Mut zum Hut

Viele Untersuchungen zeigen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Sonneneinstrahlung und dem Auftreten von weißem Hautkrebs. Besonders gefährdet sind Kopf und Gesicht. Wir sagen, wie man sich am besten schützt.
Hautkrebs-Gefährdung durch Sonneneinstrahlung

Das Foto zeigt einen jungen Mann mit schwarzem Hut und schwarzer Jacke. Er lächelt in Richtung des Betrachters.

Die Wirkung der Sonnenstrahlung – Experten sprechen von solarer UV-Exposition – ist von verschiedenen Faktoren abhängig: der Tages- und Jahreszeit, der Bewölkung, der Meereshöhe, der Reflektion der Umgebung, aber auch vom Bestrahlungswinkel. Wo die Sonnenstrahlung auf ungeschützte Haut trifft, kann sie zur vorzeitigen Hautalterung beitragen und die Bildung von Hautkrebs auslösen. Die Häufigkeit von sogenanntem weißen Hautkrebs (u. a. Plattenepithelkarzinom, Basaliom) nimmt gegenwärtig zu. Häufig tritt die Erkrankung auch trotz einer zu-nächst erfolgreichen medizinischen Behandlung erneut auf und kann chronisch werden.

Bestrahlungsstärke und Sonnenbrandrisiko sind am höchsten für Hautpartien, die horizontal zur Bestrahlungsrichtung ausgerichtet sind. Ein modischer Kurzhaarschnitt, schütteres Haar oder eine Glatze erhöhen dabei die Strahlendosis für die Kopfhaut zusätzlich. Besonders betroffen sind die sogenannten Sonnenterrassen des Kopfes, hierzu gehören auch Nase, Ohren und die Unterlippe.

Laut einer italienischen Studie traten die Erkrankungen bei 42 Prozent der Patienten im Gesichtsbereich auf – bei 21,4 Prozent im übrigen Kopfbereich. Arme, Schultern und Beine waren dagegen seltener betroffen. Das mittlere Alter bei Patienten mit weißem Hautkrebs lag im Schnitt bei 66 Jahren; wenn sie mehr als zwei Stunden täglich im Freien arbeiteten, verringerte sich das durchschnittliche Erkrankungsalter auf 52,6 Jahre. Das Erkrankungsrisiko stieg zudem mit der Anzahl der erlittenen Sonnenbrände an.

Besonders gefährdet: Die Sonnenterrassen des Körpers:

Das Bild zeigt einen Mann mit schütteren Haaren von oben.

So sieht uns die Sonne. Besonders hoch ist die Bestrahlungsstärke auf den Sonnenterrassen.

Das Bild zeigt eine Aktinische Keratose - beginnt als unauffällige Hautveränderung.

Aktinische Keratosen beginnen als unauffällige Hautveränderungen, können aber zu einem Plattenepithelkarzinom werden.

Dieses Foto zeigt stark vergrößert ein Plattenepithelkarzinom am Ohr.

Stark vergrößertes Plattenepithelkarzinom.

Sonnenschutz in der Praxis

Um Hautkrebs vorzubeugen, ist ein konsequenter Schutz vor UV-Exposition notwendig. Durch Befragungen und Begehungen an Arbeitsplätzen im Freien hat die BG ETEM die aktuelle Umsetzung von Präventionsmaßnahmen ermittelt. Während der Oberkörper häufig vor der Sonne geschützt wird, ist das beim Kopf nicht immer der Fall. Besonders die älteren Beschäftigten sind häufiger ohne Kopfbedeckung unterwegs. Nackenschutztücher oder Blendringe werden derzeit noch kaum eingesetzt.

Auf Baustellen oder bei Montage- und Instandhaltungsarbeiten, wo jüngere und ältere Beschäftigte zusammenarbeiten, führen tendenziell die Jüngeren die helmpflichtigen Arbeiten aus. Die Erfahrenen koordinieren im Bodenbereich und können daher teilweise auf einen Schutzhelm verzichten – gleichen dies aber nicht durch eine andere Kopfbedeckung aus. Bei einer Umfrage unter Sicherheitsfachkräften im Jahr 2017, welche Sonnenschutzmaßnahmen von ihnen als „am wichtigsten“ eingeschätzt wurden, nannten die Befragten die Kopfbedeckung seltener als den Einsatz von UV-Schutzcreme. Beide Ergebnisse sind alarmierend.

