etem - Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung
Kultur der Prävention

Vom Start bis zum Ziel

Das Bild zeigt die dreidimensionale Grafik einer Landkarte mit einem stehenden roten Ortskennzeichen.

Das Ziel der Reise: Eine Präventionskultur, die Gesundheitsschutz, Arbeitsschutz und Umweltmanagement vereint und mit Achtsamkeit gelebt wird.

Logo kommmitmensch-Kampagne. Text darunter: Sicher. Gesund. Miteinander.

Es wird viel diskutiert über die kommmitmensch-Kampagne der BG ETEM – aber was sind die ersten Schritte für Unternehmen, die ihre Präventionskultur langfristig weiterentwickeln möchten? Wie eine solche Reise beginnen kann, zeigt die E.DIS Netz GmbH, die in Nordostdeutschland 80.000 km Strom- und 4.300 km Gasleitungen betreibt. Sie nordete gemeinsam mit Vertretern aus unterschiedlichsten Bereichen ihren Kulturkompass ein, um zusammen die Etappen sowie letztlich das Ziel der Reise zu definieren: Eine Kultur der Prävention, die Gesundheitsschutz, Arbeitsschutz und Umweltmanagement (HSE: englisch für Health, Safety und Environment) umfasst und gekennzeichnet ist durch Achtsamkeit und Fürsorglichkeit, die von allen Kolleginnen und Kollegen gelebt wird.

So fand sich ein Workshop mit heterogenem Teilnehmerkreis zusammen: vom Geschäftsführer über verschiedene Bereichsleiter und Vertreter der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsmanagements bis hin zu Kolleginnen und Kollegen aus der Personalentwicklung und der Ausbildung.

Sie alle sollten sich in die interdisziplinäre Diskussion zur HSE-Kultur einbringen und die Ziele als Multiplikatoren, ja, als Reiseleiter in ihre Bereiche tragen. Moderiert wurde der Workshop durch die Arbeitspsychologen Dr. Christine Gericke und Dr. Just Mields von der BG ETEM. Sie brachten neben ihrer langjährigen Erfahrung auch viele nützliche Instrumente der kommmitmensch-Kampagne mit.

1. „Bitte geben Sie Ihr Ziel ein“

Für die Routenplanung ist es essentiell zu wissen, wo man startet. Dabei kann die E.DIS auf ihrer Reise hin zu einer Kultur der Prävention bereits auf eine gute Wegstrecke zurückblicken.

Der Workshop startete mit einem Überblick der wichtigsten Projekte und Aktionen, die im Jahr 2019 auf die Entwicklung der HSE-Kultur einzahlten. Von Workshops zum gemeinsamen Umgang in allen Teams über Gesprächsformate zwischen Führungskraft und Mitarbeiter bis hin zu Sicherheitsschulungen – bei der E.DIS sind verschiedenste Maßnahmen zur Kulturentwicklung bereits fest etabliert.

Sie alle haben ein Ziel: Die Arbeit soll noch sicherer und gesünder werden, indem Arbeitssicherheit und Gesundheit gelebt werden – durch jeden Mitarbeiter an jedem Tag. „Die Art und Weise, wie wir täglich achtsam miteinander umgehen und aufeinander aufpassen, trägt entscheidend dazu bei, dass jeder Mitarbeiter nach der Arbeit wieder sicher und gesund nach Hause kommt“, so Michael Kaiser, Geschäftsführer der E.DIS Netz GmbH.

2. „Ihre Route wird berechnet“

Wo ist man bereits auf Kurs und wo muss man noch die Kurve kriegen? Das war die Fragestellung der anschließenden Übung. Mithilfe der kommmitmensch-Dialoge diskutierten sechs Kleingruppen konkrete Situationen im Arbeitsalltag entlang der Handlungsfelder Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima sowie Sicherheit und Gesundheit.

Während etwa beim Thema Betriebsklima viele positive Beispiele wie gemeinsame Frühstücksrunden, verlässliche Kolleginnen und Kollegen sowie Rückendeckung durch die Führungskräfte genannt wurden, gab es zu anderen Themen durchaus kritische Stimmen.

