etem - Magazin für Prävention, Rehabilitation und Entschädigung
Gesundheitsförderung im Zustellbetrieb

Fit wie ein Sicherheitsschuh

Diese Abbildung zeigt mehrere Personen, die während des Gesundheitstages verschiedene Stationen der Präsentationen durchlaufen.

Alle zwei Jahre bietet der Gesundheitstag eine breite Palette an Angeboten in Sachen Sicherheit und Gesundheit. 

Wenn andere längst schlafen, machen sich Zustellerinnen und Zusteller auf den Weg: Ab 1 Uhr 30 morgens geht’s auf die Straße mit stapelweise Zeitungen oder Prospekten im Gepäck – egal, ob es stürmt, regnet oder schneit. Kein leichter Job, aber viel frische Luft und Bewegung. Dennoch gilt es, körperlich fit zu bleiben, um ihn ausüben zu können. Das weiß auch Tobias Konrad, Geschäftsführer der Z+S Zustell- und Service GmbH, ein Unternehmen der Mediengruppe Oberfranken aus Bamberg. Rund 1.400 Beschäftigte liefern für den Betrieb in den frühen Morgenstunden Druckerzeugnisse aus.

Bereits 2014 hat der Betrieb das Gesundheitsmanagement in den Fokus gerückt. Die Krankenquote fiel damals recht hoch aus, speziell Sturzunfälle kamen häufiger vor. Ein Integrationsteam trifft sich seitdem regelmäßig, um Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb verstärkt unter die Lupe zu nehmen. Abteilungsübergreifend betrachten Geschäftsführung, Verantwortliche des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, Betriebsratsmitglieder und Schwerbehindertenvertretung die aktuelle Situation und diskutieren entsprechende Maßnahmen. Bei Bedarf stehen Betriebsarzt und Sicherheitsfachkraft mit Rat und Tat zur Seite.

Das Foto zeigt hier das richtige Schuhwerk für einen Zeitungszusteller.

Worauf beim richtigen Schuhwerk zu achten ist, vermittelt der Betrieb auf verschiedenen Wegen.

Drei Schwerpunkte

„Draußen sind die Beschäftigten auf sich allein gestellt, da wollen wir im Gremium sie bestmöglich unterstützen“, erklärt Konrad. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der gesundheitlichen Prävention, denn die Zustellung fordert den Körper enorm. „Man muss abgehärtet sein“, so der Geschäftsführer.

Drei Schwerpunkte hat sich der Betrieb gesetzt, einen kommunikativen, einen aktiven und einen sensibilisierenden. Im Sinne einer kommunikativen Herangehensweise bringt das Integrationsteam zwei- bis dreimal jährlich einen Gesundheitsnewsletter heraus, den die Mitarbeitenden direkt nach Hause geschickt bekommen. Die Inhalte sind breit gefächert, so gibt es etwa Tipps für rückenschonendes Arbeiten, sicherheitsgerechte Ausstattung oder auch gesunde Ernährung. Nah am Arbeitsalltag sollen die Themen sein, die unter anderem der Betriebsrat an das Integrationsteam heranträgt.

Es gibt auch Raum für aktuelle Probleme, zum Beispiel Hundebisse, die sich zeitweise häuften. Ein Polizeihundeführer kam da mit Verhaltenstipps zu Wort. Oder ein anderes Mal ein Kollege, der über seinen Arbeitsalltag berichtet und erzählt, wie er sich gesund hält. „Aus der Praxis für die Praxis“, betont der Geschäftsführer, „schließlich sollen sich die Leute in den Informationen wiederfinden und nicht bevormundet fühlen.“ Zusteller Uwe Kießling, der seit 25 Jahren für Z+S im Einsatz ist, freut sich jedes Mal über die kompakten Informationen im Briefkasten: „Sie erinnern auch daran, sich für die Touren je nach der Witterung richtig vorzubereiten und komplett ausgerüstet zu sein. So vergesse ich beispielsweise im Winter die Spikes nicht.“

Ein Service-Teil mit Gewinnspiel samt attraktiven Preisen, darunter eine Armbanduhr mit Fitnesstracker, rundet den Gesundheitsnewsletter ab. Um die Preisfrage beantworten zu können, muss man die Informationen gründlich gelesen haben. Kießling tut das gern und nimmt regelmäßig teil – wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen. Konrad erinnert sich, dass Beschäftigte schon nach dem Newsletter gefragt haben, als er mal verspätet kam.

