etem - Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung
Handschutz

Null Ausreden, null Unfälle

Zwei Männer schauen sich den Kalender "Zero Excuses" - keine Ausreden" zu sicherheitsbewusstem Verhalten an.

„Zero Excuses – keine Ausreden“: Der Kalender mahnt täglich zu sicherheitsbewusstem Verhalten.

 

Es ist schnell passiert: Einmal nicht richtig aufgepasst und das Messer rutscht ab. Die Folgen können schmerzhaft sein. Das Verletzungspotenzial nimmt zu, wenn Utensilien mit scharfen Klingen zum Arbeitsalltag gehören, beispielsweise in der Verpackungsindustrie. Dieses Problem kennen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der WestRock Packaging Systems Germany GmbH. Das Werk in Trier ist Teil von WestRock, einem internationalen Konzern mit Hauptsitz im US-amerikanischen Atlanta, und stellt Kartonagen und Verpackungen her, vom Sixpack bis zur Manschette für Joghurtbecher. Auch Service- und Wartungsarbeiten an Verpackungsmaschinen gehören zum Angebot.

Schon länger untersucht das Unternehmen alle Unfälle akribisch, selbst die Beinaheunfälle, bei denen niemand zu Schaden kommt. Ein konzerninternes Meldewesen vernetzt die Informationen dazu über die Kontinente hinweg. So behalten die Verantwortlichen den Überblick und können frühzeitig präventiv einschreiten. Dadurch hielten sich die Unfallzahlen in Grenzen, dennoch wollte WestRock die Sicherheit optimieren. „Jeder Unfall ist einer zu viel“, betont André Harnack, Safety, Health & Environment Department Leader, der als Fachkraft für Arbeitssicherheit den Arbeitsschutz am Trierer Standort organisiert. Der Konzern hat 2017 eine internationale Kampagne zum Handschutz initiiert, welche die Kolleginnen und Kollegen an der Mosel bereitwillig aufgriffen, um sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Denn dort bildeten Schnittverletzungen einen Unfallschwerpunkt. Erst kurz zuvor hatte sich ein Mitarbeiter an einem scharfkantigen Maschinenteil in den Handrücken geschnitten und fiel durch eine verletzte Sehne zwei Monate aus.

Die Kampagne zielt in erster Linie darauf ab, die Beschäftigten für Schnittgefahren zu sensibilisieren und an die richtige Persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu erinnern: Mit der zentralen Botschaft „Zero Excuses – keine Ausreden“ machen seitdem überall Poster und Wandbilder mit knackigen Hinweisen auf Risiken aufmerksam und liefern eingängige Sicherheitstipps mit. Das rheinland-pfälzische Werk beließ es nicht dabei und hat aus den Bildern noch einen Wandkalender geschaffen, der an jedem Arbeitsplatz das Thema monatlich unter verschiedenen Aspekten beleuchtet.

Blick fürs Detail

Außerdem nahmen die Trierer die Kampagne zum Anlass, um sich die Gefahrensituation in den verschiedenen Abteilungen noch genauer anzuschauen – nicht nur in der Produktion, auch in der Verwaltung. Denn dort drohen Schnittverletzungen genauso und sei es nur an einem Stück Papier. Am Standort wurde jeder einzelne Arbeitsplatz unter die Lupe genommen, jeglicher Handgriff analysiert. Dazu hat der Betrieb eigens Beschäftigte freigestellt. „Es war sehr sinnvoll, die einzelnen Tätigkeiten hinsichtlich der Schnittgefahr zu betrachten. Wir haben uns ausgiebig Zeit dafür genommen.“ Harnack selbst ist ohnehin täglich im Werk unterwegs, um mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über ihre Tätigkeiten zu sprechen. Welche Messer werden wofür und wie verwendet, mit welchen scharfen Kanten können Beschäftigte auf welche Art in Berührung kommen? Auf solche Fragen hat er jetzt noch genauere Antworten.

