5 Schritte hätten genügt

Ein Unfall mit glimpflichem Ausgang zeigt erneut: Präventive Maßnahmen sind der beste und zugleich günstigste Weg für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz.
Unfall mit Handwagen

Die Grafik zeigt in der Mitte des Bildes eine junge Frau in schwarzem Trägershirt und blauer Jeanshose. Sie hat ein Bein angewinkelt und kippt nach hinten. In der Hand hält sie den abgebrochenen roten Griff eines Handwagens, auf dem ein zylindrischer Behälter steht. Im Hintergrund stehen Holzpaletten mit großen braunen Kisten.

Ein ungesicherter Griff kann zu schweren Unfällen führen.

Ein Unfall, wie er sich täglich ereignen kann und kaum vorhersehbar ist: Claudia Schwan (Name von der Redaktion geändert), die bei einem Mitgliedsbetrieb der BG ETEM versichert ist, will einen Handwagen rückwärts aus seinem Bereitstellungsplatz ziehen. Der für eine Tragfähigkeit von 250 Kilogramm ausgelegte Wagen ist mit einem etwa 100 Kilogramschweren Fass beladen. Plötzlich rutscht für die Mitarbeiterin völlig unerwartet der Kunststoffgriff des Handwagens vom Stahlrohr ab (großes Bild). Die schmerzhafte Folge: Claudia Schwan verliert ihr Gleichgewicht, stürzt nach hinten auf Kopf und Rücken und zieht sich dabei erhebliche Prellungen zu.

Nicht nur sie ist von der Unfallursache überrascht – auch die Verantwortlichen bei ihrem Arbeitgeber haben einen solchen Vorfall noch nicht erlebt. Systematisch prüft die Fachkraft für Arbeitssicherheit daraufhin sinnvolle Schutzmaßnahmen nach der Maßnahmenhierarchie des Arbeitsschutzgesetzes (S-T-O-P-P):

  • Substitution (Gefährliches durch Gefahrloses ersetzen),
  • Technische,
  • Organisatorische und
  • Persönliche Schutzmaßnahmen sowie
  • Professionelles Verhalten.

Die 5-Schritte-Hierarchie veranschaulicht einfach die allgemeinen Grundsätze des Arbeitsschutzgesetzes (§ 4 ArbSchG) und der Abschnitte 3 und 4 der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Häufig werden auch nur die Abkürzungen „T-O-P“ oder „S-T-O-P“ verwendet. Das zweite „P“ soll zusätzlich die hohe Bedeutung des richtigen Verhaltens der Mitarbeitenden unterstreichen. Grundlagen sind hier §§ 15 und 16 des ArbSchG, konkretisiert in der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 1 und der DGUV Regel 100-001.

Mit diesen Maßnahmen trug der Arbeitgeber von Claudia Schwan dem STOPP-Prinzip Rechnung:

  1. Substitution: Prozesse wurden geändert und Transportwege dadurch vermieden.
  2. Technische Schutzmaßnahmen: Alle Wagen und Sackkarren des Mitgliedsbetriebes wurden überprüft und deren Kunststoffgriffe festgenietet.
  3. Organisatorische Schutzmaßnahmen: Der Vorgang wurde an alle Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Schwesterunternehmen kommuniziert – mit der Aufforderung, die Schutzmaßnahmen umzusetzen.
  4. Persönliche Schutzmaßnahmen: Die Mitarbeitenden tragen jetzt im gesamten Bereich Sicherheitsschuhe.
  5. Professionelles Verhalten: Im Rahmen einer internen Kampagne zum verhaltensbasierten Arbeitsschutz wird das sichere, professionelle Verhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim innerbetrieblichen Transport jetzt regelmäßig thematisiert. Der aktuelle Unfall wurde zum Anlass genommen, das Thema erneut aufzugreifen. Dabei entwickelten die Beschäftigten und das Unternehmen gemeinsam Ideen, wie sich die Beschäftigten intuitiv sicher verhalten und einander dabei unterstützen können. Dazu gehört auch, auf Missstände an Arbeitsmitteln hinzuweisen – selbst wenn kein Unfall passiert ist.

Auch wenn bei diesem Unfall die Ursache hauptsächlich technischer Natur war: Das Verhalten der Beschäftigten kann fast immer dazu beitragen, mögliche Unfallursachen wie etwa Schäden an Arbeitsmitteln frühzeitig zu entdecken. Aus Studien ist bekannt, dass Fehler im menschlichen Verhalten signifikant zum Unfallgeschehen beitragen. Deswegen werden auch die Punkte 4 und 5 der Maßnahmenhierarchie in der Präventionsarbeit zunehmend bedeutsam.

Detailbild mit dem festvernieteten roten Kunststoffgriff eines Handwagens.

Die Kunststoffgriffe an allen Wagen und Sackkarren wurden nach dem Unfall festgenietet.

Die BG ETEM bietet auch hierzu Hilfsmittel an – z. B. eine Broschüre zum „Nudging“ (deutsch: Anstupsen – siehe „info“). Sie bietet Interessierten eine systematische und schrittweise Unterstützung, das Verhalten der Mitarbeitenden zu analysieren und auf intuitive Weise zu optimieren.

→ info

Broschüre „Nudging: kreative Ideen für sicheres und gesundes Verhalten“: www.bgetem.de, Webcode 20279328

Hinweise

  • Auch wenn die in diesem Beispiel genannten handbetriebenen Wagen keine Antriebsmotoren besitzen, können sie aufgrund von regelmäßigem Einsatz und Alterung verschleißen. Deshalb müssen alle Arbeitsmittel, die Einflüssen mit möglicher Schadensfolge ausgesetzt sind und gefährliche Situationen verursachen können, regelmäßig durch hierzu befähigte Personen überprüft werden.
  • Die gesetzlich (ArbSchG § 5) geforderte Gefährdungsbeurteilung bietet die beste Möglichkeit, diese Prozesse, insbesondere getroffene Schutzmaßnahmen, rechtssicher zu dokumentieren.
Infobox
mensch & arbeit
Weitere Textblöcke
Magazinkarte
b58527a4810648cd917cd7cecbf8413f
Kein Bild
Bereich Themen
document
8
6
12
nein
Bildergalerie
über Textblock 1 (oben)
Videos
Kategorisierung
Diesen Beitrag teilen
Diesen Beitrag teilen

etem - Das Magazin Ihrer Berufsgenossenschaft

  • Herausgeber:
  • Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)
  • Gustav-Heinemann-Ufer 130
  • 50968 Köln

  • Für den Inhalt verantwortlich:
  • Johannes Tichi, Vorsitzender der Geschäftsführung
  • Redaktion:
  • Christoph Nocker (BG ETEM)
  • Stefan Thissen (wdv Gesellschaft für Medien & Kommunikation mbH & Co. OHG, Siemensstraße 6, 61352 Bad Homburg)
  • Holger Blatterspiel (wdv, Bildredaktion)

  • Telefon: 0221 3778-1010
  • E-Mail: etem@bgetem.de