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Prävention bei Druckklischee-Reinigung

Umsteigen auf Sicherheit!

Das Bild zeigt einen jungen Mann beim Reinigen einer Druckplatte. Er trägt blaue Arbeitshandschuhe.

Junger Mann beim Reinigen einer Druckplatte. Er trägt blaue Arbeitshandschuhe.

Um im Flexodruck verwendete Druckklischees (Druckplatten) von Farbresten zu befreien, setzen viele Unternehmen als Gefahrstoff gekennzeichnete lösemittelhaltige Reiniger ein. Auch die Druckfarben sind in der Regel als Gefahrstoffe zu betrachten. Neben Brand- und Explosionsgefahren besteht für die Beschäftigten beim Umgang mit diesen Gefahrstoffen vor allem eine Gefährdung durch Hautkontakt und Aufnahme über die Atemwege.

Für entsprechende Arbeitsplätze muss eine Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) durchgeführt werden. Dafür ist das Sicherheitsdatenblatt das wichtigste Hilfsmittel. Die BG ETEM bietet dazu mit der DGUV Information 213-718 „Empfehlungen Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger (EGU) nach der Gefahrstoffverordnung Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben“ eine empfehlenswerte Möglichkeit.

Häufig anzutreffende Reinigungs-Lösemittel sind z. B. Ethylacetat (Flammpunkt -4°C, UEG 73 g/m³, AGW 730 mg/m³, Zündtemperatur 470 °C) oder Ethanol (Flammpunkt 12 °C, UEG 59 g/m³, AGW 960 mg/m³, Zündtemperatur 400 °C). Produkte mit hoher Gesundheitsgefährdung (z. B. giftig, krebserzeugend, keimzellmutagen, reproduktionstoxisch) sind normalerweise nicht anzutreffen. Im Zweifel sollte dies anhand des Sicherheitsdatenblattes überprüft werden. Reinigungmittel mit einer solchen Kennzeichnung müssen sofort ersetzt werden.

Gefährdungen durch Lösemittel

Lösemittel können u. a. Schleimhautreizungen, Übelkeit und Schwindel hervorrufen, wenn Menschen sie in größeren Mengen

  • durch Verschlucken (selten)
  • Einatmen
  • über die Haut

aufnehmen. Gelangen Lösemittel über einen längeren Zeitraum bzw. über Jahre in den Körper, können das Nervensystem, die Leber und die Nieren chronisch geschädigt werden. Ebenso können Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Gedächtnisschwund eine Ursache im jahrelangen Umgang mit Lösemitteln haben.

Über Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) wird die maximal zulässige Konzentration in der Atemluft festgelegt. Bei längerem offenen Umgang mit leichtflüchtigen Lösemitteln wie Ethylacetat oder Ethanol werden die AGW ohne eine ausreichende Lüftung und Absaugung in der Regel überschritten. Deshalb besteht aus Sicht des Arbeitsschutzes hier Handlungsbedarf.

Reiniger mit niedrigen Flammpunkten

Zu den Gesundheitsgefahren kommt hinzu, dass Reinigungsmittel auch leicht entzündbare Lösemittel mit Flammpunkten unter 60 °C sein können. Somit sind Explosionsgefahren zu berücksichtigen, für die ebenfalls Schutzmaßnahmen erforderlich sind. An Reinigungsarbeitsplätzen kann bei unsachgemäßem Umgang und fehlender Absaugung

  • eine Zone 1 (explosionsfähige Atmosphäre gelegentlich bei normalem Betrieb vorhanden) bis
  • zur Zone 0 (explosionsfähige Atmosphäre ständig oder langzeitig oder häufig vorhanden) entstehen.

Um die Kriterien für Reinigungsmittel einfach und anschaulich auszudrücken, bietet sich der pragmatische Ansatz an: Geeignet sind Reinigungsmittel mit guter Wirksamkeit und möglichst keinen Gefahrklassen-Piktogrammen auf dem Etikett.

Besonderes Augenmerk muss auf Zubereitungen mit erhöhten Brand- und Explosionsgefahren liegen. Darum sollten nur Reiniger mit einem Flammpunkt größer 60 °C verwendet werden.

