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Schwerpunktaktion Elektrohandwerk

Gemeinsam für mehr Sicherheit

 Dieses Foto zeigt einen Elektrier, der gerade mit einem Prüfgerät an einem Stromkasten Strom überprüft.

Elektriker, der mit einem Prüfgerät an einem Stromkasten Strom überprüft.

Freitagnachmittag: Nur noch vier Meter Kabelpritsche sind unter der Hallendecke anzubringen. Routine für Michael S., Elektroinstallateur mit vielen Jahren Berufspraxis. Mit dem Bohrhammer in der Hand die Leiter zügig auf- und wieder absteigen – normalerweise kein Problem. Das hat er heute schon mehrere Dutzend Mal gemacht. Ein Fahrgerüst aufstellen? Der Aufwand erscheint ihm für diese Arbeit doch etwas zu hoch.

Doch irgendein Geräusch irritiert ihn, der Fuß rutscht von der Sprosse, Michael S. verliert das Gleichgewicht und stürzt aus knapp zwei Metern Höhe auf den Hallenboden. Die Diagnose im Krankenhaus: ein Bänderriss und eine Kapselverletzung am rechten Sprunggelenk sowie diverse Prellungen.

Michael S. wird seinem Betrieb einige Wochen fehlen und das bei ohnehin dünner Personaldecke. Sein Chef muss den Kunden nun erklären, warum einige Arbeiten leider nicht termingerecht fertig sein werden.

Gezielter Arbeitsschutz

Seit zwei Jahren beraten die Präventionsfachleute der BG ETEM Betriebe im Rahmen einer gezielten Kampagne, damit solche und ähnliche Unfälle sowie arbeitsbedingte Erkrankungen verhindert werden können. Bei der Schwerpunktaktion geht es aber auch um die Organisation des Arbeitsschutzes in den Kleinbetrieben des Elektrohandwerks. Bei den Unfalluntersuchungen der BG ETEM zeigen sich immer wieder Defizite bei der Gefährdungsbeurteilung. Sie muss alle Arbeitsplätze und Tätigkeiten berücksichtigen, schriftlich oder elektronisch dokumentiert und aktuell gehalten werden. Es empfiehlt sich, mindestens einmal pro Jahr zu prüfen, ob die Gefährdungsbeurteilung noch auf dem neuestem Stand ist.

Arbeitshilfen für Betriebe

Die BG ETEM bietet auch für das Elektrohandwerk Arbeitshilfen zur Gefährdungsbeurteilung an. Für Bau- und Montagestellen mit besonderen Gefährdungen, die bei der allgemeinen betrieblichen Beurteilung nicht berücksichtigt werden konnten, gibt es die „Ergänzende Gefährdungsbeurteilung Bau-/Montagestelle“. Sie ist nicht nur als Abreißblock auf Papier, sondern auch als App für Smartphones und Tablet-Computer verfügbar. Mit ihr ist die Dokumentation besonders leicht zu erledigen, das Ergebnis wird sofort per Mail an den Betrieb gesendet.

Im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist festzustellen, ob die vom Betrieb getroffenen Maßnahmen zum Arbeitsschutz ausreichen oder ob und wenn ja, welche weiteren Maßnahmen zu treffen sind. In der Folge sind die Maßnahmen umzusetzen und zu prüfen, ob sie auch die erhoffte Wirkung erzielen. Besonders wichtig ist die regelmäßige Unterweisung der Beschäftigten.

Beschäftigte im Elektrohandwerk sind oft alleine oder in kleinen Gruppen auf den Bau- und Montagestellen tätig. Sie treffen dort auf häufig wechselnde Arbeitsbedingungen und Gefährdungen. Dies erfordert eigenständiges und verantwortungsbewusstes Handeln, gerade auch in Bezug auf Sicherheit und Gesundheit.

Um dies leisten zu können, müssen Beschäftigte vom Unternehmer sensibilisiert und informiert werden. Die Unterweisung muss in mündlicher Form abgehalten werden. Ergänzend können Beschäftigte durch elektronische Lernprogramme, z. B. die interAKTIV-Lernmodule der BG ETEM, oder durch Medien oder in Seminaren geschult werden. Diese Maßnahmen ersetzen aber nicht die persönliche Unterweisung im Betrieb.

Jeder ausgewählte Betrieb wurde bzw. wird zweimal persönlich vor Ort beraten, die Termine werden vorher mit der Unternehmerin bzw. dem Unternehmer abgestimmt. So soll gewährleistet werden, dass ausreichend Zeit zur Verfügung steht, um alle offenen Fragen zu klären. Zwischen den beiden Gesprächen soll der Betrieb die Punkte abarbeiten, die im Erstgespräch als Handlungsbedarf erkannt wurden. Sollten hierbei Fragen auftreten, kann die BG ETEM weiterhelfen.

