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Paralympics 2018

Präzision auf Eis

Das Bild zeigt die deutschen Rollstuhl-Curler bei den Paralympics in Südkorea auf dem Spielfeld. Alle tragen rote Trikots und dunkle Hosen.

Das deutsche Rollstuhl-Curling-Team (vorn) erreichte bei den Paralympics in Südkorea den achten Rang.

Manchmal entscheiden nur Zentimeter über Sieg und Niederlage – oder die Platzierung bei einem großen Turnier. So auch bei den Paralympics in Pyeongchang vor ein paar Wochen. Die deutschen Rollstuhl-Curler belegten den 8. Platz – punktgleich mit den fün platzierten "neutralen paralympischen Sportlern" aus Russland. Das direkte Duell gegen die Russen hatte die deutsche Auswahl mit 9:4 für sich entscheiden können.

Den Ausschlag für die Gesamtplatzierung gaben aber die Ergebnisse der Draw-Shots, der Zielschüsse am Anfang einer Partie. Sie entscheiden darüber, wer das Recht des letzten Steins bekommt. "Wer nur einen Zentimeter näher am Zentrum landet, gewinnt", stellt Martin Schlitt fest. Der Frankfurter Rollstuhl-Curler ist Mitglied der deutschen Nationalmannschaft und war bei den Paralympics dabei.

"Ein wirklich tolles Erlebnis", freut er sich noch heute über die Teilnahme am paralympischen Turnier. Vor allem das Interesse der Medien sei "immens" gewesen. "Schwupp-di-wupp bis du auf jedermanns Sofa", erzählt der gelernte Fotograf. "Das setzt dich schon unter Druck." Unterstützung bot Teampsychologe Dr. Christian Heiss. Er half vor allem Sportlerinnen und Sportlern aus den weniger populären Disziplinen, sich auf ihre Wettkämpfe zu konzentrieren.

Zur Person

 Das Porträtfoto zeigt Martin Schlitt, Versicherter der BG ETEM. Er hat kurze Haare und trägt eine Steppjacke mit dem Aufdruck "Germany".

Für Martin Schlitt war die Reise zu den Paralympics ein Höhepunkt seiner bisherigen sportlichen Karriere.

Lange Tage

Und das war auch nötig. Bei zwei Spielen am Tag waren die Athleten manchmal von morgens 8 bis abends 22 Uhr im Einsatz. Anschließend Teambesprechung und erst dann mit dem Bus zurück vom Gangneung Curling Centre ins eine halbe Stunde entfernte paralympische Dorf in Pyeongchang. WOft waren wir erst nachts um eins im Bett und morgens früh ging es wieder losW, erzählt Martin Schlitt.

Trotz des zeitweiligen Schlafmangels hat es sich gelohnt. Die Erinnerung an das Erlebnis Paralympics und die Begegnungen mit vielen Sportlerinnen und Sportlern aus aller Welt überstrahlen die Strapazen der fast dreiwöchigen Reise.

Besonders in Erinnerung bleiben wird Martin Schlitt der Einsatz seiner Frau Petra. Als Teammanagerin kümmert sie sich um alles: Organisation, Reisebuchungen, die gute Laune im Team und die Öffentlichkeitsarbeit. Im Gangneung Curling Centre hatte sie zudem stapelweise Deutschland-Fähnchen und Fanschminke dabei. Das Ergebnis: Viele koreanische Zuschauer feuerten das deutsche Team bei seinen Einsätzen an. "Eine tolle Sache", freut sich Martin Schlitt, "prompt haben wir von den ersten fünf Partien vier gewonnen."

Titelbild etem "Eiskalte Leidenschaft"

Martin Schlitt ist seit einem Arbeitsunfall von der Brust abwärts gelähmt. Die BG ETEM finanzierte unter anderem den Umbau seines Hauses und zahlt eine Verletztenrente. etem berichtete 2013 über seine sportlichen Aktivitäten.

Mitspieler gesucht

Zurück in Deutschland will Schlitt als Vorsitzender des Fachbereichs Curling im Deutschen Rollstuhl-Sportverband künftig noch mehr "Rollis" für seinen Sport gewinnen. Er selbst kam einige Jahre nach seinem Unfall über eine auch im Wintersport aktive Tauchlehrerin dazu.

Auch wenn die Trainingsbedingungen in Deutschland nicht überall optimal sind, hält das Auswahlteam Anschluss an die Weltspitze. Die Herausforderung ist groß: "Die Präzision im Rollstuhl-Curling hat extrem zugenommen", stellt Schlitt fest. "Es gibt kaum noch Unterschiede zu den Fußgängern." Im Gegenteil: Rollstuhl-Curler müssen ihre Steine noch genauer spielen, denn bei ihnen wird nicht gewischt.

Ausgabe 3.2018

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