etem - Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung
Sicherer arbeiten in der Textilindustrie

Werkzeug mit Pfiff

Dieses Bild zeigt eine Mitarbeiterin an einer Maschine die Umwindegarn herstellt. Die Maschine steht rechts und links in der Mitte ist ein schmaler Gang.

Nicht nur bei der Entwicklung der Werkzeuge, auch bei der Beleuchtung wurden die Beschäftigten beteiligt. Um die Blendung zu reduzieren, fiel die Wahl auf die Lampen mit der niedrigsten Wattzahl, was zu einer entsprechend großen Stückzahl an Leuchten führte.

Der Umwindegarnhersteller Zimmermann im Markt Weiler-Simmerberg (Landkreis Lindau im Westallgäu) stellt mit seinen 85 Beschäftigten medizinische und technische Garne her. Im Lauf der Jahre hat das Unternehmen unter Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele kleine Verbesserungen erfolgreich umgesetzt. Einige stellt „etem“ hier vor

Hinten geöffnete Schere

Die Schere ist das Handwerkszeug der Umwinder. Vor vielen Jahren ereignete sich ein schwerer Unfall, als ein Mitarbeiter entgegen der Weisung bei laufender Maschine mit einer handelsüblichen Schere hantierte. Dabei wurde die Schere vom Garn erfasst und mitgezogen. Da die Schere hinten geschlossen war, konnte der Mitarbeiter die Finger nicht schnell genug aus den Griffen herausziehen und wurde mitgezogen. Die Folge war eine schwere Schnittverletzung durch das Garn, das tief in den Unterarm einschnitt.

Der Schock damals saß bei allen tief. Wer die Scheren danach optimiert hat, weiß heute niemand mehr. Aber dass die Beschäftigten seither gern und gut damit arbeiten und es keinen Unfall mehr mit den Scheren gegeben hat, macht alle stolz.

Im linken Bereich wird eine handelsübliche Schere gezeigt. Rechts eine Schere, die optimiert wurde. Die Griffe sind rot und halb geöffnet.

Im linken Bereich eine handelsübliche Schere. Rechts eine Schere, die optimiert wurde. Die Griffe sind rot und halb geöffnet.

Das ist jetzt sicherer:

An den handelsüblichen Scheren wird der hintere Teile der Griffe herausgeschnitten. Dadurch kann der Mitarbeiter im Gefahrfall die Finger leicht aus den Griffen herausziehen. Damit die Schere nicht ungewollt aus der Hand rutscht, bleibt die hintere Öffnung klein genug. Zusätzlich wird der Grip durch Schrumpfschläuche optimiert.                                                             

Bremszange mit Bolzen

Im Normalbetrieb wird die Zange zum Abbremsen der Spule angesetzt und dann losgelassen. Eigentlich ein sicherer Handgriff mit ausreichend Abstand zu den Gefahrenstellen. Manchmal kommt es jedoch vor, dass der Vertikalriemen nach oben rutscht und die Zange durch die Spindel unter den Antriebsriemen gezogen wird. Wie stark die Reibkräfte sind, zeigt die Bremszange (unten, rechtes Foto), auf der deutliche Abriebspuren auf der Oberseite der Bremszangen zu sehen sind. Man kann sich leicht ausmalen, was passieren könnte, sollte die Hand an der Bremszange sein oder im Reflex danach greifen.

Im rechten Bereich eine Bremszange mit deutlichen Abriebspuren.

Links: Die Bremszange mit zwei Bolzen. Rechts: An der Zange sind deutliche Abriebspuren erkennbar.

Das ist jetzt sicherer:

Auf der Oberseite werden zwei Bolzen aus Teflon mittels Schrauben fest mit der Bremszange verbunden, die ein Mitdrehen verhindern (Bilder unten). Diese Verbesserung hat sich ebenfalls sehr bewährt und wird von den Mitarbeitern enorm gelobt.

Diese Abbildung zeigt eine Bremszange in der Normalstellung.

Bremszange in der Normalstellung

Diese Abbildung zeigt eine Bremszange, die wegen eines hochgerutschten Riemens von der Spindel mitgedreht wurde.

Bremszange, die wegen des hochgerutschten Riemens von der Spindel mitgedreht wurde

Diese Abbildung zeigt die eigenentwickelte Lösung, die das Drehen der Bremszange wirkungsvoll verhindert.

Eigenentwickelte Lösung, die das Drehen der Bremszange wirkungsvoll verhindert

Gleitlager

Im oberen Bereich der Umwindemaschinen wird die Garnspannung geregelt. Dazu liegt an jeder Spinnstelle eine Führungsrolle mit ihrem Eigengewicht auf einer feststehenden Rolle auf. Die Umwindungen durch das Garn tragen ebenfalls zur Regelung der Garnspannung bei. Zum Rüsten mit Garn muss man die Führungsrolle anheben können; daher sind diese auf entsprechend beweglichen Führungen angebracht.

Die Führungsbuchsen setzten sich durch die Reibung von Kupfer auf Stahl auf den Führungsstangen immer wieder fest. Konsequenz war unter anderem, dass die Stangen häufig gewartet und geölt werden mussten. Zudem wird durch ein Festsetzen auch das Abheben der oberen Walze verhindert. Diese ist so konstruiert, dass sie mindestens 25 mm abheben kann und somit eine Fingerverletzung an der Einzugstelle zwischen den Walzen wirksam verhindert. Die Gefahr, dass sich die Mitarbeiter die Finger einklemmen, war durch ein unbemerktes Festsetzen also ständig vorhanden.

Hier liegt ein Teil der Zange und ein Dichtungsring daneben. Auf der rechten Seite das Zangenteil von der Seite,. Die beiden Führungsbuchsen aus Teflon vor dem Einsetzen in die Halterung.

Links: Die beiden Führungsbuchsen aus Teflon vor dem Einsetzen in die Halterung

Das ist jetzt sicherer:

Die Lösung bestand in der Verbesserung der Gleiteigenschaft. Dazu werden von vorn und hinten Buchsen aus Teflon als Gleitlagerung eingedrückt. Somit dreht jetzt das dauerhaft rutschfähige Teflon auf dem Metall. Zudem sitzen die Buchsen so bündig, dass keine Verschmutzung eindringen kann.

Die Lösung hat sich bewährt. Das Verletzungsrisiko für die Mitarbeiter durch festgesetzte Halterungen wurde dadurch vollständig beseitigt.

 

Dr. Sylvia Hubalek

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