Ein besonderer Beruf

300 Tierpräparatoren waren im Jahr 2018 bei der BG ETEM gegen Unfälle und Berufskrankheiten versichert. Der Job ist äußerst abwechslungsreich – doch er birgt Gefahren.
Tierpräparator

Diese Abbildung zeigt eine Frau von der Seite, wie sie gerade eine Schlange mit einem speziellem Werkzeug präpariert.

Tierpräparatorinnen und -präparatoren brauchen handwerkliches Geschick und gute naturwissenschaftliche Kenntnisse.

Tierpräparatoren brauchen handwerkliches und künstlerisches Geschick. Außerdem müssen sie fit sein, denn die Bearbeitung großer Tierpräparate ist körperlich anstrengend. Gute Kenntnisse in den Bereichen Biologie, Chemie, Tier- und Pflanzenkunde, Metall-, Holz- und Kunststoffbearbeitung sowie Abformtechniken sind wichtig, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Tierpräparatoren sind angestellt in Museen und Forschungsinstituten oder stellen als Selbstständige Präparate für Jäger, Schulen oder Privatpersonen her. Das Handwerk ist unterteilt in die Berufsgruppen biologische, medizinische und technische Präparatoren. Allgemein bekannt sind die Präparate der Biologie, bei deren Herstellung verstorbene Tiere durch eine lange und aufwendige Bearbeitung dem natürlichen Verwesungsprozess entzogen und so für einen langen Zeitraum erhalten werden. Sowohl die Modelle als auch die verschiedenen Arbeitsschritte sind dabei sehr abwechslungsreich.

Diese Abbildung zeigt eine Demoplastik von einem Perückenbock.

Dermoplastiken wie die eines Perückenbockes sollen so lebensecht wie möglich wirken.

Der Tierpräparator fertigt sogenannte Dermoplastiken (griechisch „derma“ = Haut, „plastein“ = bilden) an. Dafür wird zunächst das meist im gefrorenen Zustand angelieferte Tier aufgetaut. Daten wie Abmessungen und Augenfarbe werden erfasst und dokumentiert.

Anschließend wird die Haut auf der Tierunterseite eröffnet und der Balg (Haut mit Haaren oder Federn) abgezogen. Die Tierhaut muss frei von Fett- und Muskelanteilen sein, bevor sie mittels Gerbung oder Fixierung konserviert wird. Das Skelett wird freigelegt, anschließend ausgerichtet und dient als Grundlage für die Rekonstruktion der Körperform. Der Tierkörper wird mit Gips oder anderem Material modelliert, aus einem Kunststoffblock (zum Beispiel Polyurethan) herausgearbeitet oder mit Draht nachgeformt.

Oft wird der Grundkörper mittels Negativform nochmals aus einem leichteren Material abgegossen. Das Präparat kann entweder mit einem künstlichen Schädel oder mit dem präparierten Originalschädel ausgestattet werden. Der konservierte Balg wird auf den fertigen Kunstkörper aufgezogen und die Gliedmaßen beziehungsweise Federn werden mit Draht fixiert. Natürlich aussehende Augen aus Glas oder Kunststoff werden mit Ton oder Plastilin im Schädel befestigt. Zum Schluss wird der Balg vernäht.

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Hygiene besonders wichtig

Im Beruf des Tierpräparators ist die Einhaltung der weitreichenden Hygieneanforderungen von besonderer Bedeutung. Geregelt sind sie in der Verordnung Nr. 1069/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 mit Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte (siehe „Info“).

Diese Abbildung zeigt einen Ausschnitt von verschiedenen präparierten Käferarten.

Die Arbeiten von Tierpräparatoren sind zum Beispiel in Naturkundemuseen ausgestellt.

Auch der sensible Umgang mit Gefahrstoffen ist wesentlich. Bis Ende des 20. Jahrhunderts wurden bei der Tierpräparation viele verschiedene Insektizide zur Konservierung der Tierpräparate verwendet. Häufig wurden Arsen (-Verbindungen, Arsenik), Cyanid (Kaliumcyanid), Schwefelkohlenstoff, Naphthalin, Quecksilber und -chlorid sowie Formaldehyd zur Konservierung genutzt. Oft wurden sehr hohe Konzentrationen dieser Gifte auf die Tierpräparate aufgetragen.

Die zu dieser Zeit genutzten Stoffe stellten gravierende gesundheitliche Gefahren für diejenigen dar, die mit ihnen in Kontakt kamen. Dies wurde jedoch erst Jahrzehnte später entdeckt. Auch wenn diese Chemikalien heute nicht mehr benutzt werden, stellen sie doch nach wie vor eine Gefahr für die Präparatoren dar, weil sie im Zuge von Restaurationen in Kontakt mit alten Präparaten kommen, die chemisch kontaminiert sind. Deshalb sollten alte Präparate nur unter einem Abzug und mit entsprechender Schutzkleidung bearbeitet werden.

 

Kathrin Kraft

→ info

Die Verordnung Nr. 1069/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Oktober 2009 mit Hygienevorschriften für nicht für den menschlichen Verzehr bestimmte tierische Nebenprodukte finden Sie unter https://op.europa.eu/de, Suche „1069/2009“.

Sie ersetzt die ursprüngliche Verordnung 1774/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 3. Oktober 2002, die unter Suche „1774/2002“ eingesehen werden kann.

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