Die Untersuchungen lieferten zusätzliche Erkenntnisse, die wiederum zu neuen Maßnahmen führten. Die Abteilungsleitenden haben dann gemeinsam mit dem Arbeitsschutz-Experten Meilensteine festgelegt. „Als erstes Ziel hatten wir uns vorgenommen, Schnittgefahren direkt einzudämmen, also sämtliche Schneidwerkzeuge im Umlauf zu reduzieren und offene Klingen zu vermeiden.“ Es ging auch darum, die Hilfsmittel durch weniger gefährliche zu ersetzen. Klebeband lässt sich beispielsweise gefahrloser mit der Schere als mit dem Messer abschneiden. Manche Tätigkeiten funktionieren allerdings nicht ohne Messer, etwa wenn aus Papierrollen beschädigte Stellen entfernt werden müssen. Dafür sind nun Sicherheitsmesser mit innen liegender Klinge vorgesehen, die beim Loslassen automatisch in die Verkleidung zurückspringt. Im Prinzip gab es im Betrieb bereits sämtliche Arten von relevanten Schneidwerkzeugen, nur waren sie bestimmten Tätigkeiten nicht fest zugeordnet. Das änderte sich durch das Projekt.

Mittlerweile hat der Betrieb genau definiert, welches Schneidwerkzeug sich am besten für eine bestimmte Tätigkeit eignet, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Sicherheitsmesser in der Hosentasche, die für alles Mögliche im Einsatz waren, gehören der Vergangenheit an. Die passenden Arbeitswerkzeuge sind in jeder Abteilung an festen Orten griffbereit deponiert, daneben informiert ein Aushang an der Wand, welches Werkzeug wofür zu verwenden ist.

Checkpoint Sicherheit

Checkpoints hat das Unternehmen im Zuge der Kampagne neu eingeführt. Zu jedem Schichtbeginn prüft und dokumentiert dort ein Teammitglied, ob die notwendige PSA vollständig und an Ort und Stelle ist – beim Safety-Team-Check. Maschinenführer Dominik Zeising aus der Klebeabteilung übernimmt diese Aufgabe regelmäßig. Wenn etwas fehlt, kümmert er sich gleich um Nachschub: „Wir mache das für unsere eigene Sicherheit, nicht weil die Chefs das sagen.“

In puncto PSA spielen natürlich Sicherheitshandschuhe eine gewichtige Rolle. Schließlich lassen sich nicht alle Schnittgefahren durch das richtige Werkzeug komplett eindämmen. Außerdem können sich Beschäftigte auch an scharfkantigen Werkstücken oder Maschinenteilen verletzen. Daher hat der Betrieb diverse Handschuhe intensiv für verschiedene Tätigkeiten getestet. „Wir haben bei mehreren Versuchen Handschuhe unterschiedlicher Schutzklassen zerschnitten“, erzählt Harnack. Gemeinsam mit den Beschäftigten entschied man sich für bestimmte Modelle eines lokalen Lieferanten, der die nötige Bandbreite an Schnittschutzklassen in optimaler Qualität bot. Auch hier wurde genau festgelegt, welche von drei Schutzklassen für welchen Arbeitsvorgang taugt, um rundum Sicherheit zu gewährleisten.

Mission erfüllt

Zugleich haben die Mitarbeitenden jeweils die Wahl zwischen zwei verschiedenen Versionen, eine mit glatter und eine mit geschäumter Oberfläche. So können sie die für sich bequemste Variante aussuchen und die Akzeptanz für die PSA wächst: „Früher habe ich Zuschnitte ohne Schutzhandschuhe kontrolliert, jetzt trage ich dabei immer welche. Es ist Gewöhnungssache, hat aber Vorteile, denn ich schneide mich einfach nicht mehr“, erklärt Zeising. Viele Beschäftigte greifen sogar regelmäßig zur höchsten Schnittschutzklasse, weil auch diese Handschuhe gut sitzen und bei sämtlichen Arbeiten schützen.

Dass Unternehmensführung und Belegschaft beim Arbeitsschutz an einem Strang ziehen, zahlt sich aus: Seit dem Arbeitsunfall mit der verletzten Sehne im Herbst 2017 hat es bei WestRock in Trier keinerlei arbeitsbedingte Schnittverletzungen mehr gegeben. „Es war der richtige Weg“, so Harnack, „und wirklich alle sind einbezogen.“

Dieses Foto zeigt einen blauen Sicherheitshandschuh, der vor Schnittverletzungen schützt.

Der richtige Sicherheitshandschuh ist essenziell, um Schnittverletzungen an den Händen vorzubeugen. 

Ausgabe 1.2019

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