Diese Grafik zeigt in Prozentzahlen die Wirksamkeit der Schwerpunktaktion an.

Fragen zur Wirksamkeit der Schwerpunktaktion

Ziele der Schwerpunktaktion

Mit der Schwerpunktaktion Elektrohandwerk verfolgt die BG ETEM folgende Ziele:

  • Die Kenntnis von Unfallschwerpunkten und Präventionsmaßnahmen in den Betrieben soll erweitert werden.
  • Die Einstellung zum Thema Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit soll verbessert werden.
  • Die Hilfen der BG ETEM zum betrieblichen  Arbeitsschutz sollen besser bekannt gemacht und verbreitet werden.
  • Der Außendienst der BG ETEM soll als kompetenter Berater der Betriebe akzeptiert werden.
  • Die Unfallhäufigkeit und die Unfallkosten sollen reduziert werden. Dies kann sich mittel- und langfristig auch auf die BG-Beiträge auswirken.

Um zu prüfen, ob diese Ziele auch tatsächlich erreicht werden, hat die BG ETEM in Zusammenarbeit mit einem externen Institut eine Untersuchung durchgeführt. Dabei wurden u. a. Unternehmer unmittelbar nach der Zweitberatung mit einem Fragebogen in anonymisierter Form befragt.

Positive Reaktionen

„Die Befragten haben sich sehr positiv über Organisation und Durchführung der Schwerpunktaktion geäußert“, freut sich Frank Göller, Leiter Aufsicht und Beratung bei der BG ETEM. „Das gilt insbesondere für die vorherige Terminabstimmung und die Auswahl der Beratungsthemen.“ Darüber hinaus brachte die Auswertung folgende Ergebnisse:

  • Die Befragten haben bestätigt, dass sie die Unfallschwerpunkte im Elektrohandwerk nun besser kennen und Neues zu den Themen Sicherheit und Gesundheit erfahren haben. Auch die Kenntnisse über die gesetzlichen Pflichten als Arbeitgeber konnten erweitert werden.
  • Die Einstellung im Betrieb gegenüber Sicherheit und Gesundheit hat sich verbessert, was sich auch durch sicherheitsbewussteres Verhalten zeigt. Die Unternehmer sprechen die Themen Sicherheit und Gesundheit häufiger an.
  • Die Arbeitshilfen der BG ETEM für den betrieblichen Arbeitsschutz sind in den beratenen Betrieben deutlich besser bekannt. Dazu beigetragen hat auch die USB-Karte, die den Unternehmern übergeben wurde und die viele Arbeitshilfen beinhaltet. Daneben wird aber auch die Internetseite der BG ETEM rege genutzt.
  • Die Qualität der Beratungen und die fachliche Kompetenz des Außendienstes der BG ETEM wurden als sehr kompetent wahrgenommen.

Die Befragten konnten auch Vorschläge äußern, wie die Berufsgenossenschaft die Sicherheitsarbeit in den Betrieben noch weiter unterstützen könnte. Die dabei genannten Punkte bezogen sich überwiegend auf eine häufigere Beratung durch den Außendienst, Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung sowie zur Unterweisung, Informationen zu aktuellen Themen des Arbeitsschutzes (auch für Auftraggeber, Planer und Architekten) und Seminare für Unternehmer und Beschäftigte. Die BG ETEM wird diese Anregungen im Detail auswerten und ihr Angebot entsprechend überprüfen.

Dr. Ralph Hettrich 

www.bgetem.de, Webcode 13542847 App „Ergänzende Gefährdungsbeurteilung“

www.bgetem.de, Webcode 13872948 Photovoltaikanlagen, Solaranlagen: Ergänzende Gefährdungsbeurteilung

www.bgetem.de, Webcode 12203300 interAKTIV-Lernmodule

Broschüre: Tipps für Beschäftigte: „Gesundheit im Elektrohandwerk – Sie haben es in der Hand!“ (Bestellnummer T 034)

Hintergrund

Wichtige Themen der Schwerpunktaktion:

  • Gefährdungsbeurteilung
  • Umsetzung der DGUV Vorschrift 2 (Unternehmermodell oder Regelbetreuung)
  • Verantwortung im Arbeitsschutz
  • Unterweisung der Beschäftigten
  • Organisation der Ersten Hilfe
  • typische Unfall- und Gesundheitsgefahren im Elektrohandwerk, wie elektrische Gefährdung, Absturz, Lärm, Vibrationen, Staub
  • Unfallgeschehen im jeweiligen Betrieb

Ausgabe 3.2018

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