Reiniger mit hohem Flammpunkt

Noch besser sind Reiniger mit einem Flammpunkt über 100 °C. Bei diesen Reinigern – oft auf Wasserbasis und leider in der Regel auch teuer – ist ein anderes Rei-nigungsverhalten nötig. Das Motto „Viel hilft viel“ kann bei diesen Reinigern nicht mehr angewendet werden. Für die Anwender ist hier eine Umgewöhnungsphase erforderlich. Danach lassen sich jedoch durch den geringeren Verbrauch des Reinigers und der hohen Reinigungsqualität die erhöhten Kosten ausgleichen. Eine passende Gestaltung des Handwascharbeitsplatzes fördert Sauberkeit und Ordnung und unterstützt die Versicherten dabei, ihre Aufgaben gesundheitsgerecht umzusetzen.

Um die betroffenen Arbeitsplätze sicher unter dem AGW der verwendeten Lösemittel zu halten, sollte eine Absaugung des Gefahrstoffs an der Entstehungsstelle installiert sein. Eine Zuführung von ausreichend Frischluft muss gewährleistet sein. Da die untere Explosionsgrenze (UEG) der verwendeten Lösemittel in der Regel den zulässigen AGW um ein Vielfaches überschreitet, ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung nicht mit einer explosionsfähigen Atmosphäre zu rechnen.

Durch sichere Arbeitsmittel wie z. B. selbstschließende Sicherheitsflaschen und Entsorgungsbehältnisse werden die Mitarbeiter zu einer sicheren Arbeitsweise angeleitet. Eine vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Persönliche Schutzausrüstung (PSA) müssen die Beschäftigten auch verwenden. Hilfen bietet dazu das Portal Hand- und Hautschutz der BG ETEM (siehe „info“).

 Im Hintergrund ist ein junger Mann zu erkennen der ein Druckklischee in die Höhe hebt. Im Vordergrund liegen blaue Arbeitshandschuhe auf einer roten Dose (Lösungsmittel).
Bei der Reinigung eines Druckklischees sollten Beschäftigte auf die Eigenschaften des Reinigers achten und Schutzhandschuhe tragen.

Reinigungsanlagen

In den Unternehmen sind neben Handreinigungsarbeitsplätzen auch Reinigungsanlagen (explosionsgeschützt und nicht explosionsgeschützt) anzutreffen. Neben der bestimmungsgemäßen Verwendung der Reinigungsanlagen gilt: Es dürfen nur Waschmittel mit einem Flammpunkt über 60 °C genutzt werden. Besser wären auch hier Waschmittel mit einem Flammpunkt über 100 °C.

Explosionsgeschützte Waschanlagen (ATEX-Konform) müssen mit einer verriegelbaren Abdeckung ausgestattet sein. Zudem darf keine Möglichkeit bestehen, die Anlagen während des gesamten Reinigungsvorgangs zu öffnen. Auch hier lässt sich der Austritt von Lösemitteldämpfen beim Öffnen nach dem Waschvorgang durch eine Absaugung verhindern.

Besonders zu beachten sind Verfahren, die zur Aerosolbildung neigen (z. B. Sprüh- oder Bürstenverfahren). Dabei verliert das Flammpunktkriterium beim Versprühen von brennbaren Flüssigkeiten seine Bedeutung. Selbst brennbare Flüssigkeiten mit Flammpunkten größer 100 °C erzeugen unter solchen Bedingungen eine explosionsfähige Atmosphäre. In diesen Fällen besteht im Gasraum über der Flüssigkeit im Inneren der Waschmaschine während des Waschvorgangs immer eine explosionsfähige Atmosphäre (Zone 0). Für eine derartige Anlage muss eine Zündquellenanalyse des Herstellers oder des Betreibers vorliegen.

Nicht explosionsgeschützte Anlagen dürfen nicht mit aerosolbildenden Verfahren betrieben werden. In der Regel werden organische Reiniger mit mehr als 80 Prozent Wasseranteil eingesetzt. Dabei muss jedoch die Temperatur des Waschmittels immer 15 K unter dem Flammpunkt bleiben. Sollten Reiniger mit einem geringeren Wasseranteil eingesetzt werden, dürfen sich diese nicht zusätzlich erwärmen.

Waschanlage besser als Handreinigung

Der Einsatz von Waschanlagen und Waschmaschinen ist gegenüber der Hand- reinigung immer zu bevorzugen. Arbeitsschutz, Qualität und Produktivität sind mit einer Waschanlage weitaus besser gewährleistet als an einem Handwascharbeitsplatz. Einsparung von Reinigungsmitteln und Arbeitszeit sowie eine höhere Qualität der Reinigung und dadurch längere Nutzung der Klischees sprechen zusätzlich für die maschinelle Reinigung.

Michael Harler

Das Portal Hand- und Hautschutz der BG ETEM finden Sie im Internet unter http://hautschutz.bgetem.de

Ausgabe 3.2018

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