Ausprobieren und dazulernen

Der aktive Schwerpunkt im Gesundheitsmanagement liegt auf dem Gesundheitstag, zu dem das Unternehmen alle zwei Jahre einlädt – in Zusammenarbeit mit verschiedenen Krankenkassen. Die Teilnahme ist freiwillig, aber 150 bis 200 Zustellerinnen und Zusteller lassen es sich nicht nehmen, vorbeizuschauen. Auch Uwe Kießling, der mit 63 Jahren in der Nacht 23.000 Schritte zurücklegt und schon allein deswegen seine Gesundheit pflegen möchte, ist jedes Mal vor Ort. Das Angebot ist breit gefächert: An der Smoothie-Bar lässt sich gesunde Ernährung gleich praktisch erproben, rutschfeste Schuhe gibt es am Herstellerstand. Eine Kooperation zwischen Hersteller und Betrieb garantiert, dass Auswahl und Qualität stimmen. Für einen Großteil der Sicherheitsausrüstung sorgt ohnehin der Betrieb.

Diese Abbildung zeigt einen Zeitungsausträger mit sicherer Kleidung und einer Stirnlampe für eine sichere Ausleuchtung der jeweiligen Umgebung.

Zusteller Uwe Kießling ist rundum informiert darüber, worauf es bei einer sicheren Ausrüstung ankommt.

Ein Rauschbrillenparcours simuliert eine eingeschränkte Orientierung und mahnt zu besonders sicherem, vorausschauendem Verhalten bei widrigen nächtlichen Witterungsverhältnissen. Und wer mag, kann seine Augen oder sein Hörvermögen testen lassen. Speziell bei einem Durchschnittsalter der Beschäftigten von 55 Jahren ein sinnvolles Angebot, das für manch einen eine Überraschung bereithält: „Beim Augencheck habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr so gut sehe und was unternehmen muss“, erkannte Kießling beim letzten Gesundheitstag im Herbst 2018.

Bewusstsein schaffen

Einen dritten Schwerpunkt legt Z+S darauf, die verschiedenen Management-Ebenen für Gesundheitsfragen zu sensibilisieren. Damit will das Unternehmen möglichen Problemen frühzeitig vorbeugen, etwa längeren Ausfallzeiten, die auch logistische Schwierigkeiten nach sich ziehen. Verantwortliche sollen ihre Fürsorgepflicht stets im Auge behalten. Dazu gehört, Krankenrückkehrgespräche zu führen und Beschäftigte insgesamt mit ihren gesundheitlichen Belangen wahrzunehmen. Nur so können Führungskräfte rechtzeitig die Lage der Außendienstler einschätzen und erfahren, wo der Betrieb den Arbeitsschutz verbessern könnte.

Mitarbeitende spüren, wenn ein Unternehmen sie samt ihrer Situation ernst nimmt und sich für ihre Sicherheit und Gesundheit einsetzt. Das tun auch die Zustellerinnen und Zusteller von Z+S. Sie wissen die Angebote im Rahmen des Gesundheitsmanagements zu würdigen und die offenen Ohren für das, was sie bewegt. „Man fühlt sich wertgeschätzt“, sagt Kießling. Das tue dem Betriebsklima insgesamt gut, erkennen auch Tobias Konrad und sein Integrationsteam.

Fortsetzung folgt

Was als Projekt im Arbeitsschutz begann, hat sich zu einem permanenten Prozess entwickelt. Der geht nicht nur weiter, sondern bringt auch immer neue Ideen hervor, beispielsweise eine App, die das Unternehmen gerade umsetzt. Über diese App werden die Beschäftigten mobil alle wesentlichen Infos im Bereich der Zustellung bekommen, etwa zu optimalen Routen. Via Notruf-Button lässt sich dann im Fall der Fälle die genaue Position an die Zentrale übermitteln. Schon jetzt zeigt ein kurzer Film auf der Website des Unternehmens, wie Zustellerinnen und Zusteller ihre Tour sicher meistern – mit Uwe Kießling als Hauptdarsteller. Online entsteht zudem ein geschützter Bereich, der Beschäftigten sicherheitsrelevante Themen noch intensiver nahebringen soll.

Ausgabe 1.2019

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