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Sanierung eines Filterbehälters

Zukünftig sicherer

Dieses Foto zeigt Teile in einem Wasserwerk. Im Vordergrund ist ein Geländer zu sehen und ein Einstieg in grün, der verschlossen ist. An einem Behälter sind unterschiedliche Rohre angebracht.

Aufstiegsmöglichkeit und Schutz gegen Absturz am Behälterkopf.
 

Der Wasser- und Abwasserverband Wesermünde- Nord (WAV WEM-Nord) wurde 1949 als Wasserbeschaffungsverband gegründet und ist Betreiber eines Wasserwerks mit Druckerhöhungsstation und einer Kläranlage. Das heutige Wasserwerk aus dem Jahre 1974 besteht aus einer Filteranlage mit drei gleichen und parallel geschalteten Schnellfilterkesseln sowie einem Reinwasserbehälter.

Aufgabe der Filteranlage ist die Enteisenung und Entmanganung des Rohwassers. Die darin befindlichen Schwebstoffe werden ebenfalls im Filter zurückgehalten. Bei der jährlichen Revision der Filter zeigte sich im Bereich des Mantels, des Klöpperbodens und des Düsenbodens Korrosion.

Da kein einheitliches Spülbild bei der Rückspülung mehr zu sehen war, musste auch ein Filterdüsenwechsel erfolgen. Zusätzlich sollte das aus Kunststoff bestehende Verteilerrohr im unteren Klöpperboden ausgebaut und durch ein Edelstahlrohr ersetzt werden.

Sicherheitstechnische Verbesserungen

Die grundlegende Sanierung des Behälterinneren und den damit einhergehenden Zeitaufwand nutzten die Verantwortlichen beim WAV WEM-Nord, um den Behälter auch bezüglich der Arbeitssicherheit umfassend zu betrachten: Die Bedingungen bei Arbeiten am und im Behälter sollten verbessert und die Sicherheit erhöht werden.

Aus der langjährigen Erfahrung mit dem Betrieb der Filteranlage war im Unternehmen bekannt, dass Arbeiten an und auf dem Filter mit großem Aufwand verbunden und nur umständlich durchführbar waren. Unter anderem waren stets einige Vorbereitungen nötig, um ein sicheres Arbeiten zu ermöglichen. Bereits bei der Planung der Sanierung berücksichtigten die Verantwortlichen daher auch Punkte, mit denen ein erhebliches Plus an Sicherheit für die Mitarbeiter erzielt werden konnte.

Aufstieg und Absturzsicherung am Behälterkopf

In der Vergangenheit wurde jedes Mal vor Beginn von Arbeiten auf dem Behälter ein Schutz gegen Absturz „konstruiert“. Nach der Sanierung schützt nun ein dreiteiliges Geländer die Mitarbeiter gegen Absturz. Die früher erforderlichen Vorarbeiten wurden durch diese bauliche Schutzmaßnahme überflüssig. Zusätzlich bieten zwei Trittstufen in Verbindung mit Handläufen einen besseren Aufstieg zum Behälterkopf.

Vergrößerung der Behälteröffnungen und Sicherung der Deckel

Bislang gestaltete sich der Zugang in den Filterbehälter schwierig, weil alle Behälteröffnungen lediglich eine Nennweite von 500 mm hatten. Bei der Sanierung wurden die Öffnungen auf 700 mm erweitert, um ausreichend dimensionierte Zugangsöffnungen zu erhalten. Das neue Maß erleichtert auch die Rettung von Personen aus dem Behälter und erfüllt in Verbindung mit der Stutzenhöhe von 180 mm die Empfehlungen der einschlägigen DGUV Regel*.