Wahrnehmen des Risikos

Häufig wird die Gefährdung durch UV-Strahlung nicht wahrgenommen oder verharmlost. Untersuchungen zur Risikowahrnehmung bei Sonnenstrahlung zeigen eine Einschätzung, die auch der Wahrnehmung anderer „Alltagsrisiken“ entspricht: „Mich betrifft das voraussichtlich nicht!“ Die Mehrheit der Arbeitnehmer, die im Freien tätig sind, hält sich selbst für weniger gefährdet als altersgleiche andere Personen. Das ist eine Fehleinschätzung: Alle Arbeitnehmer im Freien haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Hautkrebs zu erkranken.

Haarausfall vorbeugen

Auch der Kopf braucht Hautpflege. Dabei ist eine Glatze so zu versorgen wie die Gesichtshaut. Anders als beim Gesicht gibt es für den Schutz vor Sonnenstrahlung aber eine sichere Lösung: eine Kopfbedeckung. Sie schützt nicht nur vor einer späteren Krebserkrankung, sondern auch vor einer vorzeitigen Hautalterung. Durch UV-Strahlung ausgelöst, betrifft sie auch die Kopfhaut. Diese vor Sonnenstrahlung zu schützen, beugt auch dem vorzeitigen Haarausfall vor.

 

Das Foto zeigt einen jungen Mann der eine Basecap mit Nackenschutz trägt.

Vom Scheitel bis zum Nacken geschützt – dank Cap mit Schirm und Nackenschutz aus funktionellem Gewebe.

Tipps: Welche Kopfbedeckung ist ideal?

  • Kopfbedeckungen mit einem hohen UV-Schutzfaktor und Krempe wählen. Empfehlung: siehe BAuA Forschungsbericht F 2036.
  • Hut mit Hutband/Kinnriemen gegen Verrutschen und Verlust wählen.
  • Optimal für die Kopfbedeckung ist funktionelles Kühlgewebe oder luftdurchlässiges Design – bei gutem Lichtschutzfaktor.
  • Schweiß sollte beim Arbeiten nicht ins Gesicht laufen: bei Cap und Helm auf ein Schweißband achten.
  • Für Arbeiten im Verkehrsbereich eine Warnfarbe oder Reflexstreifen für die Kopfbedeckung und/oder den Nackenschutz wählen, um die Sichtbarkeit zu erhöhen.
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Helm, Mütze oder Hut tut bei Sonne allen gut

Bei vielen Tätigkeiten ist das Tragen eines Industrieschutzhelms (nach DIN EN 397) Pflicht. Oft schützt er aber Gesicht, Ohren, Hals und Nacken nicht ausreichend. Hier kann ein Nackentuch Abhilfe schaffen.

Die BG ETEM empfiehlt:

  • Bei Tätigkeiten im Freien sollte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern neben dem Industrieschutzhelm eine Mütze zur Verfügung stellen.
  • Auch Personen, die nur kurzzeitig im Freien Aufsichtstätigkeiten ausführen, sollten sich durch eine Kopfbedeckung schützen.
  • Caps und Industrieschutzhelme sollten so weit wie möglich mit Nackentuch eingesetzt werden.
  • Der mögliche Einsatz von Industrieschutzhelmen mit einem Blendring oder mit umlaufendem Schutzrand sollte geprüft werden.
  • Bei helmpflichtigen Arbeiten im Freien sollte der Schutzhelm durchgängig getragen werden – auch dann, wenn sich diese Arbeiten mit Tätigkeiten ohne Helmpflicht abwechseln und ein Wechsel auf eine Mütze zu umständlich ist.

Modisch soll sie sein, die optimale Kopfbedeckung, nicht zu warm darf es werden. Es muss nicht immer das klassische Basecap sein – auch Hüte mit Krempe können eingesetzt werden, wenn keine arbeitstechnischen Gründe dagegen sprechen. Eine wirksame Möglichkeit, Akzeptanz zu erreichen, haben Teamleiter und Fachkräfte, indem sie durch gutes Beispiel vorangehen. Denn den „Chefhut“ hätten die meisten gerne einmal auf.

Gabriele Franke

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