Scheinbar einfach sauber

Filtertürme und Luftreiniger werden immer beliebter – vor allem in Arbeitsbereichen, in denen Schweißrauche oder Stäube nicht ohne Weiteres an der Entstehungsquelle abgesaugt werden können. Den meisten Betreibern ist allerdings nicht klar, dass der Einsatz solcher Geräte laut Gefahrstoffverordnung allein nicht ausreicht.
Filtertürme und Luftreiniger

Diese Illustration zeigt zwei Filtertürme und einen Luftreiniger während sie Stäube und Rauche aufsaugen.

Filtertürme saugen Stäube und Rauche oft nur aus der Umgebung auf und blasen die gereinigte Luft wieder aus. Gut gemeint ist hier nicht gut gemacht.
 

Die Begriffe „Luftreiniger“ und „Filtertürme“ sind nicht einheitlich definiert und werden daher in der Praxis für verschiedene lüftungstechnische Einrichtungen verwendet. In diesem Beitrag sind damit Filtergeräte gemeint, die Luft ansaugen, durch Filter reinigen und wieder in den Raum abgeben.

Einige Geräte können zertifiziert sein und hohe Abscheidegrade aufweisen, wie z. B. die Schweißrauchabscheideklasse W3 oder die Staubklasse H. Zudem können diese Einrichtungen zusätzlich über thermodynamische Behandlungsfunktionen, wie z. B. Kühlen, verfügen. Die in diesem Beitrag thematisierten Filtertürme und Luftreiniger verfügen weder über einen Anschluss für das Ansaugen von Außenluft noch über Erfassungseinrichtungen (z. B. Düsenplatte, Trichter o. Ä.).

Rechtliche Probleme

In den letzten drei Jahren wurden für eine Reihe von Stoffen, insbesondere für Metalle und deren Verbindungen, Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) oder Beurteilungsmaßstäbe erheblich abgesenkt oder neu abgeleitet. Die Folge davon ist, dass bei vielen Schweiß- oder Schleiftätigkeiten Grenzwerte für Metalle bzw. Schweißrauche überschritten werden und deshalb die Schutzmaßnahmen dringend optimiert werden müssen. Ein Betrieb steht dann häufig vor folgenden Problemen:

  • In der Praxis werden bei der Bearbeitung größerer Bauteile Metalle und Schweißrauche häufig nicht in unmittelbarer Nähe der Entstehungsstelle erfasst.
  • Die Planung und Umsetzung einer raumlufttechnischen Anlage ist mit hohen Kosten verbunden und erfordert das Anlegen von komplexen Rohrleitungssystemen.

Die Anschaffung eines Filterturms oder eines Luftreinigers ist hier scheinbar die einfachste Lösung. Den Betreibern ist aber in der Regel nicht bewusst, dass der Einsatz solcher Geräte als alleinige lufttechnische Maßnahme einen Verstoß gegen die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) darstellt. Denn diese Geräte verfügen über keine Erfassungseinrichtungen und erfüllen damit nicht die Forderung nach GefStoffV §7 und Anhang I Nummer 2.3.

Wenn Gefahrstoffe nicht an der Entstehungsstelle erfasst werden, ist durch den alleinigen Einsatz von Filtertürmen und Luftreinigern eine Verschleppung in unbelastete Bereiche möglich. Die Exposition von Beschäftigten unmittelbar bei der Tätigkeit in benachbarten Bereichen kann so nicht vermieden werden. Die Gefährdungsbeurteilung wird dann in der Regel zum Befund „Schutzmaßnahmen nicht ausreichend“ kommen. Denn die nach GefStoffV geforderte möglichst vollständige Erfassung an der Entstehungsstelle als hier wirksamste Schutzmaßnahme wird durch Einsatz von Filtertürmen oder Luftreinigern nicht umgesetzt.

Hinweise für die Praxis

Die GefStoffV, die TRGS 528 „Schweiß-technische Arbeiten“ und die DGUV-Regel 109-002 „Arbeitsplatzlüftung – Lufttechnische Maßnahmen“ (siehe „info“) geben eine Rangfolge der lufttechnischen Maßnahmen vor. Lässt sich die Freisetzung von Gefahrstoffen nicht vermeiden, müssen diese möglichst vollständig an der Entstehungsstelle erfasst und abgesaugt werden. Reicht dies nicht aus, sollten z. B. zusätzliche Lüftungsmaßnahmen umgesetzt werden. Ziel solcher zusätzlichen Lüftungsmaßnahmen ist, dass die Luft mit den nicht erfassten Gefahrstoffen aus dem Atembereich des Beschäftigten weggeführt oder die Stoffkonzentration durch Verdünnung verringert wird.

