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Unfälle mit Feststoffeinträgen in Biogasanlagen

Die unterschätzte Gefahr

Diese Abbildung zeigt einen Teil einer Biogasanlage, den sicheren Einstieg.

Abb. 1: Sicherer Aufstieg
 

In den vergangenen Jahren kam es bei Arbeiten in Feststoffeintragssystemen im Zuständigkeitsbereich der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mehrfach zu tragischen Unfällen mit Todesfolge:

  • Ein Unfallopfer stürzte in einen versenkten Feststoffdosierer und wurde von der Förderschnecke erfasst und eingezogen.
  • Durch eine Revisionsklappe stieg ein Unfallopfer in den Feststoffdosierer. Die Zerkleinerungswerkzeuge liefen automatisch an.
  • Beim Versuch, eine Verstopfung in der Anlage mit einer Mistgabel zu beseitigen, stürzte ein weiteres Unfallopfer von einer den Feststoffdosierer umfassenden Mauer in den Feststoffeintrag und wurde eingezogen.

Die Unfallursachen sind vielfältig. Offensichtlich ist jedoch, dass in vielen Fällen die Gefahr unterschätzt wird, die von sich drehenden Anlagen und Anlagenteilen ausgeht, und wichtige Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden.

Die Abbildung zeigt einen Feststoffdosierer mit Brückenbrechern.

Abb. 2: Feststoffdosierer mit Brückenbrechern

Übersicht über das Schutzmaßnahmenkonzept

Ein Risikofaktor ist die Abschaltung der Einbringtechnik, wenn diese lediglich über die SPS (speicher-programmierbare Steuerung) erfolgt. Ähnlich wie die Abschaltung durch den Not-Aus-Schalter ist diese Maßnahme kein vollkommener Schutz vor einem Wiederanlaufen der Anlage. Daher sind bei der Abschaltung mindestens folgende Maßnahmen zu beachten:

  1. Allpoliges Abschalten der Anlage
  2. Sicherung gegen Wiedereinschalten (z.B. mit einem gesicherten Schalter)
  3. Prüfung auf Spannungsfreiheit. Bei Wartungsarbeiten am Feststoffdosierer ist es trotz aller Vorkehrungen von großer Bedeutung, dass die Arbeiten niemals in Alleinarbeit, sondern immer mindestens zu zweit stattfinden. So können im Notfall die entsprechenden Maßnahmen unmittelbar veranlasst werden.

Unfälle durch das Stürzen von Leitern zählen zu den häufigsten Arbeitsunfällen in Biogasanlagen. Auch bei Wartungsarbeiten am Feststoffdosierer werden meist Leitern verwendet. Hier ist es besonders wichtig, keine ungeeigneten oder beschädigten Leitern zu verwenden. Die Beschäftigten an der Anlage müssen darauf achten, dass die Leiter gegen seitliches Umkippen oder Wegrutschen gesichert ist und nach der Arbeit umgehend entfernt wird. Besser sind fest angebrachte oder verschiebbare Treppenpodeste mit entsprechendem Geländer. Besondere Aufmerksamkeit ist während des Übersteigens des Behälterrandes des Feststoffdosierers geboten.

Diese Abbildung zeigt eine Art Geländer. Das ist eine Sicherung eines unter Erdgleich betriebenen Feststoffdosierers gegen das Hineinstürzen.

Abb. 3: Sicherung eines unter Erdgleiche betriebenen Feststoffdosierers gegen Hineinstürzen

 

Vorsichtsmaßnahmen bei Arbeiten am/im Feststoffdosierer

  • Mitarbeiter bzw. Familienangehörige müssen unterwiesen sein.
  • Vor dem Einsteigen muss durch Freimessen sichergestellt werden, dass sich im Behälter keine gefährlichen Gase angesammelt haben (z. B. Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff oder Methan).
  • Die Beschäftigten müssen robuste Arbeitskleidung, Sicherheitsschuhe sowie Handschuhe mit Stech- und Schnittschutz tragen.
  • Scharfe Teile müssen abgedeckt werden, um Verletzungen zu vermeiden.
  • Im Vorfeld der Arbeiten ist zu klären, wie Personen schnell aus dem Feststoffdosierer gerettet werden können.

Bevorzugt sollte ein fachkundiges und erfahrenes Instandhaltungsunternehmen mit der Arbeitsausführung beauftragt werden.

Diese Abbildung zeigt einen Kontaktschalter hinter einem Maschendrahtzaun.

Abb. 4: Kontaktschalter

Hersteller muss Maschinenrichtlinie einhalten

Bei Feststoffdosierern handelt es sich um Maschinen, die der Maschinenrichtlinie entsprechen müssen. Sie sieht unter anderem vor, dass Maschinen nur dann in Umlauf gebracht werden dürfen, wenn der Hersteller die Einhaltung der Maschinenrichtlinie schriftlich in der Konformitätserklärung erklärt und die Maschine mit einer CE-Kennzeichnung versieht.

Auch technische Vorgaben sind einzuhalten. Feststoffeinträge müssen beispielsweise so konzipiert sein, dass möglichst keine Verstopfungen oder Störungen, z. B. durch Brückenbildung, auftreten (siehe Abbildung 2).

Zudem müssen selbstanlaufende bewegliche Teile wie Messer oder Förderschnecken so angeordnet sein, dass sie nicht von Personen erreicht werden können. Hier schreibt die Technische Information „Sicherheitsregeln für Biogasanlagen“ (siehe Infokasten) vor, dass die Wände von Feststoffeinträgen eine Mindesthöhe von 1,30 Meter (mit Abdeckung) und 1,80 Meter (ohne Abdeckung) haben müssen. Versenkte oder teilversenkte Vorlagen mit mechanischen Teilen, wie Schnecken oder Zerkleinerungswerkzeugen, sind durch eine ausreichend hohe, nicht übersteigbare Begrenzung gegen Hineinstürzen zu sichern (siehe Abbildung 3).

Müssen diese Vorlagen z. B. bei Befüllvorgängen geöffnet werden, so müssen die mechanischen Teile in der Feststoffvorlage automatisch abgeschaltet werden (Abschaltung der gefahrbringenden Bewegung), z. B. durch einen Kontaktschalter (siehe Abbildung 4). Diese Maßnahmen können bei einem Absturz in den Feststoffeintrag ein Erfassen durch die Förderschnecken verhindern.

Die Wandoberseiten von Feststoffdosierern müssen so ausgeführt sein, dass sie nicht begehbar sind, um ein Hineinstürzen zu verhindern. Ein sicherer Aufstieg, der ein Hineinschauen ermöglicht, aber einen Absturz verhindert, kann dennoch sinnvoll sein (siehe Abbildung 1). So kann eine Kontrolle erfolgen, ohne dass eine Absturz- oder Verletzungsgefahr durch das Erreichen beweglicher Teile besteht. Hier können auch am Feststoffdosierer angebrachte Spiegel oder Schaugläser hilfreich sein.

Das Foto zeigt eine gesicherte Revisionsöffnung.

Abb. 5: Gesicherte Revisionsöffnung

Feststoffdosierer mit Revisionsöffnungen

Sind Feststoffdosierer mit Revisionsöffnungen ausgestattet, so muss beim Öffnen die mechanische Bewegung automatisch stoppen. Besser: Die Öffnung ist zugehalten, solange die mechanischen Teile laufen bzw. sich im Automatikbetrieb befinden (siehe Abbildung 5). Zudem ist bei automatisch anlaufenden Teilen das Warnzeichen W018 gemäß ASR 1.3 anzubringen.

Dr. Florian Heuser (SVLFG)

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