  • Wie kann es gelingen, alle Mitarbeiter noch besser mit dem Thema HSE-Kultur zu erreichen?
  • Wie lässt sich die Unterweisung noch interaktiver gestalten, um größere Lerneffekte zu erzeugen?
  • Und wie kann man die Fehlerkultur im Unternehmen noch stärker in den Fokus rücken – auch unter den Führungskräften?

Bei der Diskussion möglicher Lösungsansätze wurde der Mehrwert des vielfältigen Teilnehmerkreises deutlich. Etwa mit Blick auf das „HSE-Theater“, bei dem Azubis und Sicherheitsbeauftragte unsichere Situationen als Theater spielen und gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Publikum Lösungen erarbeiten. Ein originelles Projekt, das Spaß macht, inhaltlich sehr nah am Arbeitsalltag ist und auch bei Vertretern anderer Bereiche als wertschöpfende Maßnahme Begeisterung auslöste.

3. „Zwischenziele hinzufügen“

Nachdem also Fokusthemen und Entwicklungsfelder identifiziert wurden, galt es im nächsten Schritt mithilfe einer Timeline, die kurz-, mittel- und langfristigen Projektziele, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten festzulegen – und zwar bis zum Jahr 2025. Eine kollegiale Fallberatung für Führungskräfte, die Entwicklung geeigneter Methoden zur Bewertung der Fehlerkultur oder ein Azubi-Sicherheitstag wurden als kurz- bis mittelfristige Maßnahmen festgehalten.

Zusammen bestimmen, welches Tempo gefahren wird, wann man an Zwischenzielen Rast macht, um auf die bisherigen Entwicklungen zu schauen und wer bei den einzelnen Maßnahmen das Steuer in der Hand hat – das sind entscheidende Schritte, um die Reise gemeinsam zielstrebig fortzuführen

Portraitaufnahme von Michael Kaiser. Er hat eine Stirnglatze, trägt eine Brille, einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine gemusterte Krawatte.

Michael Kaiser, Geschäftsführer der E.DIS Netz GmbH

»Die Art und Weise, wie wir täglich achtsam miteinander umgehen und aufeinander aufpassen, trägt entscheidend dazu bei, dass jeder Mitarbeiter nach der Arbeit wieder sicher und gesund nach Hause kommt.«

Michael Kaiser

4. „Ihre Route enthält Verkehrsstörungen“

Denn dass sich Kultur nicht mal eben so entwickelt, sondern eine lange Zeit und eine langfristige Strategie braucht, war allen Beteiligten ebenso klar wie die Tatsache, dass die Route die eine oder andere Verkehrsstörung enthalten wird.

  • Gibt es nicht bereits genug dieser Aktionen und Projekte, die auf die Führungskräfte ausgelagert werden?
  • Wie können wir die Kolleginnen und Kollegen bestmöglich unterstützen und eine hohe Akzeptanz für die Maßnahmen gewährleisten?
  • Und wie koordinieren wir eine bereichsübergreifende gemeinsame Strategie?

Mit Blick auf diese Fragen zeigte sich im Workshop einerseits, dass die Instrumente und Methoden der kommmitmensch-Kampagne gemeinsam mit der Unterstützung durch die Arbeitspsychologen nützlich sind, um die Reise auf den richtigen Weg zu bringen.

Darüber hinaus sind Kooperation und Koordination hier die Stichwörter. So sollen einerseits die Bereiche HSE, Operational Excellence und Change* noch stärker kooperieren und ihre Maßnahmen vernetzt werden. Außerdem sollen die erarbeitete Strategie und die Umsetzung der abgeleiteten Maßnahmen im Arbeitssicherheitsausschuss des Unternehmens zentral koordiniert und gesteuert werden.

Denn mit Blick auf mögliche Hürden auf der Reise zu einer Kultur der Prävention ist klar: Nur wer den Überblick hat und vorausschauend fährt, kann den einen oder anderen Stau umfahren und so dafür sorgen, dass es im Jahr 2025 mit Blick auf die HSE-Kultur der E.DIS heißt: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“.

 

Dr. Christine Gericke

*Qualitätsmanagement und Organisationsentwicklung

Ausgabe 4.2020

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