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Azubi-Wettbewerb

Drei auf einen Streich

Die alte Flachstrahldüse aus Metall arbeitet mit einem Betriebsdruck von 6 bar und benötigte fast 69 m3 Druckluft pro Stunde.

Die alte Flachstrahldüse aus Metall arbeitet mit einem Betriebsdruck von 6 bar und benötigte fast 69 m3 Druckluft pro Stunde.

Die Schwering & Hasse Elektrodraht GmbH in Lügde produziert lackierte Kupfer- und Aluminiumdrähte für die Wickelindustrie. Diese werden u. a. in Anwendungen der Elektro-, Licht- und Medizintechnik sowie im Automotivbereich genutzt. Ein Team aus sechs Auszubildenden des 1. bis 4. Ausbildungsjahres hat sich am Wettbewerb „Energie-Scouts 2017“ beteiligt – mit Erfolg!

Bei ihren innerbetrieblichen Recherchen konzentrierten sich die Azubis besonders auf Anwendungen mit Druckluft. Der Grund: Der Energieaufwand zur Erzeugung von Druckluft ist beträchtlich. Das macht sie zu einem teuren Energieträger, der einen effizienten Einsatz erfordert.

Hintergrund

Für Unternehmen ist der Energie- und Ressourcenverbrauch ein wichtiger Kostenfaktor. Häufig fehlen in der Praxis jedoch die entsprechende Zeit, das Wissen und die konkrete Motivation, sich dieser Thematik tiefergehend anzunehmen.

Vor diesem Grund veranstaltet die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK OWL) bereits seit vier Jahren den Wettbewerb „Energie-Scouts OWL“ für Auszubildende (Azubis) in der Region Ostwestfalen-Lippe. Ziel ist es, die Azubis zum Thema „Energie- bzw. Ressourceneffizienz“ zu sensibilisieren. In einer Teamarbeit von mindestens zwei Azubis sollen diese in ihrem jeweiligen Ausbildungsbetrieb mögliche Einsparpotenziale entdecken und Maßnahmen zum aktiven Einsparen von Energie und Ressourcen ableiten. Die gefundenen Verbesserungsmaßnahmen der Azubis sollen dann in Praxisprojekte umgesetzt und bewertet werden. So lernen die Azubis neben dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen auch Aspekte der Projektarbeit und des betriebswirtschaftlichen Denkens kennen.

Weniger Druckluft

Bei der Herstellung von Kupferflachdrähten aus rundem Vormaterial wird der Draht nach dem Umformen in Reinigungsmaschinen von Ziehrückständen befreit und anschließend unter hohem Druckluftaufwand getrocknet.

Versuchsweise ersetzten die Azubis an einer Drahtreinigungsmaschine die – recht einfache – Flachstrahl-Düse aus Metall durch ein speziell ausgewähltes und angeordnetes Multikanal-Druckluftdüsen-Paar aus Kunststoff. Durch die neuen Düsen und die neue Anordnung wurde die Wirksamkeit der zugeführten Druckluft erhöht.

Die neuen Multikanal-Druckluftdüsen kommen mit 2 bar Betriebsdruck aus.

Die neuen Multikanal-Druckluftdüsen kommen mit 2 bar Betriebsdruck aus.

So gelang es – bei unveränderter Qualität des Verarbeitungsprozesses – den bisherigen Betriebsdruck von 6 auf 2 bar zu reduzieren. Hierdurch konnte die pro Tag benötigte Druckluftmenge um ca. 36 % reduziert werden.

Weniger Lärm

Positiver Nebeneffekt: Die Beteiligten nahmen eine deutliche Reduzierung des Lärms an der Maschine wahr. Eine Lärmmessung bestätigte diesen Eindruck.

Durch die Umrüstung reduzierte sich der Schalldruckpegel in einem Meter Entfernung von 91 auf 78 dB(A).

Die benötigte Druckluftmenge reduziert sich um 36 Prozent auf 44 m3 pro Stunde. Außerdem arbeiten die neuen Düsen wesentlich leiser als die bisherigen.

Die benötigte Druckluftmenge reduziert sich um 36 Prozent auf 44 m3 pro Stunde. Außerdem arbeiten die neuen Düsen wesentlich leiser als die bisherigen.

Geringere Kosten

Die abschließende Vollkostenrechnung berücksichtigte folgende Faktoren:

  • Stromverbrauch zur Drucklufterzeugung
  • Wartungskosten für die Druckluftaggregate
  • Netto-Wirkungsgrad
  • Einsatzdauer der Maschine
  • Anschaffungskosten der neuen Druckluftdüsen

Unter dem Strich ergab sich eine jährliche Kosteneinsparung von etwa 1.750 Euro. Da im Unternehmen insgesamt neun derartige Maschinen im Einsatz sind, ist durch konsequente Umrüstung aller Maschinen mit einem erheblichen Einsparpotenzial zu rechnen. Hierbei blieb ein möglicherweise abgewendeter Gesundheitsschaden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund der Lärmeinwirkung noch unberücksichtigt.

Gesundheitsschutz

Die Azubis zeigten im Rahmen ihrer Projektarbeit, dass neben der erheblichen Energieeinsparung durch die Lärmreduzierung auch eine deutliche Verbesserung im Arbeits- und Gesundheitsschutz erreicht wurde.

Als Anerkennung hierfür regte die zuständige Aufsichtsperson eine Belohnung für die Azubis an. Die BG ETEM honorierte das Projekt mit einer Geldprämie. Es zeigt, dass kleine Maßnahmen oft große Wirkung auf die Unternehmenskosten, den Umweltschutz und nicht zuletzt auch auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz haben.

Ralf Hünting

Tipp der BG ETEM

Multikanal-Druckluftdüsen reduzieren aufgrund ihrer Bauweise das Strahlgeräusch bei Druckluftanwendungen erheblich. In den meisten Anwendungsfällen kann bei sachgerechter Auswahl der lärmärmeren Druckluftdüsen in Verbindung mit einer Optimierung der Betriebsbedingungen ein deutlicher Leistungsgewinn erreicht werden.

Um die optimale Multikanal-Druckluftdüse zu finden, empfehlen wir Tests mit mehreren infrage kommenden Düsen, ggf. fachkundige Beratung von Herstellern.

Unsere Erfahrung zeigt, dass häufig der Druck vor der Düse um 3-5 bar reduziert werden kann, wenn Multikanal-Druckluftdüsen zum Einsatz kommen.

Eine Reduzierung des Schalldruckpegels von bis zu 15 dB(A) ist dabei durchaus realistisch.

Ausgabe 4.2018

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