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Aus Unfällen lernen

Doppelte Vorsicht ist besser

Dieses Foto zeigt eine Beschaätigte, die vor dem geöffneten Schutzgitter einer Maschine steht.

Vor dem Unfall: Da das Schutzgitter zu klein war ...

Dieses Bild zeigt die Maschine und eine Hand der Beschäftigten, die die Gefahrenstelle zeigt. Das Schutzgitter ist geöffnet.

... konnte die Gefahrstelle problemlos erreicht werden.

Mit einer solchen Wirkung hätte Michaela Mai (Name von der Redaktion geändert) nie gerechnet. Die Leiterin der Konfektionsabteilung eines Textilunternehmens war gerade dabei, einen mit der Maschine nicht vertrauten Mitarbeiter einzuweisen und gleichzeitig den Warenlauf zu überprüfen. Dabei versuchte sie, während des Betriebes die einlaufende Warenbahn gerade zu ziehen und griff deshalb um das Schutzgitter herum.

Die Folge: Die Hand wurde durch das nicht eigens gesicherte Einzugswalzenpaar erfasst. Durch die Bewegung drückte sie aber zufällig die verriegelte Schutztür auf und die Maschine stoppte. Kollegen mussten die Frau, deren Zeige- und Mittelfinger gequetscht wurden, aus der Maschine befreien.

Ursache für den Unfall

Eine neue Maschine darf in der EU nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn sie die im Anhang 1 der Maschinenrichtlinie (Richtlinie 2006/42/EG) aufgeführten Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen erfüllt. Beispielsweise darf es nicht möglich sein, bei laufender Maschine in bewegliche Teile zu greifen. Der Hersteller bestätigt dies durch eine Konformitätserklärung und eine CE-Kennzeichnung an der Maschine.

In diesem Fall hatte der Maschinenhersteller ein verriegeltes Schutzgitter angebracht, um den Zugriff auf die Einzugswalzen und den Nähkopf zu verhindern. Verriegelt heißt: Die Maschine stoppt, sobald das Gitter geöffnet wird. Sie lässt sich auch erst wieder einschalten, wenn das Gitter wieder geschlossen ist. Unfallrisiken an beweglichen Maschinenteilen sollten damit ausgeschlossen werden.

Das an der Unfallmaschine angebrachte Schutzgitter war jedoch viel zu klein dimensioniert. Die Beschäftigten konnten problemlos um die Schutzeinrichtung herum- oder auch unter ihr hindurchgreifen. Bei der Verwendung einer Schutzeinrichtung mit diesen geringen Abmessungen hätte der Sicherheitsabstand zwischen Gitter und Gefahrstellen deutlich größer sein müssen.

DIN EN ISO 13857 regelt die Sicherheitsabstände an Maschinen, sodass Gefahrstellen mit den oberen und unteren Gliedmaßen nicht erreicht werden können. Kann um eine Schutzeinrichtung herum oder hinübergegriffen werden, so muss z. B. zwischen einer Schutzkonstruktion von 1 m Höhe und einer Gefahrstelle, die sich ebenfalls auf 1 m Höhe befindet, bei geringem Risiko ein Abstand von mindestens 1,40 m, bei hohem Risiko ein Abstand von 1,50 m eingehalten werden (siehe Tabelle).

Das Bild zeigt eine Maschine in einer Textilfirma. Sie ist mit einem Schutzgitter ausgestattet.

Nach Umrüstung der Maschine ist kein Zugriff auf die Gefahrstelle mehr möglich.

Hersteller und Unternehmer sind verantwortlich

In diesem Fall betrug der Abstand nur ca. 0,55 m. Der Maschinenhersteller hätte also eine größere trennende Schutzeinrichtung, einen größeren Abstand zwischen Schutzgitter und Maschine oder eine andere Art der Gefahrstellensicherung wie beispielsweise eine berührungslos wirkende Schutzeinrichtung wählen müssen.

Allerdings muss der Unternehmer auch an neuen Maschinen eine Gefährdungsbeurteilung durchführen. Nach § 3 Betriebssicherheitsverordnung entbindet ihn eine vorhandene CE-Kennzeichnung nicht von dieser Pflicht. Laut § 4 darf das Arbeitsmittel erst dann verwendet werden, wenn

  • die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt,
  • Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik getroffen wurden und
  • die Verwendung nach dem Stand der Technik sicher ist.

Hier hätte dem Unternehmer auffallen müssen, dass Gefahrstellen trotz Schutzeinrichtung einfach erreichbar sind. Auch die Mitarbeiter sollten bei neuen Maschinen, insbesondere wenn sie noch im Probebetrieb sind, ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheitseinrichtungen legen. Auch wenn sie vorhanden sind, bedeutet dies nicht automatisch, dass Gefährdungen grundsätzlich ausgeschlossen sind. Die Maschine wurde zwischenzeitlich nachgerüstet und deutlich größere Schutzeinrichtungen angebracht. Ein Zugriff zur Gefahrstelle ist jetzt nicht mehr möglich. Für Michaela Mai kommt diese Verbesserung jedoch leider zu spät.

Karin Dauth, Richard Gopp

Hier wird eine Tabelle gezeigt, die für die oberen Gliedmaße die Sicherheitsabstände (nach DIN EN ISO 13857) aufzeigt. Im rechten unteren Tabellenteil ist eine Illustration eingebettet. Diese zeigt ein Mann, der die Sicherheitsabstände beim Hinüberreichen demonstriert.

Info:

 

Angaben über notwendige Sicherheitsabstände bei Arbeiten an Maschinen finden sich in DIN EN ISO 13857 „Sicherheit von
Maschinen – Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefährdungsbereichen mit den oberen und unteren Gliedmaßen“.
Die BG ETEM hat hierzu eine Arbeitshilfe herausgebracht: „Sicherheit an Maschinen – Sicherheitsabstände gegen das
Erreichen mit den oberen und unteren Gliedmaßen“. Download unter: http://dp.bgetem.de/pages/service/download/medien/S_044.pdf

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