versicherten (Was hat der Versicherte zum Zeitpunkt des Unfalls gemacht?) und Abweichung (Was ist bei dieser Tätigkeit schiefgegangen?) eingeordnet wird.

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Diese Abbildung zeigt zeigt durch Handschuhe un/-vermeidbare Unfälle mit Handverletzungsfolge in den am stärksten betroffenen Teilbranchen.

Abb. 1: Durch Handschuhe un-/vermeidbare Unfälle mit Handverletzungsfolge in den am stärksten betroffenen Teilbranchen

Diese Abbildung zeigt die Struktur der Versicherten bei Unfällen in der Branche Feinmechanik mit Handverletzungsfolge 2016, die durch Handschuhe vermeidbar sind.

Abb. 2: Struktur der Versicherten bei Unfällen in der Branche Feinmechanik mit Handverletzungsfolge 2016, die durch Handschuhe vermeidbar sind

2. Bewertung der präventiven Beeinflussbarkeit

Für die knapp 3.000 Unfälle wurden die genauen Verletzungsfolgen ermittelt. Oberflächliche Verletzungen wie z. B. Schnittverletzungen machen dabei den größten Teil von gut 50 Prozent aus. Die Kombination aus der Einschätzung, ob

  • die Verletzung durch das Arbeiten mit Handschuhen vermeidbar gewesen wäre und
  • bei der Tätigkeit das Tragen von Handschuhen aus Sicherheitsgründen überhaupt vorgesehen ist (So ist an Maschinen mit sich drehenden Teilen das Tragen von Schutzhandschuhen untersagt.),

ergibt die Bewertung der präventiven Beeinflussbarkeit. Die Bewertung erfolgte durch eine Skala mit den Antwortmöglichkeiten „ja“ und „nein“.

Ergebnis: Knapp 60 Prozent der 3.000 untersuchten Unfälle in den Kategorien Handwerkzeugs-, Maschinen- und Handlingunfall, die eine Handverletzung zur Folge hatten, wären durch das Tragen von Handschuhen vermeidbar gewesen (siehe Tab. 1). Bezogen auf alle Handverletzungen (4.500) in der Branche Feinmechanik entspricht das einer Quote von fast 40 Prozent.

Die Abbildung zeigt die Vermeidungsquote bei Arbeitsunfällen mit Handverletzungsfolge.

Abb. 3: Vermeidungsquote bei Arbeitsunfällen mit Handverletzungsfolge

Welche Betriebe und welche Versicherten sollten nun als Erstes gezielt angesprochen werden? Zu diesem Zweck wurde das Ergebnis der vorangegangenen Analyse auf die Teilbranchen und die darin verunfallten Personen angewendet. Die Teilbranchen Installationsmaterial/Kabelkonfektion, Elektromechanische Bauteile und -gruppen, Kunststoffspritzgussteile und Drahtgewebe/-geflechte sind Spitzenreiter beim Unfallgeschehen und weisen daher auch die häufigsten Fälle auf, bei denen Handschuhe zur Vermeidung von Unfällen hätten eingesetzt werden können (Abb. 1).

In erster Linie sind erwartungsgemäß männliche Versicherte unter 50 Jahren gefährdet, die einen handwerklichen Beruf ausüben (Abb. 2). Zwar macht der Anteil der Azubis nur 11 Prozent aus, dennoch sollten sie zielgerichtet angesprochen werden und von Anfang an lernen, wie wichtig Handschuhe bei der täglichen Arbeit sind.

Fazit: Fast 40 Prozent aller Unfälle mit Handverletzungsfolge in der Branche Feinmechanik können durch den Einsatz von Handschuhen vermieden werden. Dabei handelt es sich um eine personenbezogene Maßnahme, die erst zum Tragen kommen sollte, wenn keine technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Prävention möglich sind oder bereits versagt haben.

Es gilt also in einem nächsten Schritt zu überprüfen,

a) ob in den betreffenden Unfallbetrieben bereits ausreichende technische und organisatorische Voraussetzungen implementiert wurden, sodass Handschuhe unvermeidlich sind und

b) falls nein, wie viele Unfälle mit Handverletzungsfolge durch technische und organisatorische Maßnahmen verhindert werden könnten.

Dorothee Hübner

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