Beim alleinigen Einsatz von Filtertürmen bleibt der Atembereich der Beschäftigten aufgrund der fehlenden Gefahrstofferfassung an der Entstehungsstelle weiterhin belastet. Erste personengetragene Gefahrstoffmessungen in solchen Bereichen zeigen, dass die Exposition der Beschäftigten nicht abnimmt, obwohl sich die sichtbare Schweißrauchbelastung im Deckenbereich verringert. In einem untersuchten Fall konnten sogar deutlich erhöhte Expositionsbelastungen festgestellt werden. Denn der Filterturm wurde, da technisch nicht anders möglich, ausschließlich im Umluftbetrieb gefahren. Ungünstig wirkte sich zusätzlich aus, dass während der gesamten Betriebsdauer Fenster und Türen geschlossen blieben. Eine Verbesserung der Expositionssituation konnte hier folglich nicht erreicht werden.

Einige Hersteller von Filtertürmen werben mit der Aussage, dass ihr Produkt nach dem von den Berufsgenossenschaften (BGen) empfohlenen Prinzip der Schichtenlüftung funktioniert. Tatsächlich empfehlen die BGen dieses Luftführungsprinzip, wie es in den VDI-Richtlinien 2262 Blatt 3 oder 3802 Blatt 1 beschrieben wird. Bei dieser Luftführung wird die Zuluft dem Arbeitsbereich impulsarm in Bodennähe zugeführt, die durch die Thermik aufsteigende Luft ersetzt und die Abluft im Deckenbereich bzw. auf Höhe der auf-gestiegenen Emissionen abgeführt.

Primäre Schutzmaßnahme muss allerdings das Erfassen an der Entstehungsstelle bleiben. Auch zertifizierte Geräte, z. B. Schweißrauchabscheider der Schweißrauchklasse W3 oder Entstauber der Staubklasse H, garantieren zunächst lediglich eine sehr gute Abscheidung. Eine wirksame Schutzmaßnahme, hier die Absaugung und das Filtern, setzt jedoch zu-erst eine möglichst vollständige Erfassung voraus. Denn Stäube oder Rauche, die nicht erfasst werden, können auch nicht abgeschieden (bzw. gefiltert) werden. Die Wirksamkeit der Schutzmaßnahme „Absaugung“ wird damit im Wesentlichen durch den Erfassungsgrad bestimmt.

Empfehlungen

Eine Erfassung von Gefahrstoffen an der Entstehungsstelle – wie in der GefStoffV und im Regelwerk gefordert – wird jedoch durch den Einsatz eines Filterturms oder Luftreinigers nicht erfüllt. Welche Lösung ist dann aber sinnvoll?

  1. Brennerintegrierte Absaugungen genießen oft keinen guten Ruf. Sie seien oft zu schwer und sperrig in der Handhabung und das Schutzgas würde mit abgesaugt werden, so die Argumentation vieler Anwender. Einige Hersteller von Brennern für das MAG-Schweißen haben diese Probleme nun beseitigen können. Wir empfehlen daher, sich z. B. auf Messen wie der „Schweißen und Schneiden“ oder in der Fachliteratur zu informieren und vor dem Einsatz mehrere Brennermodelle mit integrierten Absaugungen zu testen.
  2. Ferner kann eine Kombination verschiedener Erfassungselemente sinnvoll sein (z. B. Düsenplatte und Haube).

Wurde eine Erfassung an der Entstehungsstelle umgesetzt und ist nicht aus-reichend, kann entweder eine raumlufttechnische Anlage oder auch ein Filterturm bzw. Luftreiniger als lufttechnische Maßnahme eingesetzt werden. Nicht vergessen werden darf jedoch, dass an Arbeitsplätzen auch eine Versorgung mit Frischluft von außen gewährleistet sein muss (Arbeitsstättenverordnung, Anhang Anforderungen und Maßnahmen für Arbeitsstätten nach §3 Absatz 1, Nummer 3.6 „Lüftung“ und Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR) A3.6).

Dr. Susanne Causemann

Die DGUV-Regel 109-002 „Arbeitsplatzlüftung – Lufttechnische Maßnahmen“ kann heruntergeladen werden unter: publikationen.dguv.de , Suche „109-002“

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