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Unfälle mit Fußgängerbeteiligung

Umrüsten für mehr Sicherheit

Dieses Foto zeigt eine Fussgängerin bei Dunkelheit mit heller reflektierender Kleidung und ein Fahrrad mit "Katzenaugen".

Im Dunkeln sind Fußgänger mit heller und reflektierender Kleidung sowie Fahrräder mit „Katzenaugen“ deutlich besser zu sehen.
 

Es ist dunkel und regnet stark. Ein Pkw- Fahrer fährt auf einen Kreisverkehr zu. Er übersieht eine Fußgängerin, die gerade den Zebrastreifen am Kreisverkehr überqueren will. Als das Auto sie erfasst, wird die Fußgängerin erst auf die Motorhaube und dann auf den Asphalt geschleudert. Sie erleidet schwerste Kopfverletzungen und verstirbt im Krankenhaus. Die Fußgängerin war mit einer schwarzen Winterjacke und schwarzen Jeans bekleidet.

Nach Unfällen in der Dunkelheit mit Fußgängern geben neun von zehn Pkw- Fahrern an, den Fußgänger nicht gesehen zu haben. Denn leider erliegen Fußgänger im städtischen Bereich schnell dem Trugschluss, sich aufgrund der Straßenbeleuchtung nicht schützen zu müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dunkel gekleidete Fußgänger werden von Pkw-Fahrern erst ab einer Entfernung von 25 Metern wahrgenommen. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h beträgt der Anhalteweg aber schon circa 28 Meter – zu viel, um noch rechtzeitig vor dem Fußgänger zum Stehen zu kommen.

Diese Illustration zeigt einen PKW, der einen Mann mit dunkler Kleidung und eine Frau mit heller Kleidung anleuchtet. Ein anderer Mann mit reflektierender Kleidung und einem Hund mit reflektierender Leine wird ebenfalls von dem Lichtkegel des PKW's erfasst.

Kleiner Aufwand – großer Effekt

Fußgänger können ihre Sichtbarkeit mit vertretbarem Aufwand deutlich erhöhen, etwa durch das Tragen heller Kleidung oder Accessoires. Am wirksamsten sind fluoreszierende und retroreflektierende Materialien an Bekleidung, Taschen und Schirmen. Fußgänger sind so bereits ab einer Entfernung von 140 Metern sichtbar.

Aber auch dann sollten sie Straßen nur an übersichtlichen Stellen überqueren und den Fahrzeugverkehr beachten. Insbesondere bei Regen ist jedoch die Sicht mancher Fußgänger durch den Regenschirm oder die weit ins Gesicht gezogene Kapuze verdeckt. Herannahende Fahrzeuge werden von den Gefährdeten dann schnell übersehen.

In der Regel stoßen Unternehmen wegen dieses Problems bei ihren Beschäftigten auf offene Ohren. Die BG ETEM hilft bei der persönlichen „Umrüstung“ für mehr Sicherheit: So zeigen Ausstellungsstücke aus dem „Aktionsmobil Zweirad“ (das Mitgliedsunternehmen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird), mit welch einfachen Möglichkeiten man sich im Straßenverkehr sichtbar machen kann. Dazu gehören reflektierende Jacken, Schirme oder Reflexarmbänder und -aufkleber. Letztere sind bereits für circa ein Euro erhältlich und erhöhen – sofern sie richtig angebracht sind – die Sichtbarkeit deutlich.

Besonders empfehlenswert ist eine derartige Ausrüstung für Berufsgruppen, die oft im Dunkeln unterwegs sind. Dies betrifft zum Beispiel die Zeitungszusteller, die meist in den Morgenstunden von drei bis fünf Uhr auf den Beinen sind. Auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung ist es wichtig, dass Arbeitgeber diesem Personenkreis entsprechende reflektierende Artikel oder mit Reflektoren ausgestattete Bekleidung zur Verfügung stellen. Damit kann das Unfallrisiko für die Zeitungszusteller sehr gut minimiert werden.

Mögliche Maßnahmen für Unternehmen zur Prävention von Fußgängerunfällen:

  • Aktionen für Pkw-Fahrer zur Sichtbarkeit von Fußgängern, Anhalteweg bei 50 km/h mit Stoffbahnen oder Planen nachstellen
  • Bei der Beschaffung von Dienstfahrzeugen den „Fußgängerschutz“ berücksichtigen (aktive Motorhaube, Abbiege- und Nachtsichtassistenten, Windschutzscheibenairbag, Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung)

Hier ist eine Jeans abgebildet mit reflektierenden Fasern, die auch im Dunklem zu sehen sind. Daneben eine normale, dunkle Jeans.

In einem Pilotprojekt werden Jeans mit speziellen Fasern entwickelt, die auffallendes Licht reflektieren und im Dunkeln besser zu sehen sind. Zum Vergleich rechts eine herkömmliche Jeans.

Sehtest nutzen

Eine nicht unerhebliche Rolle für die Sicherheit spielt bei allen Verkehrsteilnehmern auch das Sehvermögen. 90 Prozent der notwendigen Informationen im Straßenverkehr werden über die Augen aufgenommen. In der Nacht beträgt die Sehleistung des menschlichen Auges hingegen nur noch fünf Prozent. Fehleinschätzungen sind so vorprogrammiert.

Mit einem Sehtest, zum Beispiel in Kooperation mit dem Betriebsarzt oder ansässigen Augenoptikern, lassen sich in wenigen Minuten Sehschärfe, Dämmerungssehvermögen, Blendempfindlichkeit und andere Parameter überprüfen.

Ina Papen

INFO

Ein Video über „Sichtbarkeit im Straßenverkehr“ gibt es in der Reihe Riskbuster der BG ETEM unter youtube.com/diebgetem  

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