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Schnellwechseleinrichtungen

Sicher gewechselt?

Das Foto zeigt eine Erdbaumaschine, die unter einem Hallendach auf einem Sandboden steht. Davor ist ein Arbeiter mit orangefarbener Arbeitskleidung und gelben Schutzhelm beim Arbeiten mit einer Schaufel zu sehen. Im Hintergrund ist ein Gebäude zu erkennen.

Herabfallende Anbaugeräte können ohne zusätzlichen Sicherungs- oder Prüfmechanismus zur tödlichen Gefahr werden. (Bild: Fotomontage)

Mit Schnellwechseleinrichtungen (SWE) kann beispielsweise ein Baggerfahrer in wenigen Augenblicken vom Tieflöffel zum Rohrgreifer und dann zum Anbauverdichter wechseln, ohne seinen Bedienstand zu verlassen. Dazu führt er den Ausleger des Baggers an die Aufnahmewelle des Anbauwerkzeugs und verriegelt sie per Knopfdruck über die Hydraulikanlage des Baggers. Einfach, bequem, aber leider nicht immer sicher und in einigen Fällen tödlich.

Fehlerhafte Verriegelung

Zwischen 2010 und 2016 verzeichnete die BG BAU 45 Unfälle, davon 83 Prozent mit schweren Verletzungen, die auf eine fehlerhafte Verriegelung der SWE zurückzuführen waren. Fünf dieser Unfälle endeten für die Betroffenen tödlich. 2017 wurden bereits zwei Beschäftigte von herabfallenden Anbaugeräten getötet und vier schwer verletzt. Unfälle ereigneten sich ausschließlich mit „einfachen“ Systemen, die ohne zusätzlichen Sicherungs- oder Prüfmechanismus arbeiten. Durch Bedienfehler fixiert die SWE das Anbaugerät, etwa einen mehrere Hundert Kilogramm schweren Baggerlöffel oder Abbruchhammer, nicht. Der Baumaschinist erhält entweder keine oder eine falsche Rückmeldung darüber, ob Anbaugerät und Ausleger vollständig miteinander verriegelt sind. Vom Bedienstand kann er es mit bloßem Auge nicht prüfen.

Das sind die drei häufigsten Fehlerquellen

1. Verriegelung erfolgt nicht

 Dieses Foto zeigt, dass die Schnellwechseleinrichtung nicht verriegelt ist.

SWE nicht verriegelt

Hat der Maschinenführer Ausleger und Anbaugerät zusammengeführt, muss er den Verriegelungsmechanismus per Knopfdruck auslösen. Das wird vergessen, z. B. wenn der Arbeitsgang unterbrochen wird. Setzt er nun die Arbeit fort, liegt das Anbaugerät ungesichert in der Aufnahme und fällt bei nächster Gelegenheit heraus.

2. Verriegelungsbolzen greifen über

 Das Foto zeigt, dass die Verriegelungsbolzen an der Erdbaumaschine übergreifen.

Verriegelungsbolzen greifen über

Der Maschinenführer startet die Verriegelung, doch die Bolzen schließen nicht exakt in den Aufnahmeklauen, sondern darüber. Davon ahnt er nichts. Weder der anhaltende Warnton, der ertönt, während die Bolzen ausfahren, noch der ausgefahrene Prüfstift geben ihm einen Hinweis, ob die Bolzen richtig sitzen.

3. Verriegelungsbolzen blockieren Aufnahmeklauen

 Diese Abbildung zeigt, dass die Verriegelungsbolzen die Aufnahmeklauen blockieren.

Verriegelungsbolzen blockieren Aufnahmeklauen

Besonders tückisch: Die Bolzen fahren aus, setzen aber dort auf den Verschluss der Aufnahme auf. Die unvollständige Verriegelung muss nicht sofort auffallen. Denn die Bolzen drücken gegen die Aufnahme und dadurch kommt eine Klemmverbindung zustande, die zunächst durch Reibungskräfte hält. Wird die Belastung am Anbaugerät zu groß, fällt es herunter.

Diese Fehler passieren mit Systemen aller Hersteller. Wenn die Verriegelung korrekt erfolgt und geprüft ist, sind alle Systeme in der Regel sicher.

Das Foto zeigt, dass die Verriegelungsbolzen korrekt ausgefahren sind.

Verriegelungsbolzen korrekt ausgefahren

Was ist zu tun?

Unternehmer achten beim Kauf auf SWE, die eine vollständige Verriegelung überwachen oder eine zusätzliche Verriegelung an der unteren Aufnahme besitzen. Die einfachen Systeme ohne zusätzliche Sicherheitseinrichtungen bergen ein hohes Unfallrisiko. Sind sie weiter im Einsatz, ist die Gefährdungsbeurteilung anzupassen und die Beschäftigten sind in wirksamen Schutzmaßnahmen zu unterweisen. Die Maschinenführer müssen beim schnellen Wechsel des Anbaugeräts ihren Bedienstand verlassen, wenn sich Ausleger mit Anbau in der Ruhelage befinden, und sich visuell überzeugen, dass die Verriegelung vollständig greift. Ein Belastungstest am Boden, ohne dass dabei jemand gefährdet werden kann, bringt zusätzliche Sicherheit. Unabhängig davon, mit welcher SWE eine Erdbaumaschine ausgerüstet ist, gilt, dass sich im Regelfall niemand im Gefahrenbereich um diese Maschine bei der Arbeit aufhalten darf.

Volker Münch, Stephan Imhof

 

Der vorliegende Beitrag erschien erstmals in der „BG BAU aktuell“.

Ausgabe 2.2019

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