Darüber hinaus waren ursprünglich die Flanschblätter der Behälteröffnungen direkt an den Behälter geschweißt. Die Deckel konnten nur mit hohem Personalaufwand und mit großer Vorsicht abgenommen werden, weil Aufhängungen, Scharniere oder Ähnliches fehlten. Die Mitarbeiter mussten die Deckel mit einem Gewicht von etwa 50 kg halten und in ergonomisch ungünstigen Positionen heben und bewegen. Die neuen Deckel wiegen sogar 113 kg. Neu eingebaut wurden deshalb

  • Aufhängungen an der oberen und der seitlichen Öffnung sowie ein
  • Scharnier an der unteren Öffnung.

Der Effekt: Ergonomisch ungünstige Belastungen werden durch diese Maßnahmen deutlich reduziert, ebenso die Gefahr von Verletzungen, die erfahrungsgemäß im Zusammenhang mit dem Handhaben ungeführter Deckel bestehen.

Das Bild zeigt einen Teil eines Behälters, wo Behälteröffnungen angebracht sind.

Seitliche Behälteröffnungen in alter und neuer (hinten) Ausführung.

Durchführung der Sanierung

Den ersten Abschnitt des Sanierungsprojektes bildete Behälter I. Der technische und zeitliche Aufwand kann beispielsweise daran eingeschätzt werden, dass für die Strahlarbeiten der Filterbehälter komplett eingehaust und eine Absauganlage installiert wurde, um eine Verschmutzung der Umgebung möglichst gering zu halten.

Im Zuge der Sanierung wurden unter anderem

  • der Filterbehälter entleert,
  • der Filtersand abgesaugt,
  • die Filterdüsen und das Verteilerrohr demontiert,
  • der Behälter mit Kupferschlacke gestrahlt,
  • die alten Flanschblätter entfernt,
  • die neuen Flansche und Aufnahmen der Aufhängungen angeschweißt und
  • die neue Beschichtung aufgebracht.

Der Filterbehälter wurde mit drei Anstrichen im Farbwechsel beschichtet, wobei die Temperatur mit einem Heizgerät konstant auf über 15 Grad Celsius gehalten werden musste. Die Schlusstrocknung bei 20 Grad Celsius erfolgte über einen Zeitraum von 10 Tagen.

Teilweise war es unumgänglich, Arbeiten im Inneren des Behälters auszuführen. Hierfür wurden auf Basis der gesondert durchgeführten Gefährdungsbeurteilung einige Schutzmaßnahmen festgelegt. Dazu gehörten u. a.

  • die Speisung elektrischer Betriebsmittel über Trenntrafos,
  • die zielgerichtete und ausreichend dimensionierte Be- und Entlüftung des Behälters (Volumenstrom von >300 m3/h) und
  • ein angepasster Atemschutz bei den Beschichtungsarbeiten.

Für den Notfall sorgte der WAV WEM-Nord gemeinsam mit den beteiligten Auftragnehmern durch ein speziell ausgearbeitetes Rettungskonzept vor.

Hier wird eine Behälteröffnung in neuer Ausführung gezeigt.

Untere Behälteröffnung in neuer Ausführung.

Resümee

Die Sanierung des Filterbehälters bot die Chance, durch geeignete technische Maßnahmen den Aufwand bei Arbeiten am und im Behälter zu reduzieren und gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen. Welche Schwierigkeiten durch ungünstige Verhältnisse an einem Behälter entstehen, wurde nicht zuletzt während der Sanierungsarbeiten selbst noch einmal allen Beteiligten deutlich.

Mit den gefundenen Lösungen hat der WAV WEM-Nord mehrere Verbesserungen erzielt und damit die Gefährdungen und Belastungen für eigene Mitarbeiter und zukünftige Auftragnehmer deutlich reduziert. Die Erfahrungen aus dem ersten Sanierungsabschnitt an Behälter I fließen unmittelbar in die Planungen für die Behälter II und III ein, die im Laufe des nächsten Jahres saniert werden sollen.

Lars Haidinger (WAV WEM-Nord), Walburga Finzel und Timo Behnke (BG ETEM)

*DGUV Regel 113-004 „Behälter, Silos und enge Räume – Teil 1: Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen“

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